Datenkrake Facebook: So lässt sich die Nummer-Weitergabe bei WhatsApp stoppen

Datenkrake Facebook: So lässt sich die Nummer-Weitergabe bei WhatsApp stoppen

, aktualisiert 26. August 2016, 12:50 Uhr
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Die beiden Dienste rücken enger zusammen.

von Christof Kerkmann und dpa Quelle:Handelsblatt Online

Also doch: WhatsApp gibt künftig Nutzerdaten wie die Handynummer an den Mutterkonzern Facebook weiter. Doch Nutzer können das noch verhindern – und es gibt Alternativen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mountain View„Der Respekt für deine Privatsphäre ist in unseren Genen“, schrieb WhatsApp-Gründer Jan Koum im März an die Nutzer. Gerade hatte Facebook den populären Kurznachrichtendienst übernommen, und so mancher Kritiker befürchtete, dass Start-up und Konzern Daten in einem ungekannten Ausmaß sammeln könnten. „Wir haben WhatsApp um das zentrale Prinzip, so wenig, wie möglich von dir zu wissen, aufgebaut“, ließ Koum daher wissen.

Das klingt inzwischen etwas anders. WhatsApp gibt künftig bestimmte Daten der mehr als eine Milliarde Nutzer an den Mutterkonzern Facebook weiter – dieser will so beispielsweise gezielter Werbung ausspielen. Auch wenn die App nicht mehr Daten erhebt, entsteht ein genaueres Bild, wenn ein Nutzer beide Dienst verwendet. Welche Änderungen genau anstehen und wie Nutzer zumindest die Weitergabe bestimmter Informationen verhindern können: ein Überblick.

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Auf welche Informationen von WhatsApp-Nutzern wird Facebook künftig zugreifen können?
Nachdem bei der Übernahme durch Facebook 2014 vereinbart wurde, die Daten getrennt zu lassen, macht WhatsApp nun einen vorsichtigen Schritt. Facebook soll die Telefon-Nummer des Nutzers bekommen sowie Informationen dazu, wann er bei dem Dienst aktiv war – Experten sprechen von Metadaten.

Was will Facebook damit?
Es heißt, damit solle die Werbung bei Facebook besser personalisiert werden. „Du könntest z. B. Werbung von einem Unternehmen sehen, mit dem du bereits in Kontakt standst, anstatt eines vorgeschlagen zu bekommen, von dem du noch nie gehört hast“, schreibt das Unternehmen im Firmenblog. Zum anderen solle innerhalb der Facebook-Gruppe auch ein Dienst wie die Fotoplattform Instagram WhatsApp-Daten nutzen können, um Nutzer zum Folgen vorzuschlagen. Was WhatsApp betont: „Wir werden deine Nummer auch weiterhin nicht verkaufen, teilen oder an Werbeagenturen weitergeben.“

Was verrät eine Handynummer überhaupt?
Mit der Telefonnummer können Profile eindeutig einer bestimmten Person zugeordnet werden. Zugleich macht sie es einfacher, für die Sicherheit bei Online-Diensten zu sorgen, weil über sie zum Beispiel eine Zwei-Stufen-Authentifizierung laufen kann.

Bekommt Facebook auch Zugriff auf den Inhalt der Kurzmitteilungen?
Nein, versichert WhatsApp. Die Inhalte seien seit Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Frühjahr nur für die beteiligten Nutzer selbst sichtbar, nicht für WhatsApp selbst.

Was ist mit anderen Daten wie Profilnamen?
WhatsApp erklärt, man habe „im Moment“ nicht vor, sogenannte optionale Account-Informationen wie zum Beispiel Profilnamen, Profilfoto oder Statusmeldung mit Facebook zu teilen.


Zustimmung lässt sich widerrufen

Was ändert sich sonst noch?
WhatsApp schafft erste Grundlagen für die geplante Öffnung des Dienstes für die Kommunikation zwischen Nutzern und Unternehmen. Dabei gehe es etwa um Daten zu Bestellungen oder Versand: „So kannst Du zum Beispiel Informationen zum Flugstatus für eine bevorstehende Reise, einen Zahlungsbeleg für etwas, das Du gekauft hast, oder eine Benachrichtigung bezüglich eines Liefertermins erhalten.“ WhatsApp machte bisher keine Angaben dazu, wie der Service konkret funktionieren soll.

WhatsApp selbst bleibt aber werbefrei?
Ja, daran soll sich nichts ändern, bekräftigt das Unternehmen. Das dürfte zumindest für klassische Online-Werbung gelten. Zugleich sehen die neuen Bestimmungen zur Kommunikation mit Unternehmen auch vor, deren Nachrichten „könnten Angebote zu etwas enthalten, dass Dich interessiert“.

Was könnte damit gemeint sein?

Ein Beispiel könne sein, dass ein Nutzer, der von einer Airline per WhatsApp aktuelle Informationen zu seinem Flug erhalte, bei einer Verspätung auf diesem Wege auch eine Entschädigung etwa in Form eines Lounge-Coupons bekomme. Die „Angebote“ sollen demnach eng an den Kontext der aktuellen Kommunikation gebunden sein. Zugleich schränkt WhatsApp ein, dass das Konzept für die Kontakte mit Firmen noch nicht fertig sei. Die Nutzer sollten aber nicht das Gefühl haben, Spam zu erhalten, heißt es. Gründer Jan Koum hatte oft zugesichert, WhatsApp werde werbefrei bleiben, Anzeigen passten nicht zum Dienst.

Muss man dieser Änderung der Nutzungsbedingungen zwangsläufig zustimmen, um WhatsApp weiternutzen zu können?
Wer am 25. August bereits bestehender WhatsApp-Nutzer ist, könne Facebook verbieten, die Profilinformationen zur Personalisierung der Werbung und Freunde-Vorschläge einzusetzen. Die Telefonnummer und Daten zur Nutzung werden aber in jedem Fall mit Facebook geteilt.

Wie lässt sich die personalisierte Werbung verhindern?
In einer Anleitung beschreibt das Unternehmen, was Nutzer tun müssen. Die erste Möglichkeit: Wenn in der App die Aktualisierung der Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie erscheint, klickt man zunächst auf „Lies“ und entfernt in einem Auswahlkästchen den Haken. Die zweite Möglichkeit: Wer bereits seine Zustimmung erteilt hat, kann sie 30 Tage lang in der App über die Einstellungen („Account / Meine Account-Info teilen“) widerrufen.

Welche Alternativen gibt es?
WhatsApp ist mit mehr als einer Milliarde Nutzer zwar äußerst beliebt, aber es gibt durchaus Alternativen. Die Netzaktivisten vom Blog Netzpolitik.org empfehlen beispielsweise die kostenpflichtige App Threema, die ähnliche Funktionen biete und ohne Telefonnummer funktioniere. Empfehlenswert sei auch der Dienst Signal – dessen Programmcode wird offengelegt, so dass Experten ihn auf Sicherheitslücken untersuchen und so das Sicherheitsniveau heben können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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