Berühmte letzte Worte: Brauchen wir wirklich ein deutsches Internet?

kolumneBerühmte letzte Worte: Brauchen wir wirklich ein deutsches Internet?

Kolumne von Ralf Schwartz

Wehret den Anfängen des deutschen Internets, warnt unser Kolumnist. Analog zur deutschen Auto-Doktrin fordert er "Freies Surfen für freie Bürger".

Die Deutsche Telekom möchte ein deutsches Internet schaffen. Der Traffic soll innerhalb unseres schönen, aber ein wenig langsamen Landes bleiben. Eine lustige Idee. Und eine Frage stellt sich: Wer profitiert wohl davon?

Wenn jedoch unser Internet-Traffic über deutsche Server läuft, ist es nur ein kleiner Schritt zu weiterer intellektueller Inzucht, zu mehr Einfalt (auch statt Vielfalt) und natürlich wachsender kommerzieller und staatlicher Überwachung als wir eh schon haben.

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Schon heute geht es fast nicht mehr deutscher: 90 Prozent des deutschen Internetverkehrs laufen bereits innerhalb Deutschlands ab, wie die Denic berichtet.

Ein eindrucksvolles Armutszeugnis für unsere Bildung, unsere Neugier, unsere Entdeckerfreude, unser Interesse an Wandel und Fortschritt. Der Michel bleibt lieber bei seinen deutschen Leisten.

Online-Weinhandel Metro eröffnet Internet-Shop

Die Online-Offensive des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro beschränkt sich nicht nur auf die Elektronikhandelstochter Media-Saturn. Auch die Großhandelssparte Cash & Carry steigt in den Online-Handel ein.

Screenshot der Homepage "www.Metro-Wein.de" Quelle: Screenshot

Im Extrem wäre ein deutsches Netz so als würden im Kino nur deutsche Filme gezeigt, im Radio allein deutsche Schlager gespielt. Im Supermarkt ausschließlich deutsche Produkte verkauft. Als würden wir nur deutsche Autos fahren, deutsche Handys und Kameras benutzen. Das erinnert gruselig an alles Schlechte der DDR. Oder an Kuba. Da können wir das Netz gleich ganz zumachen.

Natürlich würden deutsche Presse-Verlage und der deutsche Buchhandel am liebsten auf das Netz verzichten. Erstere, um sich immer noch nicht neu erfinden zu müssen. Letztere, um sich weiter an den Strohhalm Buchpreisbindung klammern zu können.

Natürlich würden Großkonzerne wie Nestle, Ferrero, etc. ebenso gerne verzichten, um nicht länger die Schwächen ihrer Geschäftsusancen von alerten Bürgern und Konsumenten um die Ohren gehauen zu bekommen.

Natürlich will sich kein Politiker länger von informierten Bürgern - qua Web nun 'Ameisen mit Megaphonen' - den Marsch blasen lassen.

Natürlich wäre da der Kompromiss 'deutsches Internet' eine wundervolle Beruhigung für das Establishment. Aber Industrieromantik kann nicht die Lösung sein, nur weil wir nichts anderes gelernt haben.

Also wehret den Anfängen! Der Auftakt zu einem deutschen Internet kann nicht die Lösung sein. Wir sollten nicht noch künstlich unseren Ereignishorizont einengen.

Presse und Fernsehen haben wir bereits intellektuell kastriert. Das Web ist eine der letzten Möglichkeiten, kostenlos zu lernen, eigene Grenzen hinauszuschieben und sich inspirieren zu lassen von Menschen und Institutionen anderer Länder, Kulturen, Philosophien.

Spannend wird es doch erst, sobald ich die ubiquitäre Comfort Zone des billigen Boulevards und der mir gefälligen Meinungen verlasse. Wenn ich mein Weltbild von neuen Impressionen verunordnen und konstruktiv erweitern lasse. Im Netz wie im Leben.

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