Datenschutz in Deutschland: So ungeschützt sind deutsche Surfer im Netz

Risiken in Zeiten    der Digitalisierung

Datenschutz in Deutschland: So ungeschützt sind deutsche Surfer im Netz

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Wie gut schützen Abkommen und Gesetze deutsche Bürger tatsächlichen vor der Schnüffelei durch professionelle Datensammler?

Quelle:Handelsblatt Online

Der gläserne Surfer ist Realität und auch mit „Privacy Shield“ ist der Datenabfluss in die USA kaum zu stoppen. Zwar sind die Standards in Deutschland hoch, die Kontrolle ist aber mau – der Bürger muss selbst handeln. Ein Gastbeitrag.

Der Mathematiker Christian Bennefeld war einer der ersten großen Webtracking-Unternehmer. Die Firma eTracker, ein Unternehmen für Website- Analyse und Online-Marketing-Optimierung, führte der Hamburger 13 Jahre lang. Jetzt macht er mit dem Unternehmen eBlocker seit 2015 das genaue Gegenteil und will der Marketing-Branche an den Kragen. Für unser Online-Special zum Thema Sicherheit im Netz hat Bennefeld diesen Gastbeitrag geschrieben.

Deutschland ist bekannt für seine hohen Datenschutzstandards. Doch wie gut schützen Abkommen und Gesetze deutsche Bürger tatsächlichen vor der Schnüffelei durch professionelle Datensammler aus aller Welt, während beim Surfen hinterlassene Spuren primär in die USA wandern? Die Realität zeigt ein ernüchterndes Bild: Egal, ob beim Surfen im Internet, der Nutzung einer Smartphone-App oder bei der Recherche per Google-Suchmaschine – vernetzte Geräte liefern massig Daten, die umfassend erfasst und verarbeitet werden.

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Datensammler erhalten auf diese Weise Informationen über unsere sexuellen Vorlieben und wie es um unsere Finanzen sowie unsere Gesundheit steht. Gesammelt in Profilen ist der „gläserne Surfer“ längst Realität. Wissen Bürger tatsächlich noch, was Unternehmen über sie wissen? Und hilft der Staat, dieses Grundrecht zu wahren? Klare Antwort: Nein.

Das steht im Kleingedruckten der beliebtesten Apps

  • Standort erkennen

    Problem: Positionsdaten ermitteln den exakten Aufenthaltsort. So lassen sich Bewegungsprofile erstellen

    Beispiel:

    Instagram

    Tagesschau

    WhatsApp

  • Kontakte einsehen

    Problem: Einträge im Adressbuch auslesen. Kundendaten können in fremde Hände fallen.

    Beispiele:

    LinkedIn

    ICQ-Messenger

    Facebook

  • Anrufe tätigen

    Problem: Telefon von außen aktivieren. Gebühren für Anrufe fallen an, die man gar nicht geführt hat.

    Beispiele:

    S-Filialfinder

    Camcard

    Lufthansa

  • Kalender einsehen

    Problem: Zugriff auf Kalendereinträge. Der Nutzer verliert die Hoheit über seine Termine.

    Beispiele:

    Last.fm

    Evernote

    ÖPNV-Auskunft

  • Digitaler Fingerabdruck

    Problem: Sensible Codes des Gerätes(IMEI) und/ oder der SIM-Karte (IMSI) auslesen. Spionagegefahr wächst.

    Beispiele:

    Navigon

    Skype

    Runtastic

  • Surfverhalten analysieren

    Problem: Eingehende Daten und Lesezeichen abfangen. Vorlieben werden bekannt.

    Beispiele:

    Viber

    Droid Blocker

    Barcoo

Beispiel „Privacy Shield“, also der neue „Schild für die Privatsphäre“. Das Datenschutzabkommen zwischen der EU und den USA soll die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) bemängelten Datenschutzprobleme lösen. Müssen Internetnutzer also seit Inkrafttreten nicht mehr fürchten, von Tausenden Datensammlern – vorrangig aus den Vereinigten Staaten – bis ins Detail überwacht und ausspioniert zu werden?

Nein. Das neue Abkommen verpflichtet US-Firmen unter anderem lediglich dazu, Daten von EU-Bürgern zu löschen, wenn der ursprüngliche Verwendungszweck entfällt. Und es eröffnet EU-Bürgern die Möglichkeit, sich zu beschweren. Im Prinzip ändert sich für Internet-Nutzer durch Privacy Shield aber herzlich wenig. Deutsche Datenschutzrechte sind beispielsweise weiterhin in den USA weder durchsetzbar noch einklagbar.

AGBs und Datenschutz Warum wir so schnell das Häkchen setzen

Wer online etwas bestellt, eine App runterlädt oder eine E-Mail-Adresse einrichtet - immer müssen die AGBs bestätigt werden, die - Hand aufs Herz - niemand liest. Eine Studie zeigt, warum wir so leichtfertig "Ja" sagen.

huGO-BildID: 32609752 Handout - Viele Restaurants bieten bei Check-In-Diensten wie Foursquare oder Facebook Places Sonderangebote an (undatiertes Foto). Der Software-Riese Microsoft verhandelt laut einem Medienbericht über eine Investition in den Dienst Foursquare, bei dem Nutzer sich gegenseitig über ihren aktuellen Aufenthaltsort informieren können. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenem Stadium, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag (29.08.2013). Foto: press photos foursquare/dpa (zu +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Wer also nach wie vor US-Dienste und – Produkte von Microsoft, Google Facebook & Co nutzt, wird ausgeschnüffelt wie eh und je. Selbst wer beispielsweise aktiv auf sämtliche Google-Dienste verzichtet, hat keine Chance. Denn in diesem Fall gerät man auf rund 80 Prozent aller Internetseiten ins Visier von Google Analytics, einem Dienst, der das Nutzerverhalten protokolliert.

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