Case Modding : Deutschland sucht den Super-Computer

Case Modding : Deutschland sucht den Super-Computer

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Case Modding

von Oliver Voß

Auf der Spielemesse Gamescom in Köln findet die deutsche Meisterschaft im Case Modding statt. Dabei werden Computer zu Monstern, Raketen oder Toiletten umgebaut. Und einige der Bastler verdienen mit den futuristischen Rechnern gutes Geld.

Dieser  Mann fällt auf der Spielemesse Gamescom wirklich aus dem Rahmen. Während Explosionsgeräusche, Schreie und extrem laute Musik durch die Halle dröhnen und an  dutzenden Bildschirmen junge Leute  die neueste Version des Fantasy-Hits „World of Warcraft“ testen, hat Mark Alan Githens gerade zwei Holzstücke in eine Schraubklemme gespannt. Das weiße T-Shirt, das sich über seinen  massigen Körper wölbt, ist voller Späne. Zwischen seinen Füßen türmen sich Holzreste.

Githens ist dabei, einem Computer ein neues Aussehen zu verpassen. Nachdem er Hand angelegt hat, soll der Rechner  nicht mehr wie eine simple PC-Kiste aussehen, sondern wie ein Wesen aus einem Science-Fiction-Spiel.

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Diese Art des „Verschönerns“ nennt sich   „Case Modding“ – zu deutsch Gehäusemodifizierung, doch das klingt natürlich nicht ganz so cool.  

Deutsche Meisterschaft im Rechneraufmotzen

Die Ursprünge der optischen Aufwertung von Computern liegen in den großen LAN-Parties, auf die vor dem Durchbruch des Breitbandinternets, die Nerds ihre Rechner schleppten, um gegeneinander zu spielen. Um aufzufallen, ersetzten einige die Blechgehäuse durch Plexiglaswände, bauten eine Beleuchtung in grellen Neonfarben ein oder bastelten sogar Wasserkühlungen, um die Leistung der über Stunden aufgeheizten Platinen zu verbessern.

Inzwischen ist aus einzelnen Computerbastlern eine ganz eigene Szene entstanden, die sogar eine eigene Meisterschaft austrägt. Zum neunten Mal findet sie statt. An diesem Wochenende wird auf der Spielemesse in Köln der beste aufgemotzte Computer von 60 ausgewählt. .

Schon 2007 hat Githens  den Preis für die spektakulärste Kreation gewonnen. Ein Gehäuse wie ein riesiger schwarzer Felsblock, die violett und grün beleuchtete Technik hinter einer Glasscheibe, an der ein Wasserfall hinunterströmt.

Mark Githes Quelle: DCMM

Mark Githes

Bild: DCMM

Jetzt sägt und feilt er weiter an seiner Mischung aus Robocop und Spiderman. Neben Githens steht ein Bildschirm mit einer großen Zeitanzeige. 16 Stunden und 18 Minuten bleiben ihm noch im Live-Modding-Wettbewerb. Fünf Teams haben dabei jeweils 24 Stunden Zeit, um eines der futuristischen Gehäuse zu bauen. Viel ist das nicht, denn an den besonders beeindruckenden Rechnern sitzen die Spezialisten sonst auch gerne einmal mehrere hundert Stunden.  

Eine weitere Trophäe wäre eine tolle Werbung für Githens, denn ab September will er mit seinem Hobby Geld verdienen. Lange hat der 40-jährige für einen Autozulieferer in der Qualitätskontrolle gearbeitet, doch sein bisheriger Arbeitgeber wurde auch von der  Wirtschaftskrise getroffen. Nun sucht der Maschinenbautechniker aus dem oberbergischen Morsbach sein Glück in der Selbstständigkeit. 

Erste Aufträge hat Githens schon ergattert. Sein ganzer Stolz steht in der Halle gegenüber. Hier präsentiert die Spielefirma Frogster ihr Rollenspiel „Runes of Magic“. Auf der Bühne steht ein Rechner, eingebaut in ein schwarzes, kreisrundes mit Runen verziertes Tor, in dem helle Blitze zucken.

Case Modding als Beruf

Ein erfolgreicher Profi-Modder schraubt direkt neben Githens. Martin Blass fertigt seit fünf Jahren mit seinem Bruder Stefan hauptberuflich Designcomputer. Mehr als 400 verschiedene Gehäuse haben die beiden inzwischen entwickelt.

Auf ihrer Website kann man beispielsweise ein Gehäuse in japanischem Stil aus dunklen Hölzern und Reispapier für 299 Euro bestellen. Für 599 Euro gibt es einen kompletten weiß-roten Mini-PC, der aussieht wie eine Rakete. Den nutzt Blass auch privat. Spezielle Unikate und Sonderanfertigungen werden schnell deutlich teurer. „Wir haben schon Mods für 20 000 Euro verkauft“, sagt Blass.

Das Geschäft läuft gut. „Die letzten Monate hatten wir so viele Aufträge, das war wirklich hart“, sagt Martin Blass. Zu seinen Kunden gehören große Spielefirmen wie Ubisoft, die mit den Rechnern gern ihre Messestände aufpeppen, aber auch Privatleute. So hatte Tim Kretzschmer, der Amokläufer von Winnenden, einen der Rechner gekauft, die aussehen, wie Wall-E, der Roboter aus dem gleichnamigen Disneyfilm.

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