Andreas Gauger: Ein deutscher Web-Pionier knöpft sich Amazon vor

Andreas Gauger: Ein deutscher Web-Pionier knöpft sich Amazon vor

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Faible für Sternenkrieger: Gründer Gauger im Berliner Büro von Profitbricks.

von Thomas Kuhn

Er hat als Schüler angefangen und nie wieder aufgehört Firmen zu gründen. Zwischendurch hat er 1&1 profitabel gemacht. Jetzt hat sich Andreas Gauger Amazon und Co. als Gegner ausgesucht. Was treibt den Web-Pionier?

Es ist eng. Sehr eng sogar. Andreas Gaugers Büro ist schon für zwei Arbeitsplätze knapp geschnitten. Doch jetzt stehen gar drei Schreibtische drin, sodass der 47-Jährige kaum zwischen Wandregal und Stühlen zum Fenster kommt.

Warum zum Teufel sitzt der Mann in einem Büro im besseren Schuhschachtelformat? In einem Hinterhof am Berliner Prenzlauer Berg, im zweiten Stock eines alten Gewerbebaus? Einer wie er hätte das doch nicht nötig. Immerhin ist Gauger, der mit 16 Jahren seine erste Softwarefirma gegründet und mit 28 die erste deutsche Suchmaschine ins Netz gehoben hat, einer der Gründungsväter der deutschen Online-Wirtschaft.

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Er hat Web-Auftritte für Unternehmen zum Massenprodukt gemacht, hat als Vorstandschef des Online-Dienstleisters 1&1 im United-Internet-Konzern von Ralph Dommermuth Milliarden von Euro umgesetzt und selbst Millionen verdient. Wie sein Ex-Chef ist auch Gauger einer der wenigen auf Dauer erfolgreichen Gründer aus Deutschlands erstem Internet-Boom.

Welche Firmen Internet-Pionier Andreas Gauger gegründet oder geleitet hat.

  • 1983

    Als 16-jähriger Schüler startet er einen Softwareversand für Atari-Computer.

  • 1989

    Während Abitur und Zivildienst arbeitet er freiberuflich als Programmierer.

  • 1990

    Gauger steigt mit geliehenem Geld beim Datensystemhaus Hildenbrand ein.

  • 1993

    Er gründet in Karlsruhe das Unternehmen Gauger, Hamm + Partner. Es entwickelt Software.

  • 1995

    Mit Schlund+Partner macht Gauger Web-Auftritte für Geschäftskunden zum Massenprodukt.

  • 1998

    Ab 1998 ist der Internet-Dienstleister 1&1 beteiligt.

  • 2000

    Bei der 1&1 Internet AG übernimmt Gauger den Posten des Vorstandssprechers. 2008 verlässt er den Konzern.

  • 2009

    Mit alten Weggefährten gründet er Androidpit, ein Web-Portal rund um Apps für das Handybetriebssystem. Gauger wird Aufsichtsrat.

  • 2010

    Es folgt Profitbricks, ein Anbieter fürs Cloud Computing. Gauger wird Marketing-Geschäftsführer.

Denn während viele Helden der New Economy raketengleich nach oben schossen, um rasch am Börsenhimmel zu verglühen, prägt er, der 2008 bei 1&1 ausstieg, das digitale Deutschland bis heute. Im Silicon Valley säße so jemand in einem schicken Loft, managte seine Beteiligungen und träfe sich mit Freunden zum Golfen.

Gauger dagegen hockt in einem winzigen Drei-Personen-Büro. Warum? „Warum nicht“, fragt er breit grinsend und weist mit ausholender Armbewegung um sich herum. „Hier herrscht Start-up-Feeling, bei uns ist’s doch megacool“, sagt er. Das klingt alles andere als aufgesetzt. Im Gegenteil, Gauger macht – wieder einmal – das, was er am liebsten macht: gründen.

Günstiger als Amazon und Google

Und schickt nicht irgendein Unternehmen an den Start. Sondern mit Profitbricks eines, dessen gut 120 Köpfe starke Truppe gerade neu definiert, wie Rechenzentren im Internet betrieben werden – viel günstiger und flexibler als das Giganten wie Amazon, Google und Co. können.

Dafür ist er von Karlsruhe nach Berlin gezogen, hat seinen Ferrari und den BMW Z8 verkauft („die kannst du hier eh nicht wirklich brauchen“) und ist aufs Carsharing umgestiegen. Um gelegentlich aus der Stadt zu kommen, tut’s ein gebrauchter Mittelklasse-SUV. „Juckt mich wirklich mal der Gasfuß, besuche ich Freunde mit einem potenten Zweitwagen“, sagt der rationale Sportmobilist lachend.

Hier in der dynamischen Internet-Szene der Hauptstadt tummeln sich viele Stars wie das Cyberkaufhaus Zalando, die Musikplattform SoundCloud oder das Werbenetzwerk Zanox. Sie alle verdienen ihr Geld mit dem Verkauf realer Produkte oder digitaler Dienste. Ganz anders Profitbricks. Der Dienstleister ist dabei, die Technik zu revolutionieren, die all die elektronischen Geschäfte erst ermöglicht.

Die Berliner haben das Modell des Cloud Computing – Kunden kaufen nicht mehr Software, sondern greifen übers Netz auf sie zu und zahlen nur für die Nutzung – auf die Hardware übertragen. Infrastruktur als Dienstleistung nennt sich das, Infrastructure as a Service (IaaS) im IT-Jargon.

Damit können Unternehmen übers Netz konfigurieren, welche Rechenleistung sie wann brauchen. Vorteil: Sie müssen nicht mehr viel Geld in Rechenzentren investieren. „Eigentlich unflexible Hardware wird so flexibel wie Dimmer-gesteuertes Licht aus der Deckenleuchte“, verspricht Gauger.

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