Das Haus der Zukunft: Wohnen mit menschlichem Maßstab

Das Haus der Zukunft: Wohnen mit menschlichem Maßstab

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My Beautiful Backside

von Manfred Engeser

Zonen statt Zimmer, bunte Stoffe, Dampfbad: Wie sich das indisch-britische Designerpaar Nipa Doshi und Johnathan Levien die Zukunft des Wohnens vorstellt.

Bänke und Liegen, bezogen mit dicken, farbenprächtigen Stoffen, laden in verschiedenen Ecken des Hauses zum Verweilen ein. Die Küche erinnert an einen Marktplatz, auf dem Obst, Gemüse und Gewürze feilgeboten werden. Von dort gelangt man in den Spabereich, in dem sich neben einer Dusche auch ein Dampfbad zur täglichen Benutzung befindet. Ein klassisches Wohnzimmer sucht man vergeblich, das Schlafzimmer wird ausgefüllt von einem riesigen Bett, das als Treffpunkt für die ganze Familie fungiert – auch tagsüber. Eine Anlaufstelle wie der große Esstisch im begrünten Innenhof, um den sich alle Zonen des Hauses gruppieren. Raumtrenner aus transparenten Materialien lassen das Licht wie durch Netze ins Innere des Hauses fallen. Feste Wände allerdings, die einzelne Räume voneinander abgrenzen, sucht man vergebens. Wohnen, schlafen, essen, arbeiten, kochen, baden: In diesem Haus geht alles ineinander über.

Wohnen im verwebten Mikrokosmos

„Ein Haus muss nicht notwendigerweise Privatheit für die Menschen schaffen, die darin leben. Wir haben einen Mikrokosmos kreiert, in dem alle Räume miteinander verzahnt sind“, sagt  Nipa Doshi. Die in Indien geborene und aufgewachsene Designerin und der Schotte Jonathan Levien, mit dem sie seit mehr als zehn Jahren im hippen Londoner East End ein Designstudio betreibt, haben im Auftrag der Kölner Möbelmesse ihre Vorstellungen von einem idealen Zuhause entworfen.

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Herausgekommen ist ein Haus, das zwar bislang nur als digitaler Entwurf und Pappmodell existiert – das nach den Vorstellungen des Multikulti-Designerpärchens aber problemlos mitten in einer Großstadt wie Tokio oder Shanghai, London oder Neu-Delhi stehen könnte: Nicht in einem reinen Wohnviertel, sondern eingebunden in die vielfältige Architektur und das Treiben eines lebendigen Viertels mit kleinen Geschäften und Werkstätten, Restaurants und Märkten. Mit unregelmäßig verlaufenden Außenmauern, die das Ergebnis der Vorstellung sind, wie jemand im Inneren leben möchte. So wird das Haus zu einer Art Wohncollage, die an vielen Stellen mit konventionellen Vorstellungen von Architektur, Design und Zusammenleben komplett gebrochen. Duschen kann man auch im Garten, dort gibt es einen Schlauch zum Pflanzengießen und einem zum Füßewaschen. An die Küche schließt sich eine Werkstatt an, in der gearbeitet wird, wo aber auch die Kinder spielen. So ähnlich wie zuhause bei Doshi und Levien, deren dreijähriger Sohn ohne klassische Kinderzimmer lebt, dafür aber gern im ganzen Haus rumtollt.

Studieren inmitten kultureller Gegensätze

„Wir verweben verschiedene Lieblingsplätze der Bewohner miteinander und definieren sie neu“, sagt Doshi. „Wir mögen die Idee von improvisiertem Design und sozialer Dynamik in diesen Räumen.“

So, wie sie es aus ihrer Kindheit und Jugend kennt: Geboren 1971 in Bombay, dem heutigen Mumbai, und aufgewachsen in Neu-Delhi, studierte Doshi am National Institute of Design in Ahmedabad, einer Insel der Funktionalität, eingebettet in das wuselige Alltagsleben des Subkontinents. Während sie Toaster und Kaffeemaschinen entwarf, die sich an der Nüchternheit von Bauhaus und Moderne orientierten, kochten die Menschen draußen auf den Straßen Tee auf offener Flamme – im Rücken möglicherweise ein Gebäude mit strenger Fassade, entworfen von der Architektenlegende Le Corbusier, der hier in den 1950er Jahren seine Spuren hinterließ. Nach einem zweiten Studium in London kehrte sie noch einmal in ihre Heimat zurück und entwickelte gemeinsam mit ortsansässigen Kunsthandwerkern traditionelle einheimische Produkte mit zeitgenössischem Ausdruck und sinnlich-farbenfroh gestalteter Oberfläche.

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