Cebit-Start: Die Digitalisierung als Jahrhundertchance

Cebit-Start: Die Digitalisierung als Jahrhundertchance

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In Hannover eröffnet mit der CeBIT 2015 wieder die weltgrößte Computermesse.

„In der Wirtschaft wird kein Stein auf dem anderen bleiben“, warnt der Bitkom-Chef zur Cebit-Eröffnung. Die digitale Vernetzung verändert alle Branchen. Die Kanzlerin nutzte die Bühne für ein deutliches Signal an Peking.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum Auftakt der weltgrößten IT-Messe Cebit fairen Wettbewerb vom diesjährigen Partnerland China eingefordert. „Unternehmen und Investoren haben ein natürliches Interesse daran, dass sie wissen, in welchen Rahmenbedingungen sie arbeiten: Berechenbarkeit, Verlässlichkeit, Gleichbehandlung der verschiedenen Unternehmen in unseren Ländern“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntagabend in Hannover. Viele ausländische Geschäftsleute in China haben derzeit das Gefühl, dass einheimische Firmen bevorzugt behandelt werden.

Im Mittelpunkt der Cebit steht in diesem Jahr vor allem der große Wandel durch die Digitalisierung. „In der Wirtschaft wird kein Stein auf dem anderen bleiben“, warnte der Präsident des Branchenverbands Bitkom, Dieter Kempf, bei der Eröffnungsfeier. Vor allem die Vernetzung aller Maschinen und Geräte und das neue Geschäft mit den dabei erhobenen Daten werden nach Einschätzung von Experten ganze Branchen umpflügen.

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Pünktlich zur Cebit zeigen zwei Studien, wie groß die Gefahr einer verschleppten Digitalisierung für die deutsche Wirtschaft wäre. So ließ der Industrieverband BDI die Unternehmensberatung Roland Berger berechnen, welche Einbußen drohten, sollte die Industrie die Verschiebung der Geschäftsmodelle in den IT-Bereich nicht konsequent genug vorantreiben. Demnach ergäben sich allein für Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 220 Milliarden Euro Wertschöpfungsverluste, wie die „Welt am Sonntag“ aus der ihr vorliegenden Studie berichtete. Wertschöpfung umfasst den Mehrwert, den Produktion und Dienstleistungen bringen.

Trends zur CeBIT 2015

  • Industrie 4.0

    Mit diesem Begriff wird in Deutschland die Vernetzung von Maschinen und anderer Technik vor allem im industriellen Betrieb bezeichnet. Es geht etwa um Industrieanlagen, die aus der Ferne gewartet werden können und sich auch selbst zum Austausch verschlissener Teile anmelden könnten. So zeigt der Fahrstuhl-Hersteller ThyssenKrupp Elevator in Hannover, wie schon erste Anzeichen von Unregelmäßigkeiten frühzeitig übermittelt werden.

  • 5G

    Die datenhungrigen IT-Anwendungen der Zukunft werden auch viel leistungsstärkere, schnellere und flexiblere Netze erfordern. Dafür soll die nächste Mobilfunk-Generation 5G sorgen. Im Moment geht es noch darum, die Eckpunkte des Standards festzulegen. Es gibt ein Gerangel unter anderem zwischen verschiedenen Netzwerk-Ausrüstern und Mobilfunk-Betreibern. „Ein Patentkrieg droht auf jeden Fall“, warnte ein führender deutscher 5G-Experte, Gerhard Fettweis.

  • Verschlüsselung

    Die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden haben auch die Wirtschaft aufgeschreckt. Zugleich haben es Unternehmen jeder Größe mit Industriespionage zu tun. Die Nachfrage nach Verschlüsselungslösungen zum Schutz von Firmengeheimnissen nimmt zu. Inzwischen gibt es neben sicheren Speicher-Angeboten auch eine Auswahl an Apps für verschlüsselte Telefonate. Auf der CeBIT wird zudem ein abgesichertes Tablet für Bundesbehörden gezeigt.

  • Big Data

    Mit der Vernetzung aller möglichen Geräte entstehen auch immer mehr Daten, die ausgewertet werden können. Heutige Computertechnik gibt die Möglichkeit, früher unvorstellbare Datenmengen umzuschlagen. Dieser sogenannten „Big Data“-Analyse kommt eine Schlüsselrolle bei digitalen Geschäftsmodellen zu. Sie dürfte unter anderem bei der Verkehrssteuerung und im Gesundheitswesen für enorme Fortschritte sorgen.

