Anthony B. Perkins : "Man muss bei Facebook vorsichtig sein"

Anthony B. Perkins : "Man muss bei Facebook vorsichtig sein"

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Bestsellerautor und Internetexperte Anthony B. Perkins

von Matthias Hohensee

Der Autor des legendären Bestsellers "The Internet Bubble" über Facebook und den neuen Überschwang im Silicon Valley.

WirtschaftsWoche: Herr Perkins, in Ihrem Bestseller "The Internet Bubble" haben Sie im Oktober 1999 das Platzen der Internet-Blase prophezeit, was wenige Monate später tatsächlich eintrat. Sind wir jetzt in einer ähnlichen Lage angesichts der hohen Bewertungen von Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Zynga?

Perkins: Nein. Damals war die Situation anders – mit Firmen, die wenig Umsatz machten und kein Geld verdienten. Das ist heute anders. Der Markt ist generell wesentlich größer. 1993 hatten wir zwei Millionen Internet-Nutzer, heute sind es ungefähr zwei Milliarden. Mein Bruder und ich haben ja in unserem Buch nicht nur das Platzen der Spekulationsblase prophezeit. Wir haben auch gesagt, dass nach dem Platzen der Blase viele interessante Internet-Firmen entstehen. Das ist ja beispielsweise mit Google oder Facebook eingetreten.

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Ist Facebook mit 52 Milliarden Dollar nicht überbewertet?

Es sieht so aus, als ob Facebook größer als Google werden könnte. Nach den kürzlich publik gewordenen Geschäftszahlen von Facebook ist dessen Wachstum dynamischer als das damalige von Google. Aber man muss trotzdem vorsichtig sein. Gründer Mark Zuckerberg hat noch einige Klippen zu umschiffen. Meiner Meinung nach hängt die Datenschutzdebatte noch über ihm, also der Umgang mit den Informationen über seine Nutzer und die darauf basierenden Geschäftsmodelle. All das muss noch ausgelotet werden. Hinzu kommen der Druck und die Erwartung der Investoren.

Also wird Facebook doch zu sehr hochgejubelt?

Ich will es mal anders formulieren. Roger McNamee von Elevation Partner ist für mich einer der intelligentesten Investoren im Silicon Valley. Er ist bei Facebook eingestiegen, als das Unternehmen mit ungefähr 23 Milliarden Dollar bewertet wurde, was damals einige für verrückt hielten. Ich bin fest davon überzeugt, dass Facebook mindestens das wert ist, was McNamee bezahlt hat. Insofern ist die untere Grenze etabliert. Aber wie bei jedem Ansturm von Investoren auf ein Unternehmen wird es immer welche geben, die zu spät kommen und dann enttäuscht sind.

Sie schreiben jetzt ein Buch mit dem Titel: "Der wahre Internet Boom". Wann erscheint es?

Das Buch wird zum Jahresende erscheinen, rechtzeitig zum US-Präsidentschaftswahlkampf, weil ich eine hitzige und zugleich gefährliche Debatte um Jobs in Amerika erwarte. Dabei wird unweigerlich das Internet ins Kreuzfeuer geraten, weil es ja mittlerweile die ganze Wirtschaft durchzieht und viele Dinge effektiver macht. Ich sehe es ja in meinem eigenen Unternehmen. Die Kunst ist, unsere Geschäftschancen optimal auszuschöpfen. Früher hätte ich wie viele andere einfach mehr Leute angestellt. Heute ist die Herausforderung, wie gehe ich mit all den Informationen und dem Potenzial um, ohne zusätzliche Mitarbeiter anheuern zu müssen. Das Internet mit seinen Instrumenten macht das möglich. Meiner Meinung nach brauchen wir diese auch, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

Sie befürchten, diese Debatte schadet dem Internet?

Genau. Das Internet ist ja gerade deshalb so stark gewachsen und hat so viele Unternehmen hervorgebracht, weil es weitgehend unreguliert war.

Ist das Silicon Valley immer noch relevant für die IT-Branche, obwohl der neue Internet-Boom vor allem in Asien stattfindet?

Einmal ist das Silicon Valley eine Art von Philosophie, die Mischung aus dem Zusammenspiel von Universitäten, Unternehmen, Gründern und Investoren, die sich weltweit ausgebreitet hat. Aber auch rein geografisch ist das Silicon Valley stark geblieben. Wir haben hier fantastische Unternehmen wie Apple, Intel, Google, Facebook oder Twitter. Es ist meiner Meinung nach stärker geworden, auch weil hier die Regeln so transparent sind. Ich denke, dass der Mangel an Transparenz den Aufstieg von China behindern könnte. Im Übrigen hat Amerika immer dann zur Stärke zurückgefunden, wenn es herausgefordert wurde. In den Achtzigerjahren sah es ja so aus, als ob Japan die US-Autoindustrie übernehmen würde. Im Endeffekt mussten die US-Autohersteller stärker internationalisieren. Was im Bereich High Tech ja auch stärker passiert. Ich bin da Optimist. 

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