CeBIT-Überraschung: Windows XP soll in Billigst-Laptops weiterleben

CeBIT-Überraschung: Windows XP soll in Billigst-Laptops weiterleben

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CeBIT-Besucher testen den neuen Asus Eee PC

Totgesagte leben länger: Eigentlich heißt der Star im Portfolio von Microsoft "Vista". Windows XP hingegen, der Vista-Vorgänger, gilt im Hause Microsoft als Auslaufmodell, dessen Vertrieb das Unternehmen lieber heute als morgen einstellen würde. Für Niedrigpreis-Laptops wie den überaus erfolgreichen Asus EeePC macht der Software-Riese offenbar eine Ausnahme.

Bereits vor mehr als einem Jahr präsnetierte der Softwareriese die jüngste Version seines Windows-Betriebssystems - und in den nächsten Wochen wird bereits das erste große Update, das Service Release 1, verfügbar. Windows XP hingegen, der Vista-Vorgänger, gilt im Hause Microsoft seither als Auslaufmodell, dessen Vertrieb das Unternehmen lieber heute als morgen einstellen würde.

Umso mehr überraschte am Ende des ersten Messetages die Ankündigung von Jerry Shen, dem Vorstandschef des Computerproduzenten Asus. Der taiwanische Produzent des überaus erfolgreichen Kompakt-Notebooks EeePC bringt im kommenden Monat eine brandneue, technisch aufgerüstete Version seines handlichen Niedrigpreis-Rechners auf den Markt, auf dem als Betriebssystem ausgerechnet Windows XP läuft.

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Die Ankündigung in Hannover markiert eine radikale strategische Kehrtwende bei Microsoft. Denn eigentlich hatte der Software-Konzern das EeePC-Konzept bei seiner ersten, internen Präsentation als nicht zukunftsträchtig abgelehnt. Asus hatte daraufhin eine eigene, speziell angepasste Version des lizenzkostenfreien Linux-Betriebssystems entwickelt - und den Rechner ohne Microsoft Windows auf den Markt gebracht.

Seither fasziniert der Klein-Computer die gesamte Branche mit seinem geradezu durchschlagenden Erfolg. Denn seit der Markteinführung - im Herbst 2007 in Asien und den USA, seit Januar unter anderem auch in Deutschland - kommt Asus mit der Produktion der nur 299 Euro teuren Geräte nicht nach. Die erste Lieferung von 20.000 Geräten war in Deutschland nach drei Tagen de facto ausverkauft. Und auch die regelmäßigen Nachlieferungen seither sind nicht nur in Deutschland fast ständig vergriffen.

Erfolg des Laptop-Winzlings alarmierte Microsoft

Die Begeisterung für das Gerät hat offenbar auch Microsoft derart alarmiert, dass die Strategen in Redmond in aller Eile den eigentlich schon ausgemusterten Betriebssystem-Senior XP nun kurzentschlossen wieder reanimiert haben. Zu groß war das Risiko, der Linux-Plattform bei den so genannten Ultra-Low-Cost-PC vom Schlage eines EeePC gänzlich kampflos das Feld zu überlassen. "Es zeigt sich, dass hier eine ganz neue Gerätekategorie entstehen kann, für die Windows XP die derzeit passendere Software-Plattform ist, als es Vista wegen dessen höheren Hardware-Anforderungen wäre", erläutert Thomas Bauer, Microsofts Europachef für das Hardware-Partnergeschäft.

Tatsächlich würde Vista die magere Speicher- und Prozessorausstattung des Asus-Winzlings hoffnungslos überfordern. Windows XP hingegen lässt sich mit dem gemächlichen (aber für die Linux-Konfiguration des Original-EeePC 4G völlig ausreichenden) Intel-Celeron-Prozessors sowie den 512 Megabyte Arbeitsspeicher und den nur vier Gigabyte Speicher der integrierten Flash-Speicher-Festplatte noch leidlich anständig benutzen.

Und auch der in Hannover präsentierte, technisch besser ausgestattete  EeePC 900 kommt nur mit Windows XP vernünftig in Schwung: Neben einem Gigabyte Arbeitsspeicher bietet er unter anderem ein 12-Gigabyte-Festplatte sowie einen knapp neun Zoll großen Bildschirm. Das neue Modell soll noch im ersten Halbjahr 2008 für 399 Euro (in der Linux-Variante) in die Läden kommen, versprach Konzernchef Shen. Mit XP wird der Rechner voraussichtlich geringfügig teurer, ein finaler Preis steht noch nicht fest.

Da trifft es sich günstig, dass Microsoft, wo man das Ende des alten Betriebssystem zwar offiziell schon besiegelt hat (Ende Juni wird der reguläre Vertrieb an Hardware-Hersteller eingestellt), Windows XP inoffiziell noch für ein paar Jahre im Programm hat. Der Konzern lässt seinen Betriebsystem-Oldie nämlich in einer speziellen Version für die Computermärkte in Entwicklungsländern weiterleben. Hinter vorgehaltener Hand allerdings geben Microsoft-Verantworliche aber zu, dass sich auch der Markt mit Niedrigpreis-Rechnern gerade erst entwickle - und da passt XP vorerst weiter perfekt.

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