Riesiger Datendiebstahl: Yahoo ließ sogar Verizon im Dunkeln tappen

Risiken in Zeiten    der Digitalisierung

Riesiger Datendiebstahl: Yahoo ließ sogar Verizon im Dunkeln tappen

, aktualisiert 23. September 2016, 09:57 Uhr
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Mehr als 500 Millionen Daten sind dem Internetkonzern Yahoo durch einen Hacker-Angriff abhanden gekommen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Yahoo wurden Hunderte Millionen Daten geklaut. Nicht nur die Kunden wurden von der Unternehmenschefin Marissa Mayer lange im Unklaren gelassen, sondern auch der Telekomkonzern Verizon, der Yahoo übernehmen will.

Verizon ist ziemlich verstimmt. Der US-Telekomriese verhandelt seit Monaten über eine Übernahme von Yahoo und feilscht um den Preis. Aber eines der wichtigsten Ereignisse der jüngsten Zeit hat Yahoo-CEO Marissa Mayer anscheinend bis zur letzten Minute für sich behalten: den Diebstahl von mehr als 500 Millionen Datensätzen.

„In den vergangenen zwei Tagen“, so Verizon-Sprecher Bob Varettoni kurz angebunden per Twitter, „sind wir über Yahoos Sicherheitszwischenfall informiert worden“. Man habe nur „begrenzte Informationen und Überblick über die Tragweite“. Solange man nicht Genaueres wisse, solle man keine weiteren Kommentare abgeben. Das klingt nach frischem Ärger für Mayer und den Yahoo-Aufsichtsrat.

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„Do you Yahoo?“ Das ist ein Werbespruch aus vergangenen Tagen, der heute Hunderte Millionen Nutzer teuer zu stehen kommen könnte. Der Internet-Dienst aus Sunnyvale in Kalifornien bestätigte am Mittwoch in einer Mitteilung den Verlust von Daten aus mehr als 500 Millionen Kundenkonten. Das ist der bislang größte bekannt gewordene Datenverlust. Vergangenen Monat hatte das Unternehmen den Umfang noch auf 200 Millionen beziffert.

Große Hackerangriffe der letzten Jahre

  • Ebay

    Bei der im Mai 2014 bekanntgewordenen Attacke verschafften sich die Hacker Zugang zu Daten von rund 145 Millionen Kunden, darunter E-Mail- und Wohnadressen sowie Login-Informationen. Die Handelsplattform leitete einen groß angelegten Passwort-Wechsel ein.

  • Target

    Ein Hack der Kassensysteme des US-Supermarkt-Betreibers machte Kreditkarten-Daten von 110 Millionen Kunden zur Beute. Die Angreifer konnten sich einige Zeit unbemerkt im Netz bewegen, die Verkäufe von Target sackten nach Bekanntgabe im Dezember 2013 ab, weil Kunden die Läden mieden.

  • Home Depot

    Beim Angriff auf die amerikanischen Baumarkt-Kette gelangten Kreditkarten-Daten von 56 Millionen Kunden in die Hand unbekannter Hacker, wie im September 2014 mitgeteilt wurde. Später räumte Home Depot ein, dass auch über 50 Millionen E-Mail-Adressen betroffen waren.

  • JP Morgan

    Die Hacker erbeuteten bei der im August 2014 bekanntgewordenen Attacke auf die US-Großbank die E-Mail- und Postadressen von 76 Millionen Haushalten und 7 Millionen Unternehmen.

  • Sony Pictures

    Ein Angriff, hinter dem Hacker aus Nordkorea vermutet wurden, legte für Wochen das gesamte Computernetz des Filmstudios lahm. Zudem wurde die E-Mail-Korrespondenz aus mehreren Jahren erbeutet, die Veröffentlichung vertraulicher Nachrichten sorgte für höchst unangenehme Momente für mehrere Hollywood-Player.

  • Ashley Madison

    Eine Hacker-Gruppe stahl im Juli 2015 Daten von rund 37 Millionen Kunden des Dating-Portals. Da Ashley Madison den Nutzern besondere Vertraulichkeit beim Fremdgehen versprach, waren die Enthüllungen für viele Kunden schockierend.

  • Vtech

    Der Spezialist für Lernspielzeug räumte den Hacker-Angriff im November 2015 ein. Später wurde bekannt, dass fast 6,4 Millionen Kinder-Profile mit Namen und Geburtsdatum betroffen waren, davon gut 500.000 in Deutschland.

Die schlechte Nachricht zuerst: Unter den entwendeten Daten können Namen, Geburtstage, E-Mail-Adressen und Telefonnummern sein. Zum Teil fielen den Angreifern auch Sicherheitsfragen und Antworten in die Hände, mit denen man Passwörter zurücksetzen kann.

Die gute Nachricht: Kontoverbindungen und Kreditkartendaten sind nach heutigem Stand nicht betroffen, auch nicht unverschlüsselte Passwörter. Verschlüsselte Passwörter sind theoretisch sicher, aber mit genügend technischem Aufwand ist einfach alles zu knacken in der digitalen Welt, selbst iPhones, wie das FBI jüngst bewies.

Viele Nutzer, auch in Deutschland, werden sich jetzt beruhigt zurücklehnen und sich denken: „Egal – ich war seit Jahren nicht mehr bei Yahoo.“ Doch das ist gefährlich. Denn es ist weitverbreitete Praxis, für mehrere Internet-Konten dieselben Nutzernamen und Passwörter zu verwenden. Mit den gestohlenen Informationen könnten sich die Täter also auch bei anderen Anbietern Zugang verschaffen.

Wer von Yahoo bereits eine E-Mail bekommen hat, der ist akut gefährdet und unter den potenziellen Opfern. Passwort und Sicherheitsfragen sollten in diesem Fall sofort geändert werden. Aber auch allen anderen ist es geraten, die Gelegenheit zu nutzen, um reinen Tisch zu machen und die vergessenen Konten bei Yahoo-Mail und anderen Diensten auf den aktuellsten Stand zu bringen.

Yahoo Hacker greifen Daten von 500 Millionen Nutzern ab

Eineinhalb Jahre lang ahnte der angeschlagene Internet-Pionier offenbar nichts von dem riesigen Datendiebstahl. Bei einer internen Überprüfung wurde er dann entdeckt. Das FBI ist eingeschaltet.

Yahoo hat nun bestätigt, dass Hacker Daten von mindestens 500 Millionen Nutzern gestohlen haben. Quelle: dpa

Es könnten allerdings bereits gefälschte E-Mails im Umlauf sein, warnt Yahoo, bei denen unter dem Vorwand, die Sicherheit wieder herzustellen, persönliche Angaben oder Passwörter abgefragt werden. Yahoo verweist darauf, dass dies in keinem Fall eine Mitteilung von dem Unternehmen ist.

Wer sein Passwort seit 2014 nicht mehr geändert hat, sollte es sofort nachholen, so Yahoo. Das ist schon eine interessante Eile bei einem Unternehmen, das selbst offenbar fast zwei Jahre gebraucht hat, um herauszufinden, dass die Daten überhaupt gestohlen wurden.

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