App "Achtung Pleite": Ein Online-Pranger für Pleitegeier

App "Achtung Pleite": Ein Online-Pranger für Pleitegeier

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Ist mein Nachbar insolvent? Eine App macht die Abfrage kinderleicht.

von David Sauer

Nicht nur die neue Pokémon-App erregt dieser Tage Aufsehen. In Sekundenschnelle zeigt die App „Achtung Pleite“, ob der Nachbar Geldprobleme hat. Das ist rechtlich zwar erlaubt, öffnet dem Voyeurismus aber Tür und Tor.

Das Smartphone wird zum Pleitegeier-Finder: Dank Suchfunktion und Kartenansicht können Nutzer ihr privates Umfeld jetzt ganz bequem nach insolventen Personen und Firmen durchsuchen. Die App „Achtung Pleite“ macht es möglich. Doch ist das rechtlich einwandfrei? Hilft die App, bösen Überraschungen beim Geschäftemachen vorzubeugen oder ist das nur ein Onlinepranger für Voyeuristen und allzu Neugierige?

Für den Download der Software mit dem Geier im Logo werden einmalig 2,99 Euro fällig. Für den Preis gibt es nicht nur die Suchfunktion, sondern umfassende Informationen zum Pleitier: Aktenzeichen, Gerichtsdokumente und den Grund für den Bankrott.

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Was kann die App?

Mehr als eine Million Gerichtsverfahren wegen Insolvenz sind nach Angaben des Herstellers in der App (erhältlich für Android und iOS) gelistet. Das entspricht 98 Prozent aller Schuldner in Deutschland. Gibt der Nutzer den Namen einer Person ein und existiert ihr ein Eintrag, wird sofort die vollständige Adresse angezeigt. Gesucht werden kann aber auch über die Postleitzahl, den Stadtteil oder ganz einfach über eine Kartenansicht.

Die Entwickler versprechen, dass die angezeigten Informationen immer auf dem neuesten Stand sind. Mehrmals täglich sollen aktualisierte Daten neuer Schuldner hinzukommen. Den Betroffenen dürfte diese öffentliche Bloßstellung nicht gefallen.

Zahlen, Daten und Fakten zu Insolvenzen in Deutschland

  • Insolvenzverfahren in Deutschland

    UnternehmensinsolvenzenVerbraucherinsolvenzen
    201326.12091.360
    1. Hj 201412.06043.870
    201424.03086.480
    1. Hj 2015*11.10040.200

    *geschätzt

    Quelle: Creditreform

  • Von der Insolvenz des Arbeitgebers betroffene Arbeitnehmer

    Betroffene ArbeitnehmerVeränderung in Prozent
    2013285.000-17,6
    1. Hj 201489.000-23,3
    2014264.000-7,4
    1. Hj 2015*77.000-13,5

    *geschätzt

  • Insolvenzen nach Rechtsformen

    RechtsformAnteile in ProzentVorjahr
    freie Berufe2,93,1
    Kleingewerbetreibende48,446,8
    BGB-Gesellschaft0,70,8
    Einzelfirma3,33,3
    OHG0,10,2
    KG0,30,4
    GmbH & Co. KG4,04,8
    GmbH31,532,0
    UG (haftungsbeschränkt)7,57,1
    AG0,50,7
    Sonstige0,80,8

    Zeitraum: 1. Hj 2015

Wer braucht diesen Service?

Der Anbieter „DerKeiler“ beruft sich auf redliche Interessen. Geschäftsleute könnten mithilfe der Anwendung prüfen, ob der potenzielle Kunde zahlungsfähig ist. Wenn gleich klar ist, dass das Gegenüber kein Geld hat, kann man sich die Zeit für einen Kostenvoranschlag sparen. Auch Vermieter, Bauherren oder Onlinehändler könnten so unangenehme Überraschungen vermeiden. 

Woher kommen die Daten? 

Alle Daten, die die App zeigt, werden von den zuständigen Insolvenzgerichten veröffentlicht. In der Regel sind das die Amtsgerichte der jeweiligen Gemeinden. Wird ein sogenanntes „Regelinsolvenzverfahren“ gegen eine Person oder ein Unternehmen eingeleitet, werden die Informationen gleich öffentlich gemacht. Über die Website insolvenzbekanntmachungen.de sind die Pleite-Informationen ohnehin online einsehbar. „Achtung Pleite“ macht es den Interessierten einfacher, die Daten abzurufen. Außerdem bereitet die Software sie bekömmlicher auf.

Ist das nicht eine Verletzung der Privatsphäre? 

Die Privatsphäre der Schuldner wird durch die App nicht verletzt, sagt Rechtsanwalt David Oberbeck, Fachmann für Datenschutzrecht: „Das Bundesdatenschutzgesetz erlaubt es, solche bereits veröffentlichten Daten zu sammeln und zugänglich zu machen. Wie die Daten aufbereitet werden, ist dem Anbieter überlassen.“

Fraglich sei, ob die Suchenden ein berechtigtes Interesse an der Auskunft haben. Paragraf 29  des Bundesdatenschutzgesetzes regelt die geschäftsmäßige Datenerhebung und -speicherung. „Derjenige, der die Informationen abruft, musst ein berechtigtes Interesse an den Daten glaubhaft darlegen“, sagt Jurist Oberbeck. Auch der Betreiber der App müsse diesen Nachweis führen. Dagegen vorzugehen sei kaum möglich, da die Hürden für das geforderte Interesse recht gering sind.

 

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