Blackberry: Futter für Tastenfans

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Das Blackberry KEYone.

von Thomas Kuhn

Obwohl Blackberry eigentlich keine Smartphones mehr baut, wird auf dem Mobile World Congress ein neues vorgestellt. Dahinter steckt Methode und die Hoffnung auf eine eingeschworene Nutzergruppe

Es gibt wahrlich bessere Voraussetzungen für die Vorstellung eines neuen Smartphones als die jüngst veröffentlichten Zahlen zu den Marktanteilen der wichtigsten Mobiltelefonhersteller. Die nämlich waren für den einstigen Branchenführer verheerend. Erstmals seit Jahren war Blackberry da unter die Messbarkeitsgrenze von einem Prozent gefallen.
Grund genug eigentlich, um das ehemalige Kerngeschäft einzustellen und sich ganz auf das prosperierende Business mit Sicherheitssoftware und Managementanwendungen für Unternehmen zu konzentrieren. Genau das hat Blackberry-CEO John Chen gemacht - aber nur ein bisschen.

Denn am Samstagabend, kurz vor dem Start des Mobile World Congress, lädt Blackberry ein: zur Vorstellung eines neuen Smartphones. Kurz nach 19 Uhr präsentiert ein gut gelaunter Nicolas Zibell in einem Tennishallengroßen Zelt am Rande des Freizeitparks Poble Espanol oberhalb von Barcelona das neue Smartphone KEYone. "Das ist nicht nur ein Spitzengerät für Geschäftsleute mit allen Sicherheitsfunktionen, für die Blackberry bekannt ist, sondern auch ein erstklassig ausgestattetes Smartphone für anspruchsvolle Konsumenten mit - beispielsweise - einem der besten Fotochips von Sony", trommelt der Smartphone-Manager für sein neues Top-Modell. Ab April soll es weltweit für 599 Euro beziehungsweise 549 Dollar in den Handel kommen.

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Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

  • Absatzrekord trotz schwächerem Wachstum

    Im vergangenen Jahr wurden rund 1,5 Milliarden Smartphones verkauft. Das war ein Wachstum von zwei bis fünf Prozent im Vergleich zu 2015 - die Berechnungen einzelner IT-Marktforscher weichen etwas voneinander ab.

  • Smartphonemarkt auf Wachstumskurs

    Noch im Jahr davor war der Absatz um mehr als zehn Prozent gewachsen. Als zentrale Auslöser für die Abkühlung gelten die wirtschaftlichen Turbulenzen im größten Smartphone-Markt China sowie anderen Ländern wie Russland.

  • Samsung nicht zu schlagen

    Samsung blieb auf das gesamte Jahr gerechnet der größte Smartphone-Anbieter mit einem Marktanteil von gut 20 Prozent, Apple ist die Nummer zwei mit knapp 15 Prozent.

  • Trendwende im Weihnachtsgeschäft

    Im Weihnachtsgeschäft wurden die Apple-Verkäufe aber vom iPhone 7 beflügelt und bei Samsung schlug das Batterie-Debakel beim Galaxy Note 7 auf den Absatz. Im Ergebnis schob sich Apple in dem Quartal mit 78,3 Millionen verkauften iPhones knapp an Samsung vorbei.

  • China boomt

    Anbieter aus China haben sich - vor allem dank der Größe des heimischen Marktes - weltweit in die Spitzengruppe vor. Die drei Hersteller Huawei, Oppo und BBK schließen nach Samsung und Apple die globale Top 5 ab und kamen zusammen auf gut 20 Prozent Marktanteil.

  • Android und iOS hängen alle anderen ab

    Bei den Smartphone-Betriebssystemen dominiert Googles Android-Software mit einem Marktanteil über 80 Prozent. Den Rest füllt weitgehend das iOS von Apples iPhones aus. Andere Betriebssysteme wie Windows Phone oder Blackberry OS sind inzwischen praktisch bei Null angekommen. Dabei wurde mit ihnen einst die Hoffnungen verbunden, dass sie zur starken Nummer drei im Markt werden könnten.

  • Weltweit mobil

    Im vergangenen Jahr gab es nach Berechnungen von Experten weltweit rund 7,4 Milliarden Mobilfunk-Anschlüsse. Zum Jahr 2020 dürfte ihre Zahl auf knapp 8,4 Milliarden ansteigen, prognostiziert der IT-Marktforscher Gartner.

Der Grund der sonderbaren Widersprüchlichkeit ist, dass, wo Blackberry drauf steht, nicht mehr Blackberry drin ist. Stattdessen hat der chinesische Kommunikationskonzern TCL Communication die Markenrechte für Smartphones lizenziert und darf als Lizenznehmer die von Blackberry entwickelten Sicherheitserweiterungen für das Android-Betriebssystem nutzen. Und Zibell ist dessen Vorstandchef. TLC vertreibt parallel zur neuen Top-Marke auch Smartphones unter der Marke Alcatel.

Während letztere aber eher im Low-End-Segment positioniert ist, will TCL mit dem Blackberry-Flaggschiff eindeutig in der Oberklasse Kunden gewinnen. Und da zuerst bei denjenigen Smartphonenutzern, die ohnehin seit Jahren Fans der schwarzen Business-Tools aus Kanada sind. Denn das KEYone macht da weiter, wo Blackberry herkommt und bringt - wieder - eine echte Tastatur unter dem 4,5-Zoll-Bildschirm mit.

Damit bleibt auch der neue Berry (nach den zwar ebenfalls von TCL gebauten, aber noch von Blackberry selbst vertriebenen Geräten DTEK 50 und 60) weit und breit das einzige ernstzunehmende Smartphone für Vielschreiber, die sich mit den virtuellen Bildschirmtastaturen nicht anfreunden wollen - oder können.

Aber es soll unter der Produktführung von TCL nicht bei Tastentelefonen bleiben. "Wir haben im laufenden Jahr noch einiges vor", verspricht Zibell - und kündigt damit ziemlich unverblümt weitere Modelle an - sicher nicht gänzlich mit Hardwaretasten.

Abschied vom Smartphone Blackberry macht es richtig

Blackberry, einstmals Vorreiter in Sachen Handys, verabschiedet sich endgültig von seiner Smartphone-Sparte und setzt fortan auf Software. Warum das die richtige Strategie ist.

Blackberry verabschiedet sich von seiner Smartphone-Sparte. Quelle: Presse

Aber zunächst einmal muss das in einen robusten Aluminiumrahmen gefasste KEYone erweisen, wie gut die Kooperation der beiden Partner tatsächlich funktioniert. Um das Gerätedesign wird sich TLC kümmern, die Software - und speziell die Programmweiterungen, die Android-Smartphones auf das für den Unternehmenseinsatz sicher machen sollen - stammen weiter aus Kanada. So werde es künftig, so verspricht es Alex Turber, der für die Entwicklung der Mobilsoftware verantwortliche Manager des Traditionsunternehmens, werde es monatliche Sicherheitsupdates von Blackberry geben.

Und damit die Namesverwirrung ein Ende findet, werden die Smartphones künftig zwar weiter einfach "Blackberry" heißen, aber unter dem neuen Label "BlackberryMobile" vermarktet. Unter BlackberryMobile.com können sich ab sofort eingefleischte Fans für den den Vertriebsstart registrieren.

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