ARD-Doku: Viel Lärm um Facebook

Das Erste versteckte die Doku "Facebook - Milliardengeschäft Freundschaft" am späten Montagabend. Viel Neues brachte die Sendung nicht.

Facebook. Mehr als 20 Millionen Nutzer in Deutschland, rund 845 Millionen weltweit. Im Jahr des Börsengangs widmet die ARD dem sozialen Netzwerk eine Dokumentation. Sie beleuchtet das Phänomen, die gesellschaftlichen Auswirkungen, die Chancen und natürlich die Risiken. Die Autoren Svea Eckert und Anika Giese lassen viele Seiten zu Wort kommen.

Zum Beispiel die 17-jährige Franciska, die Facebook mit ihrem Freundeskreis nutzt, und nach eigenem Bekunden "dauer-online" ist. Ihre Mutter, die das ganze nicht so richtig versteht und sich darüber freut, dass zumindest ein Mädchen aus der Fußballmannschaft ihrer Tochter auch nicht bei Facebook ist. Ihr zwölfjähriger Sohn allerdings schon. Genau wie der junge Campingbesitzer Thomas Stieglitz. Oder die Wissenschaftlerin, die das Phänomen beschreibt. Nicht fehlen darf natürlich der deutschen Datenschützer, Thilo Weichert, der vor der Datensammelwut warnt. Aber eben auch der Polizist, der mit Facebook Fahndungserfolge feierte. Mittlerweile nutze die Polizei Facebook allerdings nur noch selten - wegen des Datenschutzes.

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Zahlen und Fakten zu Facebook

  • Umsatz und Gewinn

    Facebook ist schon seit Jahren profitabel. 2011 gab es eine Milliarde Dollar Gewinn, im Jahr davor 606 Millionen und 2009 auch schon 229 Millionen Dollar. Im Jahr 2008 lag der Verlust bei 56 Millionen Dollar und 2007 bei 138 Millionen Dollar. Facebook ist inzwischen ein außerordentlich lukratives Geschäft.

    Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz.

  • Werbung

    Facebook macht sein Geld vor allem mit Werbung. 2011 lag der Anteil bei 85 Prozent.

  • Zynga

    Die virtuellen Welten des Onlinespiele-Spezialisten Zynga sind ein wichtiges Element des Facebook-Geschäfts. Im vergangenen Jahr steuerte der Anbieter von Games wie „Farmville“ oder „Cityville“ zwölf Prozent der Facebook-Umsätze bei.

  • Mitglieder

    Facebook hat mehr aktive Mitglieder als man bisher dachte. In den Börsenunterlagen spricht das Online-Netzwerk von 845 Millionen aktiven Nutzern im Monat Ende 2011. Und 483 Millionen nutzen Facebook jeden Tag. Von mobilen Geräten greifen im Monat 425 Millionen Menschen auf Facebook zu. Sie bekommen aktuell keine Werbung zu sehen.

  • Wachstum wird langsamer

    Das Wachstum von Facebook im Heimatmarkt USA hat sich abgebremst, wenn auch auf hohem Niveau. Von September auf Dezember 2011 stieg die Zahl der täglich aktiven Nutzer lediglich von 124 auf 126 Millionen.

  • Facebook in Deutschland

    Auch wenn StudiVZ lange vorne lag, ist Facebook in Deutschland inzwischen die unangefochtene Nummer 1. Mehr als 22 Millionen Nutzer seien beim Marktführer aktiv, berichtete das Blog Allfacebook.com kürzlich unter Berufung auf den Facebook AdPlanner, ein Werbe-Tool des Unternehmens. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 10 Millionen.

  • Stimmanteile

    Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Damit wird Zuckerberg auch in Zukunft ein geringer Anteil reichen, um sein Unternehmen zu kontrollieren. Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook 2004 und 2005 finanziell unterstützt hat, bekam im Dezember 2009 zwei Millionen Aktien der Klasse B.

  • Mitarbeiter

    Facebook hat 3200 Mitarbeiter. Die Zahl der Beschäftigten stieg im vergangenen Jahr um 50 Prozent.

  • Probleme in China und Russland

    Fast die ganze Welt ist blau: In beinahe allen Ländern ist Facebook das größte Soziale Online-Netzwerk - nennenswerte Ausnahmen sind Russland und China, wo lokale Unternehmen dominieren. Über einen Markteintritt in China hat Facebook laut Börsenprospekt noch nicht entschieden. Am russischen Konkurrenten Vkontakte ist der Investor DST beteiligt, der auch ein großer Facebook-Anteilseigner ist.

Doch der Titel der Dokumentation verrät ist: Facebook ist ein Milliardengeschäft. Mehr als eine Milliarde Gewinn macht das Unternehmen. Und mit dem sozialen Netzwerk verdienen auch andere. Besonders stolz war die ARD, dass sie es geschafft hat, in die heiligen Hallen von Facebook in Paolo Alto vorgedrungen zu sein. So sieht man, wie Mark Zuckerberg nicht abgeschirmt in einem Büro, sondern seinen Arbeitsplatz direkt bei den Kollegen hat. Start-up-Feeling. Der Gründer kommt auch zu Wort, ebenso die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Sie beschreiben das Geschäftsmodell, dürfen in bestem PR-Sprech erzählen, was sie mit Facebook vorhaben: eine Plattform schaffen, auf der alle mitteilen können, was sie mitteilen wollen. Um dann mit Hilfe der Daten Geld zu verdienen. Kritische Nachfragen - offenbar nicht erwünscht.

Facebook-Börsengang Zuckerberg hat noch kein Google geschaffen

Facebook startet den Börsengang und gibt erstmals Einblick in seine Zahlen. Doch der Prospekt enttäuscht und zeigt, dass Google in einer anderen Liga spielt.

Quelle: dapd

Wer von der Doku erwartet hat, etwas wirklich Neues zu erfahren, der wurde sicherlich enttäuscht. Hardcore-Nutzer und Internet-Junkies sind da sicherlich bestens informiert. Zumindest hinterließen sie bei Twitter und Co. zahlreiche hämische Kommentare. Und sie hätten erwartet, dass die Autoren in Sachen Datenschutz mal genauer bei Zuckerberg und Co. nachfragen würde - angesichts der restriktiven Informationspolitik des Netzwerks offenbar undenkbar, eine solche Diskussion loszutreten. So war die Doku eher etwas für die Generation, die sich bisher aus sozialen Netzwerken fern gehalten hat. Viele von ihnen verstehen nicht, warum ein soziales Netzwerk wie Facebook eine Telefonkette im Fußballverein, die Zeitungslektüre am Morgen ersetzen kann und bei der Fahndung nach Verbrechern helfen kann. Jetzt können sie es vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen. Mehr aber eben auch nicht.

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