AGBs und Datenschutz: Warum wir so schnell das Häkchen setzen

AGBs und Datenschutz: Warum wir so schnell das Häkchen setzen

Wer online etwas bestellt, eine App runterlädt oder eine E-Mail-Adresse einrichtet - immer müssen die AGBs bestätigt werden, die - Hand aufs Herz - niemand liest. Eine Studie zeigt, warum wir so leichtfertig "Ja" sagen.

"Bitte bestätigen Sie unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen": Wer online etwas bestellt, ein Spiel oder Software auf seinem Rechner installiert oder sich Apps aufs Smartphone lädt, muss vorher den AGB des Herstellers zustimmen. Darin gehts es um Widerrufsrecht, Reklamationsfristen und - im Falle von Apps & Co. - eben auch sehr häufig um Datenschutzaspekte. Nur: Niemand liest diese AGBs wirklich. Das Kleingedruckte - sechs Punkt Times New Roman in blassgrau auf weißem Grund - ist schon bei Papierverträgen nicht sexy und im Netz will sich erst Recht niemand damit auseinandersetzen.

"Wenn jeder von uns erst einmal alle Nutzungs‐ und Datenschutzbestimmungen lesen würde, denen wir tagtäglich zustimmen, hätte das verheerende Auswirkungen auf unsere Produktivität und unser Zeitmanagement", erklärt Matthias Kammer, Direktor des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), mit Verweis auf Bundesjustizminister Heiko Maas. Der geht davon aus, dass das detaillierte Lesen der AGB jeden Nutzer pro Jahr 67 Arbeitstage kosten würde. DIVSI hat mehr als 1000 Internetnutzer ab 14 Jahren zu ihrem Umgang mit AGBs im Netz befragt und 78 Prozent gaben an, dass es nicht möglich sei, AGB vollständig zu lesen und zu verstehen. Über die Hälfte ist davon überzeugt, dass sich auch gar nicht überprüfen lässt, ob die Firmen ihre Richtlinien überhaupt einhalten.

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Das steht im Kleingedruckten der beliebtesten Apps

  • Standort erkennen

    Problem: Positionsdaten ermitteln den exakten Aufenthaltsort. So lassen sich Bewegungsprofile erstellen

    Beispiel:

    Instagram

    Tagesschau

    WhatsApp

  • Kontakte einsehen

    Problem: Einträge im Adressbuch auslesen. Kundendaten können in fremde Hände fallen.

    Beispiele:

    LinkedIn

    ICQ-Messenger

    Facebook

  • Anrufe tätigen

    Problem: Telefon von außen aktivieren. Gebühren für Anrufe fallen an, die man gar nicht geführt hat.

    Beispiele:

    S-Filialfinder

    Camcard

    Lufthansa

  • Kalender einsehen

    Problem: Zugriff auf Kalendereinträge. Der Nutzer verliert die Hoheit über seine Termine.

    Beispiele:

    Last.fm

    Evernote

    ÖPNV-Auskunft

  • Digitaler Fingerabdruck

    Problem: Sensible Codes des Gerätes(IMEI) und/ oder der SIM-Karte (IMSI) auslesen. Spionagegefahr wächst.

    Beispiele:

    Navigon

    Skype

    Runtastic

  • Surfverhalten analysieren

    Problem: Eingehende Daten und Lesezeichen abfangen. Vorlieben werden bekannt.

    Beispiele:

    Viber

    Droid Blocker

    Barcoo

Entsprechend klickt ein Viertel auf "Ja, ich stimme zu" - und "nein, ich möchte keinen Newsletter" ohne die Richtlinien überhaupt geöffnet zu haben. Wer sich allerdings die Mühe macht, das Kleingedruckte auch zu lesen, dem gehen schon mal die Augen über. Über die Hälfte der Internetnutzer gibt an, schon einmal dem Kleingedruckten eines Anbieters nicht zugestimmt zu haben. Gut 60 Prozent haben aufgrund von Datenschutzbedenken sogar bereits auf die Nutzung eines Dienstes verzichtet beziehungsweise die Nutzung beendet. Das mag ein Grund für die kryptische Aufmachung vieler AGB sein: Können die Kunden sie lesen, beenden sie die Geschäftsbeziehung.

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Grundsätzlich würden die meisten Nutzer gerne lesen, was sie da regelmäßig absegnen, wenn einem nicht nach wenigen Sätzen die Augen tränen und der Kopf schmerzen würde, weil es sich aufgrund von Sprache und Aufmachung so schlecht entziffern lässt. So sagen 93 Prozent der Befragten, dass die Texte kürzer und die Sprache vereinfacht werden sollten und etwa die Hälfte der Befragten wünscht sich eine übersichtlichere optische Gestaltung des Layouts.

Vor allem wenn es um Datenschutz geht, wollen die Deutschen eigentlich Bescheid wissen. 80 Prozent der Befragten wollen nicht, dass ihre Fotos, Mails oder Kontaktdaten Dritten zugängig gemacht oder Daten an Partnerunternehmen weitergegeben werden. Der Schutz der persönlichen Daten ist den Befragten besonders wichtig, wie die DIVSI-Umfrage zeigt. Jetzt könnte man natürlich sagen: Dann lies eben die AGB und entscheide dann, ob du weiter WhatsApp & Co. nutzen möchtest. Allerdings gehört etwa jeder zweite Internetuser zum Lager der Resignierten: Sie wollen die Vorteile des Netzes nutzen und sehen deshalb keine Alternative zu einer Zustimmung, die oftmals mit ungutem Gefühl gegeben wird. Denn was bringt es, als einziger sicheren Messanger zu nutzen, wenn alle anderen bei der unsicheren Konkurrenz sind?

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