Laut der Berger-Studie würde eine verschleppte Digitalisierung in der deutschen Industrie vor allem die Automobil- und Logistikbranche treffen, die bis zu 140 Milliarden Euro einbüßen könnten. Für Europa insgesamt wären es 605 Milliarden Euro. Im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung der Industrie hierzulande wären die laut Berger über zehn Jahre berechneten Summen zwar nur ein Bruchteil der industriellen Kraft - doch sie träfen die Zukunftsfähigkeit.

Zudem befragte der Beratungskonzern EY die Unternehmen direkt. Laut der repräsentativen Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, droht dem Wirtschaftsstandort Deutschland ein Dilemma: Obwohl der Druck zur Digitalisierung im internationalen Vergleich gerade für die deutsche Unternehmenslandschaft am größten ist, können sich die Betriebe in Deutschland dem Wandel nicht so stellen, wie sie gerne würden. Zentrale Hemmschuhe: Budget- und Fachkräftemangel.

"Wir brauchen mehr digitale Souveränität"

Laut der EY-Studie wird zwar einiges angestoßen, doch die Digitalisierung genieße noch nicht den nötigen Vorrang - oder es fehle schlicht das Know-how, um die gewünschten Projekte auch umsetzen zu können. So ließen sich etwa die Schweiz, Schweden und Südkorea die Vorbereitung auf die digitale Revolution spürbar mehr kosten als es in Deutschland der Fall sei.

Der Gründer der chinesischen Online-Plattform Alibaba, Jack Ma, nannte zugleich bei der Eröffnungsfeier die Beständigkeit deutscher Unternehmen wie Mercedes-Benz und Siemens ein Vorbild für die Digitalwirtschaft. Er sei auf der Cebit, „weil ich dieses fehlende Teil für das Puzzle Internet finden will“. Alibaba steht hinter der größten chinesischen Onlinehandels-Plattform und schaffte im vergangenen Herbst in New York den bisher weltgrößten Börsengang.

China sei bereit, Handelshemmnisse und Hindernisse jedweder Art zu beseitigen, um einen globalen Markt aufzubauen, sagte der chinesische Vize-Ministerpräsident Ma Kai in Hannover. Er warb zudem für ein internationales Regelwerk für die IT-Sicherheit.

Serie Wirtschaftswelten 2025 Wie wir in Zukunft arbeiten werden

Intelligente Maschinen erledigen unsere Jobs: Wir müssen weniger körperlich schuften und werden flexibler arbeiten. Die digitale Revolution verändert zahlreiche Berufe. Wer gewinnt - wer verliert?

Maschinelle Produktion bei BMW Quelle: Bloomberg

Software-Riese Microsoft sprach davon, dass die Digitalisierung wirtschaftlicher Prozesse enorme Potenziale für Unternehmen habe, allerdings die Chancen vielfach nicht erkannt würden. Es gehe um die Frage, ob Deutschland eine Führungsrolle als digitalisierter Industriestandort einnehmen oder das Feld agilen Ländern wie Südkorea, China oder die USA überlassen wolle, sagte Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland.

„Wir können die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland digital fortschreiben, wenn wir jetzt entschlossen die Voraussetzungen für ein digitales Wirtschaftswunder schaffen“, sagte Rottkay. Laut einer Studie der Marktforschungsfirma IDC sind in Deutschland zwar 80 Prozent der Unternehmen der Meinung, dass Informationstechnologien ihre Geschäftsmodelle immer stärker beeinflussten. 52 Prozent der Befragten seien aber dennoch der Meinung, ihr eigenes Geschäftsmodell nicht verändern zu müssen.

Netzbetreiber wie Deutsche Telekom und Vodafone wollen eine Schlüsselrolle als Dienstleister für die vernetzte Wirtschaft einnehmen. „Wir werden in den nächsten Jahren das industrielle Internet bauen und damit ein Tor für ganz neue Wertschöpfungsketten aufstoßen“, sagte Vodafone-Deutschlandchef Jens Schulte-Bockum.

Die Telekom will alle Eckpunkte abdecken: Standards setzen, Plattformen bauen, Daten analysieren, Sicherheit bieten, Konnektivität über die Netze herstellen. Unter anderem soll es als Plattform für die vernetzte Technik eine „Cloud der Dinge“ geben, sagte der Chef der Dienstleistungstochter T-Systems, Reinhard Clemens.

Deutsche Unternehmen seien heute beim Maschinen- und Anlagenbau an vielen Stellen Weltmarktführer, sagte Clemens. Experten warnen aber schon lange, dass diese Führungsposition mit der voranschreitenden Digitalisierung in Frage gestellt werden könnte. Mit der Vernetzung von Maschinen und Geräten werden Dienste auf Grundlage der erhobenen Daten immer wichtiger.

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