Apple-Kulthandy im Test: iPhone 3G: Schnell verflogene Euphorie

Apple-Kulthandy im Test: iPhone 3G: Schnell verflogene Euphorie

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Morgen ist es soweit: Dann kommt das iPhone 3G in Deutschland in den Handel

Mit seinem innovativen Bedienkonzept hat das iPhone die Mobilfunkwelt revolutioniert. Nun kommt die zweite Generation, das Apple iPhone 3G. WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn hat es getestet – und war enttäuscht.

Ein steter Strom neuer Mobiltelefone wandert über meinen Schreibtisch. Selten erweisen sie sich als Sensation. Meist feilen die Hersteller nur an Kleinigkeiten. Da stellt sich dann schnell Langweile ein. Ganz anders ist es, wenn Apple eine neue Version seines Kult-Telefons iPhone ankündigt. Hat doch die Erstauflage mit ihrem intuitiven Bedienkonzept im vergangenen Jahr die Käufer begeistert und die Branche revolutioniert. Ob die zweite Generation den gleichen Effekt auslöst und erneut Standards setzt, konnte ich vor dem Vertriebsstart testen. Je nach Modell und Tarif gibt es die Geräte von morgen an zu Preisen von 1 bis 250 Euro. Gerät und Grundgebühren aus den obligatorischen Zwei-Jahres-Verträgen summieren sich auf 870 bis 2160 Euro.

So viel vorweg: Aus der Masse der Testgeräte ragt auch Apples neues Designer-Stückchen weit hinaus. Die neuen Modelle, die sowohl bei T-Mobile als auch erstmals beim Apple-Experten Gravis, dem Mobilfunkhändler Debitel sowie in verschiedenen Elektrogroßmärkten zu haben sind, glänzen noch immer durch ihre leichte Bedienbarkeit. Apple hat Standards gesetzt – und setzt sie noch immer. Weder Handy-Primus Nokia noch die zahlreichen Neu‧interpretationen der iPhone-Idee von Herstellern wie Samsung, HTC oder LG können dem Original das Wasser reichen.

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Leider nur verfliegt die Euphorie für das iPhone 2.0 allzu schnell. Denn die Neuerungen sind bei näherem Hinsehen nur geringfügig und alles andere als spektakulär. Zugegeben, das neue Apple-Handy beherrscht nun endlich den schnellen UMTS-Datenfunk (einschließlich der Turbo-Variante HSDPA). Aber dieses Ausstattungsmerkmal war eigentlich schon in der Ur-Version überfällig. Apple zieht nur mit dem Wettbewerb gleich. Und verschärft dabei wegen des höheren Stromverbrauchs der UMTS-Technik noch das bereits beim ersten iPhone bestehende Problem der kurzen Akkulaufzeit. Weil der Stromspender auch weiterhin fest im Gerät verbaut ist, ist jeder eifrige iPhone-Nutzer gut beraten, nie ohne Ladegerät auf Reisen zu gehen.

Als Blackberry-Alternative interessant

Dank der neuen Systemsoftware lassen sich die Apple-Handys jetzt immerhin mit Microsofts E-Mail-Software Exchange koppeln. Damit wird das Kult-Telefon – zumindest theoretisch – auch als Blackberry-Alternative interessant. Die praktische Anwendung leidet aber weiter unter Einschränkungen: Warum ermöglicht es Apple den iPhone-Nutzern eigentlich noch immer nicht, Sätze oder Absätze aus einer Nachricht in eine andere zu kopieren (Copy & Paste)? Warum übernimmt das integrierte Rechtschreibprogramm weiterhin automatisch jeden Korrekturvorschlag in den Text, selbst wenn dieser noch so falsch ist? Und warum lässt auch die Neuauflage das Tippen von SMS-Nachrichten ausschließlich im schreibunfreundlichen Hochkantmodus zu? All das bleibt mir ein Rätsel – und hat mit dem Credo einer intuitiven Bedienung nichts zu tun.

Ebenso ärgerlich: Das iPhone 2.0 besitzt nun zwar einen GPS-Empfänger für die satellitengenaue Ortsbestimmung. Als Routenführer eignet es sich aber dennoch nicht, weil eine Navigationssoftware fehlt und auch das integrierte Google-Maps-Programm als präziser Wegweiser versagt. Angeblich speichert das Telefon zumindest die GPS-Daten des Aufnahmeortes mit in die Fotos, die der Nutzer mit der unverändert eingebauten Zwei-Megapixel-Kamera schießt. Die Fotos lassen sich ansehen oder per E-Mail verschicken. MMS-Kurznachrichten aber beherrscht auch das iPhone 2.0 noch immer nicht.

So hinterlässt der Test bei mir zwiespältige Gefühle. Neukunden bekommen mit dem iPhone 3G sicher das beste Apple-Handy, das es bisher gab. Doch einen Innovationssprung – groß genug, dass Käufer der Erstversion ihr Altgerät nun umgehend gegen die Neuauflage tauschen müssten – bietet das neue Gerät nicht. Es bleibt noch viel Platz für weitere Optimierungen.

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