Apple: Schwere Zeiten für Amazon und Google

KommentarApple: Schwere Zeiten für Amazon und Google

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Steve Jobs

Die zwei Internetunternehmen dürften sich nach Apples Vorstellung der iCloud erst einmal die Wunden lecken. Besonders für Googles Android-Handys tut sich ein gewaltiger Wettbewerbsnachteil auf.

Als Steve Jobs gestern um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Bühne des Moscone Centers in San Francisco betritt, bietet er das Bild eines fragilen alten Mannes. Abgemagert, die Stimme brüchig präsentiert er sich dem Publikum auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC. Als jemand ein „Steve, wir lieben Dich“ ruft, bedankt sich der Chef des Computerbauers, fügt hinzu, dies helfe. Verglichen mit Bildern der Entwicklerkonferenz vor zehn Jahren ist Steve Jobs nur noch ein Schatten seiner selbst. Doch was er später auf der Bühne vorstellt, lässt alle Zweifel verfliegen. Jobs ist nach wie vor ein Mann, der der Konkurrenz wie kein anderer das Fürchten lehrt.

Dem gestern präsentierten iCloud-Angebot des Konzerns haben weder Google noch Amazon Vergleichbares entgegenzusetzen. Damit können Apples Kunden nun nicht nur jegliche Musik, die sie im konzerneigenen virtuellen Musikladen iTunes gekauft haben, jederzeit auf alle Geräte herunterladen. Nein, wer 25 Dollar im Jahr zahlt, der kann auch alle anderen Titel, die er besitzt, jederzeit in höchster Qualität von Apples Servern streamen. Eine Revolution. Denn das gilt für die CDs, die Nutzer im Laden gekauft und auf ihren Computer kopiert haben, genauso wie für die Songs, die sie in den wilden Jahren des Webs illegal von Tauschportalen wie Napster heruntergeladen haben. Jugendsünden werden so nachträglich legalisiert – und das zum Kampfpreis von 25 Dollar im Jahr.

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Für Amazon und Google ist dies eine Katastrophe. Beide Unternehmen haben gerade ebenfalls sogenannte Cloud-Dienste gestartet, bei denen Nutzer Musik, Fotos und andere Daten nicht mehr auf der Festplatte, sondern im Netz speichern. Doch müssen die Nutzer dieser Dienste die eigene Musik dort erst ins Netz hoch laden, was Tage dauern kann. Auch ist das Angebot von Amazon mit 200 Dollar Jahresbeitrag für 20 000 Songs deutlich teurer. Eine Legalisierung der illegalen Musiksammlung ist nicht inbegriffen, weil Amazon den Service vor wenigen Wochen ohne Zustimmung der Musiklabels gestartet hatte.

Hinzu kommt, dass Amazon und Google deutlich höhere Kosten haben. Pro Nutzer brauchen sie sehr viel mehr Speicherkapazität in ihren Rechenzentren. Denn bei Apple greifen die Kunden nur auf die ohnehin bestehende Musikdatenbank von iTunes zu, die 18 Millionen Songs beinhaltet – und laden lediglich den Rest an Musik hoch, der darin nicht zu finden ist. Bei Amazon und Google muss jeder Song von jedem Nutzer einzeln abgespeichert werden. Nur Amazon könnte theoretisch in absehbarer Zeit sein Angebot auf das Apple-Modell umstellen – da der Konzern ebenfalls einen Shop für digitale Musik im Web betreibt. Google dagegen besitzt keine solche Musikdatenbank.

Auf Twitter haben bereits einige Musikliebhaber angekündigt, dass sie nun auf Apples Angebote umsteigen – sich Mac-Computer und iPhone zulegen werden. Besonders für Googles Smartphone-Betriebssystem Android wird das Cloud-Angebote Apples deshalb von nun an ein gewaltiger Bremsklotz sein - zumindest solange viele, spezialisierte Streamingdienste wie Spotify nicht überall verfügbar sind. Und Apple kann nachlegen.  Denn derzeit gilt die Speichermöglichkeit nur für Musik. Filme, Dokumentationen und TV-Serien sind zurzeit noch ausgeschlossen.

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