Debatte: Wasserpreise: Teures Nass?

Debatte: Wasserpreise: Teures Nass?

Wasser ist ein Lebenselixier. Rund zehn Milliarden Liter fließen täglich durch die Leitungen der rund 6700 Wasserwerke zu den Verbrauchern. Die Wasserpreise in Deutschland zählen zu den höchsten der Welt.

Dabei ist das kostbare Gut hier ausreichend vorhanden. Ist Wasser hierzulande zu teuer? Diskutieren Sie mit unseren Experten Alois Rhiel (CDU), Wirtschaftsminister von Hessen, und Peter Rebohle, Vizepräsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft.

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Alois Rhiel (CDU), hessischer Wirtschaftsminister

Alois Rhiel (CDU), hessischer Wirtschaftsminister: Wasser ist teuer, an vielen Orten sogar zu teuer. Der Staat muss die Verbraucher vor überhöhten Wasserpreisen schützen. Denn Wasserunternehmen verfügen über ein natürliches Monopol. Dies bedeutet: Verbraucher können mangels Wahlmöglichkeiten nicht zu anderen Wasseranbietern wechseln.

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In Hessen laufen deshalb aktuell sieben Kartellverfahren gegen Wasserunternehmen wegen des Verdachts überhöhter Preise. Mein Ziel lautet: Eine Million Menschen sollen deutlich weniger für Wasser zahlen. Ein Unternehmen hat den Wasserpreis freiwillig um 20 Prozent gesenkt. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 150 Kubikmetern Wasser wird dadurch um jährlich rund 70 Euro entlastet.

In den Verfahren gegen Wasserunternehmen in Kassel und Frankfurt fordere ich eine Senkung des Wasserpreises um 37 Prozent. Entsprechende Verfügungen sind ergangen. Dagegen klagen die beiden Wasserlieferer – ebenso wie das Unternehmen enwag mit Sitz  im mittelhessischen Wetzlar (Preissenkungsverfügung: 29 Prozent). Die Gerichtsentscheidung soll noch in diesem Jahr verkündet werden.

Grundlage für die Kartellverfahren ist eine umfangreiche Datenbank in der Kartellbehörde des Hessischen Wirtschaftsministeriums. Sie enthält Preise und Strukturinformationen von 270 Wasserunternehmen im ganzen Bundesgebiet und wird von den Experten des Wirtschaftsministeriums für die Auswahl von Vergleichsunternehmen genutzt.

Dabei werden unter anderem die Topographie und andere prägende strukturelle Merkmale der Versorgungsgebiete berücksichtigt, darunter die Länge der Wasserleitungen, die Versorgungsdichte, die Wasserabgabestruktur – also der Anteil der Wasserlieferung an Haushalts- und Kleingewerbekunden oder an größere Sondervertragskunden –, sowie die notwendigen Wasserspeicher.

Peter Rebohle, Vizepräsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft

Peter Rebohle, Vizepräsident des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft

Peter Rebohle, Vizepräsident des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): Deutsches Trinkwassers erreicht im internationalen Vergleich Spitzenwerte bei der Versorgungssicherheit und Qualität. Dennoch sind die Preise günstig: Im Durchschnitt zahlt der Bundesbürger rund sechs Euro im Monat für Trinkwasser. Der Anstieg der Wasserpreise liegt deutlich unter der Inflationsrate.

Die Wasserversorgung ist Daseinsvorsorge. Die Wasserwirtschaft arbeitet nach dem Kostendeckungsprinzip, das von den Aufsichtsbehörden streng kontrolliert wird. Es gibt allerdings keinen Einheitspreis für Trinkwasser. Denn die Kosten für die Wassergewinnung, die Aufbereitung und den Transport sind bei den mehr als 6 000 Wasserversorgern in Deutschland sehr unterschiedlich. Die Beschaffenheit der Böden und der Landschaft  spielen dabei ebenso eine Rolle wie  die Bevölkerungsdichte.

Bei Preisvergleichen innerhalb Deutschlands oder mit Nachbarländern müssen solche Strukturunterschiede unbedingt berücksichtigt werden. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen und präsentiert den Verbrauchern ein Zerrbild.

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