Dieter Manz im Interview: "Radikale Einschnitte"

Dieter Manz im Interview: "Radikale Einschnitte"

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Dieter Manz im Interview

Der Chef des Reutlinger Maschinenbauers Manz, Dieter Manz, über die Zukunft der deutschen Solarindustrie.

Herr Manz, haben Sie schon böse Anrufe aus der Solarbranche erreicht?

Wieso das?

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Sie sagen, dass die Industrie mit großen Teilen der Produktion auswandern muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das sehen die Unternehmen doch selber so. Solarworld zum Beispiel hat in den USA investiert, Q-Cells nimmt gerade in Malaysia eine Fabrik in Betrieb.

Die mit Milliarden vom deutschen Stromkunden hochgepäppelte Solarbranche bricht ihre Zelte schon wieder ab?

So ist es nicht. Die Einspeisevergütung für Solarstrom hat einer neuen Industrie auf die Beine geholfen und Deutschland zum Technologieführer gemacht. Das war gut. Aber jetzt setzt die Internationalisierung des Geschäfts ein, und das bringt radikale Einschnitte mit sich. Die großen Märkte entstehen in sonnenreichen Gegenden von Indien, China, Südeuropa oder den USA. Dort müssen die deutschen Anbieter künftig mit preislich konkurrenzfähigen Produkten präsent sein, um ihr Überleben zu sichern.

Und das schaffen sie nicht mit hier produzierten Solaranlagen?

Der Aufbau einer Fertigungsstätte ist in Asien nun einmal um die Hälfte billiger.

Was können wir hier halten?

Unsere Chance besteht darin, die jeweils neueste Generation an Solarmodulen als Erste zu entwickeln und zu verkaufen.

Bringt das Modell die begehrten Jobs?

Für Forschung, Konstruktion und technische Planung werden mehr Menschen gebraucht als in der Produktion. Die ist inzwischen hoch automatisiert. Entscheidend in Deutschland sind die Stellen, die in der Zulieferindustrie entstehen. Auch die Chancen meines Unternehmens liegen darin, hier zu entwickeln, aber weltweit zu verkaufen.

Erleben wir bei den Solarstromanlagen weitere Preisstürze?

Die großen Preissprünge werden nicht durch den Fortschritt ausgelöst, sondern durch die Größe der Fabriken. Das lehrt das Beispiel der LCD-Flachbildschirme. Die sind trotz wachsender Größe und besserer Bildqualität wegen der explodierenden Produktionsmenge in atemberaubenden Tempo billiger geworden.

Wiederholt sich das in der Solarbranche?

Ein neues Werk für LCD-Fernseher kostet heute mindestens eine Milliarde Euro. Ähnliche Investitionssummen werden künftige Solarfabriken erreichen, während bisher höchstens 100 Millionen Euro dafür in die Hand genommen wurden.

Das sprengt doch die finanziellen Möglichkeiten der Branche.

Deswegen werden nach Bosch schon bald weitere Großkonzerne einsteigen. Der Markt gewinnt für sie jetzt eine interessante Größe. Und die Konzerne verfügen nicht nur über die finanziellen Mittel. Sie bringen auch die Erfahrung mit, große Stückzahlen zu extrem niedrigen Kosten zu produzieren. Wenn die erst einmal mitmischen, dann purzeln die Preise für Solarmodule ähnlich schnell wie die für Computerchips oder Flachbildschirme. Das wird der Solarenergie endgültig zum Durchbruch verhelfen.

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