
DÜSSELDORF. Die Geräte sollen Haushalten helfen, ihren Energieverbrauch zu drosseln. Anstelle der alten Zähler mit der drehenden Metallscheibe erfassen die neuen Geräte die Verbrauchsdaten und schicken sie in festen Abständen an den Stromversorger. Der kann so zeitabhängige Tarife minutengenau abrechnen.
Digitale Stromzähler sind ein wesentlicher Baustein beim Aufbau eines intelligenten Netzes, dem sogenannten Smart Grid. Es soll den Stromverbrauch so steuern, dass die Versorger extreme Spitzenlasten vermeiden können, die vor allem tagsüber auftreten. Etwa am Morgen gegen acht Uhr, mittags, wenn Essen gekocht wird, oder abends ab 17 Uhr, wenn die meisten Berufstätigen nach Hause kommen.
Verteilt sich der Verbrauch über den Tag, sind auch die Kraftwerke der Versorger gleichmäßiger ausgelastet. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste und des Fraunhofer-Verbunds Energie lassen sich allein durch eine Verschiebung des Stromverbrauchs in privaten Haushalten während der Spitzenzeiten rund zehn Terawattstunden pro Jahr einsparen - was der Kapazität von zehn bis 15 großen Kohlekraftwerken entspricht.
Die intelligenten Netze sollen eines Tages aber nicht nur den Verbrauch steuern, sondern auch den Strom besser verteilen. Die erneuerbaren Energien stellen die Versorger vor ein Problem: Wind- und Solarkraftwerke erzeugen nur dann viel Strom, wenn es kräftig weht oder die Sonne scheint. Helfen sollen intelligente Elektrogeräte: So könnten etwa Tiefkühltruhen die Temperatur herunterfahren, wenn der Wind in Orkanstärke bläst oder die eingespeiste Sonnenenergie zu einem Überangebot im Stromnetz führt. An trüben Tagen oder bei flauem Wind springen nur die Geräte an, die nötig sind. Hersteller wie Whirlpool oder Miele arbeiten bereits an solchen Konzepten.
Versorger müssen ab dem nächsten Jahr flexible Tarife anbieten
Bis diese Vision aber Wirklichkeit ist, wird es noch dauern. Bisher muss der Kunde den Stromverbrauch selbst steuern. Davon profitiert, wer einen zeitvariablen Tarif wählen kann. Wer dann zu günstigen Zeiten Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner anwirft, kann seine Energiekosten senken.
Noch hat nicht jeder Versorger die zeitabhängigen Tarife im Programm. Ab 2011 aber werden sie zur Pflicht. Dank der Smart Meter, die den Verbrauch sekundengenau messen, kann der Kunde dann die großen Stromfresser ausmachen. "Wenn er die kennt, kann er kostenbewusst den Strom einkaufen - und die Geräte starten, wenn der Tarif am billigsten ist", sagt Heike Kerber vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb im Elektrotechnik-Verband VDE. Kerber leitet einen Arbeitskreis, der eine international gültige Kommunikationsschnittstelle für digitale Stromzähler entwickelt. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Kunde den Verbrauch über verschiedene Techniken auslesen kann.
Eine Lösung bietet Google an - das sogenannte "Powermeter". Wer sich bei dem Internetkonzern registriert und seinem Stromanbieter die Erlaubnis gibt, Google mit den persönlichen Daten zu versorgen, kann jederzeit online seinen Verbrauch verfolgen. Firmen wie Yello Strom kooperieren bereits mit dem Internetriesen. Microsoft betreibt einen ähnlichen Dienst in den USA und plant dies auch in Europa.
Viele Versorger bieten eine Software an, die aus den auf dem heimischen PC gesammelten Daten ein Verbrauchsprofil erstellt. Durch gezieltes Ein- und Ausschalten einzelner Geräte lässt sich herausfinden, wie viel Energie diese ziehen. Es gibt sogar entsprechende Softwareprogramme fürs iPhone, die den Kunden über seinen Stromverbrauch aufklären.
Die Smart-Meter-Technik ist erprobt. Yello etwa bietet sie seit Dezember 2008 an. Praktisch alle großen Versorger haben sie vergangenes Jahr in Pilotprojekten getestet.
Die Erfahrungen klingen vielversprechend: Die Kunden hätten ihren Verbrauch um fünf bis zehn Prozent, einige sogar bis zu 30 Prozent gesenkt, sagt Yello-Chef Martin Vesper. Der VDE bestätigt das Potenzial: Ein Haushalt könne durch eine bewusstere Nutzung elektronischer Geräte bis zu 300 Euro pro Jahr einsparen, hat der Verband ausgerechnet.
2022 sollen die analogen Zähler verschwunden sein
Die Nachfrage war bisher überschaubar: 100 bis 200 Kunden pro Tag haben laut Vesper 2009 den digitalen Stromzähler in ihr Haus einbauen lassen. Je nach Wohnort bedeutet das einen monatlichen Aufpreis zwischen drei und neun Euro. Als Gegenleistung profitieren die Kunden vom Spartarif in der Nacht.
Durch die neue gesetzliche Regelung wird die Zahl der Smart Meter deutlich steigen: Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) geht von 400 000 digitalen Zählern aus, die 2010 in Neubauten installiert werden. Spätestens 2022 sollen alle analogen Modelle aus den Kellern verschwunden sein. Wer in einem Altbau wohnt, kann seit Jahresanfang den Einbau der etwa 150 Euro teuren Geräte auch auf eigene Kosten bei seinem Stromanbieter beantragen.
Deutschland ist verglichen mit anderen europäischen Ländern ein Spätzünder. In Italien etwa gehören die Smart Meter längst zum Alltagsleben - allerdings nicht aus Sorge um die Energieeffizienz, sondern um den weit verbreiteten Stromdiebstahl zu reduzieren.











