Accenture-Partner Sontheimer: "Eldorado für die Werbeindustrie"

Accenture-Partner Sontheimer: "Eldorado für die Werbeindustrie"

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Thomas Sontheimer, Partner Financial Services bei Accenture

von Andreas Menn

Google könnte profitieren, Kreditkarten-Anbieter müssen kämpfen: Thomas Sontheimer, Partner Financial Services bei Accenture, über mobiles Bezahlen und das Kräftespiel der Anbieter.

wiwo.de Noch immer können Verbraucher fast nirgends mit dem Handy bezahlen. Trotzdem wird seit kurzem überall über das Thema gesprochen. Was ist passiert?

Sontheimer: Das Thema Mobiles Bezahlen hat tatsächlich wieder an Fahrt gewonnen. Ein wichtiger Grund: Viele Menschen besitzen inzwischen ein Smartphone. Sie laden regelmäßig Apps und Musik auf ihr Handy und zahlen auch dafür. Das hat Phantasien geweckt darüber, was alles noch mit dem Smartphone möglich sein könnte. Wo Musik, Filme und Bücher digitalisiert werden, scheint es ganz logisch, so etwas Virtuelles wie Geld nun ebenfalls virtuell zu behandeln.

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Abgesehen von Japan und Kenia war Mobile Payment bisher allerdings eine Geschichte gescheiterter Versuche.

Sontheimer: Frühere Lösungen, bei denen man SMS oder Pin-Nummern eingeben musste, waren einfach zu kompliziert. Apps auf Multitouch-Smartphones ermöglichen heute elegantere Bedienkonzepte. Internet-Konzerne wie Apple und Google haben es mit ihren Diensten wie iTunes und mit ihren mobilen Betriebssystemen verstanden, das mobile Internet benutzerfreundlich und intuitiv zugänglich zu machen. Genau diese großen Spieler des Internets drängen jetzt in den Markt des mobilen Bezahlens. Und das schreckt Kreditkarten-Unternehmen, Banken und Mobilfunknetzbetreiber auf. Viele haben Angst, den Durchbruch der Technologie zu verschlafen.

Welches Interesse haben die Unternehmen denn an den neuen Handyzahldiensten?

Sontheimer: Es geht nicht nur um das Bezahlen. Ein Geldbörsen-Handy kann weitere Services in den Zahlvorgang integrieren, mit denen sich Geld verdienen oder die Kundenbindung steigern lässt – zum Beispiel Kredite oder Bonusgutscheine. So können Kunden im Elektronikmarkt an der Kasse vielleicht unter den Apps verschiedener Zahldienstleister wählen, die unterschiedliche Kreditkonditionen anbieten. Diese Geschäfte wollen sich auch Banken nicht entgehen lassen, weshalb auch sie mit mobilen Zahldiensten liebäugeln.

Was hätten aber Internet-Konzerne wie Apple und Google von einem eigenen Handyzahldienst?

Sontheimer: Eine Firma wie Google könnte aus den Abrechnungsdaten eine gewaltige Menge Informationen gewinnen, die um ein Vielfaches wertvoller sind als die Daten, die sie heute über ihre Nutzer sammelt. Zu wissen, wer wo was gekauft hat - für die Werbeindustrie ist das ein Eldorado. Darum werden Google oder Apple, wenn sie die NFC-Technologie in ihre Smartphones und Betriebsyssteme einbauen, es nicht dabei belassen. Sie werden NFC vielmehr eng in ihre Plattformen integrieren und ganze neue Geschäftsmodelle entwickeln.

Müssen sich die Kreditkartenfirmen jetzt warm anziehen?

Sontheimer: Es wird ein schweres Spiel für die Kreditkartenanbieter. Neue Verfahren, die für Händler einfacher und billiger sind, könnten ihre Marktstellung bedrohen. Kreditkarten-Netzwerke brauchen teuere Abwicklungssysteme und Lesegeräte an jeder Ladenkasse – teure Infrastruktur, die sich manche mobilen Zahldienste zum Teil sparen können. So wie PayPal es im Internet geschafft hat, mit der Zahlung in das Bankgeschäft zu kommen, könnten es über das Mobiltelefon nun auch andere schaffen.

Eine Handy-App schlägt Weltkonzerne, die viele Milliarden umsetzen?

Sontheimer: Das beste Argument für Kreditkarten ist in der Tat, dass sie so weit verbreitet sind und weltweit akzeptiert werden. Mobile Zahlverfahren, die etwa per Handy-App funktionieren, liegen da noch meilenweit zurück. Aber am explosionsartigen Wachstum von Facebook sieht man, wie schnell sich neue Internet-Dienste viral verbreiten können. Wenn eine Lösung komfortabel ist und weniger kostet als das Kreditkarten-System, könnte das Händler überzeugen.

Noch allerdings konkurrieren verschiedene Techniken: SMS, Funk, QR-Code. Welche Lösung wird sich durchsetzen?

Sontheimer: Das ist noch nicht entschieden. Eines ist klar: Wer an der Kasse mit dem Handy bezahlen möchte, wird künftig keine SMS verschicken – das dauert einfach zu lang und ist viel zu kompliziert, als dass Nutzer sich daran gewöhnen würden. Die meisten Experten räumen darum dem NFC-Funkchip die besten Chancen ein, mit dem Bezahlen eine Sache von Sekunden ist. Ich bin aber noch nicht überzeugt. Die 500.000 Kassen-Terminals, die es derzeit in Deutschland gibt, haben noch kein NFC. Da sind gewaltige Investitionen nötig – obwohl es einfacher geht, auch ohne NFC.

Wie denn?

Sontheimer: Die meisten Handys haben schon eine große Antenne eingebaut - den UMTS-Chip. Damit kann man jetzt bereits tun, was NFC für die Zukunft verspricht: Daten übertragen, den Nutzer identifizieren, den Ort bestimmen. Eine Software wie Bump funktioniert so wunderbar: Sie stoßen zwei Handys aneinander und via Mobilfunk wird Geld von einem Konto auf das andere überwiesen.

Wenn Zahldienste auch ins Kreditgeschäft einsteigen – wie kommen die Banken wieder ins Spiel?

Sontheimer: Der große Vorteil der Banken ist, dass die Menschen ihnen bei Geldgeschäften immer noch am meisten vertrauen. Das müssen sie nun nutzen und sich attraktive Dienste einfallen lassen. Momentan sind Banken beim direkten Zahlvorgang, an der Kasse oder im Internet, nicht präsent. Sich hier stärker in den Vordergrund zu rücken, böte große Chancen, Kunden zu binden und neue Umsätze zu generieren. Keiner weiß derzeit, welches Zahlverfahren, welche Software am besten funktioniert. Die Anbieter sollten mehr ausprobieren. Das Spielerische fehlt den Banken bisher.

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