Adobe-Chef : "Wir setzen auf das offene Netz"

Adobe-Chef : "Wir setzen auf das offene Netz"

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Shantanu Narayen

Adobe-Chef Shantanu Narayen über den Streit um das Flash-Format, mobile Online-Dienste und die Zukunft digitaler Medien.

Herr Narayen, seit Monaten stichelt Apple-Chef Steve Jobs gegen Adobes Multimediaplattform Flash. Unter anderem hält er die Entwickler von Adobe für „träge“. Kürzlich begründete er in einem offenen Brief, warum er sich weigert, Ihre Software in iPhones, iPods oder iPads zu integrieren: Flash sei fehleranfällig und ineffizient.

Wir haben die kreativsten Ingenieure der Welt. So weit mein Kommentar. Und ich glaube, unsere rasche Folge an Innovationen bei Flash spricht für sich.

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Was hat Jobs gegen Ihr Unternehmen?

In der Computerindustrie gibt es verschiedene Modelle. Es gibt offene Systeme wie Googles Android, an denen jeder mitarbeiten kann. Apple dagegen betreibt seine mobile Software als geschlossenes System. Warum Jobs diesen Weg wählt und seinen Kunden den kompletten Zugang zum Netz vorenthält, weiß ich nicht. 75 Prozent der Videos im Internet liegen in Flash vor, genauso 70 Prozent der Online-Spiele. Und 85 Prozent der Top-100-Web-Sites nutzen unsere Technik. Ich denke nicht, dass Jobs’ Kunden mit der Limitation gut bedient sind.

Jobs und andere Kritiker monieren, auch Adobe versuche, mit Flash eine geschlossene Technik über das Internet zu stülpen.

Wir haben immer an offene Standards geglaubt und das mit Techniken wie dem Dokumentenformat PDF bewiesen. Auch für Flash haben wir viele Spezifikationen und Protokolle geöffnet, um Entwicklern den Zugang zu erleichtern.

Fürchten Sie nicht, dass die Netzgemeinschaft bald auf neue Internet-Techniken wie HTML 5 umsattelt, die für Multimediainhalte keine Adobe-Software benötigt?

Wettbewerb treibt uns an, innovativ zu sein. Das war schon immer so. Und HTML 5 wird mit Flash koexistieren. Wer behauptet, dass dieses Format mit allem konkurrieren kann, was wir für -Internet-Spiele, für Videos, Online-Werbung, Animationen und Interaktivität geschaffen haben, der vereinfacht gewaltig.

Dennoch beklagen Entwickler Mängel bei Flash: Ständig kommen Updates gegen -Sicherheitslücken. Das klingt nicht nach ausgereifter Technik.

Jeder, der Kritik äußert, sei ermutigt, uns zu sagen, wie wir Flash besser und sicherer machen können.

Bisher dominiert Flash das PC-Internet, aber für viele mobile Geräte fehlt die -Wiedergabesoftware. Wie lange noch? 

Kommende Flash Player werden für Googles Android, Rims Blackberry, Nokias Symbian, Palms webOS und auch für Windows Phone 7 verfügbar sein.

Warum sind für Sie mobile Endgeräte überhaupt so entscheidend?

Bald werden mehr Smartphones und andere mobile Geräte an das Netz angeschlossen sein als gewöhnliche PCs. Das öffnet neue Märkte, zunächst für die Spieleindustrie. Mit steigenden Bandbreiten gewinnen aber auch Videos an Bedeutung. Ich würde gerne Sport-Events oder Live-Konzerte auf dem Smartphone schauen. Selbst Video-konferenzen können wir mit Flash auf mobile Endgeräte streamen.

Medienmanager setzen ihre Hoffnungen auf Geräte wie Apples iPad. Zu Recht? 

Tablet-Geräte sind eine einzigartige -Gelegenheit für die Industrie. Über kurz oder lang werden alle Medienhäuser ihre Produkte auch dort anbieten. Die nächste Konsumenten-Generation wird noch offener dafür sein, sich Inhalte auf diesen Geräten anzusehen. Und elektronisches Publizieren hat viele Vorzüge: Informationen sind unmittelbar zugänglich und können mit Videos und Animationen angereichert werden. Die „New York Times“ benutzt bereits unsere Plattform Air, um eine Download-Version ihrer Zeitung bereitzustellen. Condé Nast hat eine digitale Ausgabe der Zeitschrift „Wired“ vorgestellt, die auf Air und Flash basiert.

Wie werden solche Angebote erfolgreich?

Medienunternehmen müssen ihre Inhalte an verschiedene Endgeräte anpassen. Wenn ich eine Zeitung auf dem Smartphone lese, möchte ich vielleicht zuerst nur die Überschriften lesen – auf einem PC will ich gleich mehr Informationen. Zudem müssen Medienhäuser ihren Content genau auf jeden einzelnen Nutzer zuschneiden. Ein Stichwort ist lokalbasierte Werbung: Darin steckt großes Potenzial. Die Anbieter wissen in Zukunft viel genauer, wer und wo die Menschen sind, für die sie Werbung machen.

Bislang lässt sich online kaum kostendeckend Geld verdienen.

Wenn man eine starke Marke hat und Inhalte, zu denen die Menschen Zugang haben wollen, werden sie dafür bezahlen. Zurzeit werden eine Menge Innovationen losgetreten. Und das ist gut. Print wurde schließlich auch über Tausende Jahre optimiert – und hat dabei große Fortschritte gemacht.

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