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Hackerangriffe: Wie die Airlines der Gefahr begegnen

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von Rüdiger Kiani-Kreß

Cyberattacken bedrohen zunehmend Airlines und ihre Kunden. Obwohl die Branche ein ideales Ziel für Hacker ist, reagiert sie oft zögerlich.

Der Angriff kam am hellen Tag. Im Herbst 2015 drangen Datendiebe in das Netzwerk einer großen lateinamerikanischen Fluglinie an deren Drehkreuz ein. Sie stahlen dabei Finanzdaten und zweigten umgerechnet mehrere zehntausend Euro ab. Spuren hinterließen sie keine.

Der bislang nur in Auszügen bekannte Vorfall gehört zu den wenigen gesicherten Fällen von Computerkriminalität im Fluggeschäft, die erfolgreich waren. Daneben gibt es eine ganze Reihe unbestätigter Fälle und gescheiterter Angriffe. "Die Dunkelziffer ist hoch", so Alan Pellegrini, Leiter des US-Geschäfts beim französischen Rüstungs- und Elektronikkonzerns Thales.

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Auch wenn bislang spektakuläre Angriffe ausblieben oder nicht bekannt wurden, sind Unsicherheit und Unbehagen in der Flugbranche beim Thema Cyberkriminalität derzeit groß. Dass ausgerechnet die Airliner von Computerverbrechen verschont bleiben, glaubt niemand mehr. "Wenn 94 Prozent aller Unternehmen bereits angegriffen wurden, müsste es uns natürlich auch treffen", sagt Calin Rovinescu, Chef von Air Canada, einem der engsten Lufthansa-Partner.

Für Schlagzeilen sorgte der US-IT-Berater Chris Roberts. Er brüstete sich im April 2015 in einem Tweet damit, mindestens 20 Mal während eines Flugs über das Unterhaltungssystem in die Flugzeug-IT eingedrungen zu sein und dabei unter anderem die Triebwerkssteuerung beeinflusst zu haben. Die Aktion stellte sich im Nachhinein als Witz heraus. Die Angst, dass es Cyberkriminelle auf die Flieger selbst abgesehenen haben, ist in der Branche und in der Öffentlichkeit real.

Auch der Weltluftfahrtverband Iata widmete dem Thema Cybersicherheit während seines Jahrestreffens in der vergangenen Woche gleich eine eigene Veranstaltung. Bei der mahnten auch externe Experten zur Vorsicht. "Die Flugbranche ist praktisch das ideale Opfer für Onlineverbrechen", sagte Kurt Pipal, Sicherheitsfachmann vom Londoner Büro des FBI. Die Kombination aus Hochtechnologie, vielen Menschen an Bord und dem medialen Interesse an Flugzeugabstürzen macht die Flieger zum Ziel für Terrorzellen. "Einen Jet quasi online anzugreifen, wäre der Traum eines Terroristen", fürchtet ein führender Airliner, der lieber anonym bleiben will.

Darknet Unternehmen im Würgegriff der Cyberkriminellen

Ob gehackte Paypal-, Amazon- oder Ebay-Konten, Trojaner oder System-Schwachstellen: Die organisierte Kriminalität verlegt ihre Geschäfte auf digitale Schwarzmärkte und scheffelt damit Milliarden.

Quelle: dpa Picture-Alliance

Für noch mehr Aufmerksamkeit – besonders im organisierten Verbrechen – sorgen aus Sicht der Experten ein paar Besonderheiten der Flugbranche. Die Airlines verfügen über einen überdurchschnittlich vielfältigen Schatz von Daten aus allen Lebensbereichen. Das Angebot der Airlines reicht von Kundenadressen über Passangaben auch für Familienangehörige bis hin zu Kreditkartendaten.

Die Schwachstellen der Airline-Sicherheit

Trotz der Gefahren, bieten sich Hackern gleich mehrere mögliche Einfalltore, um die Fluggesellschaften zu attackieren. Um auf die Kundendaten zugreifen zu können, unterhalten die Airlines im Schnitt notgedrungen deutlich mehr Zugriffspunkte auf ihre Systeme als andere Branchen. Von denen sind viele außerhalb des Unternehmens und somit für das Unternehmen schlechter abzusichern. Dazu zählen etwa Check-in-Schalter an den Flughäfen oder die Reservierungssysteme von Firmen und Reisebüros.

Auch die Flugzeuge selbst bieten Hackern potentielle Angriffsfläche. Die Unterhaltungssysteme werden zunehmend mit USB-Anschlüssen ausgerüstet, immer mehr Fluggesellschaften bieten Bord-WLAN an. Zu guter Letzt senden auch die Jets fast nonstop Daten zu den Herstellern und Wartungsfirmen sowie an Kreditkartenfirmen, sobald ein Passagier an Bord etwas kauft.

An einem Großteil dieser Schnittpunkte können schädliche Programme in die IT gelangen, gerade weil im Alltag oft der Zeitdruck die Unachtsamkeit fördert, weiß Anja Kaspersen, Sicherheitsspezialistin des World Economic Forum (WEF). "Die Erfahrung zeigt, dass ungefähr 13 Prozent aller Beschäftigten schon mal auf eine Phishing-Mail geklickt haben."

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