Cebit-Umbau: So könnte die neue Cebit aussehen

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Cebit-Umbau: So könnte die neue Cebit aussehen

von Thomas Kuhn

Die Deutsche Messe baut die Computerschau Cebit um. Ab 2018 rutscht die Messe vom März in den Juni und soll als Event und Festival neu geboren werden – analog zum SXSW in Austin/Texas.

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Menschen beim South by Southwest (SXSW) Music Film Interactive Festival 2017 in Austin, Texas.

Es war mehr ein Halbsatz als eine Ankündigung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend in ihre Rede zur Eröffnung der Computermesse Cebit eingeflochten hat. Sie sei keine Freundin einer Zusammenlegung der Computerschau mit der Hannover Messe Industrie. „Deutschland braucht die Cebit als Anker und Ideengeber der Digitalisierung“, warb Merkel für Europas noch immer wichtigste IT-Messe und fügte hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass sich die Cebit noch stärker neuen Formaten und Zielgruppen öffnet.“

Seit heute ist klar, dass das weit mehr war als aktive Wirtschaftspolitik für den Standort Hannover. Es war, radikal verkürzt, die Vorwegnahme des Umbauplans, den Messechef Oliver Frese am heutigen dritten Messetag verkündet hat.

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Die Cebit 2017 wird die letzte Ausstellung ihrer Art gewesen sein. 31 Jahre nachdem die Messe das vorher integrierte Centrum für Bürokommunikation und Informationstechnik (CeBIT) 1986 erstmals als eigenständige Veranstaltung aus der Hannover Messe Industrie ausgegründet hat, ist in Hannover Schluss mit dem traditionellen Konzept einer Technikschau der Computerwelt.

Frese verschiebt die Cebit 2018 nicht nur vom Spätwinter in den Frühsommer. Vom 11. bis 15. Juni 2018 soll die Tech-Schau als Event und Festival unterm Hermesturm wiedergeboren werden.

„Die Freiflächen unter dem Expo-Holzdach werden zum großen Digital-Campus“, kündigte Frese an, „wo wir Technologie emotionaler inszenieren und eine coole Atmosphäre schaffen wollen“. Mit dem Megatrend der Digitalisierung und der damit verbundenen Disruption des Wirtschaftens und der Geschäftsmodelle müsse sich nun auch die Messe selbst „spürbar verändern“.

„Wir bringen Austin in den Sommer“

Die Anleihen die Frese, der das Konzept seit Mitte vergangenen Jahres in verschiedenen Etappen mit Industrievertretern entwickelt hatte, mit seinen Plänen nimmt, sind offensichtlich. „Wir bringen Austin in den Sommer“, sagt eine Industrievertreterin, die in den Prozess involviert war, und meint das Tech-Festival SXSW in Austin/Texas, das sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Impulsgeber und Szeneevent für die Digitalbranche entwickelt hat. Das Kürzel steht dabei für den Ursprungsnamen der US-Veranstaltung: South by Southwest.

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Cebit-Eröffnung. Quelle: dpa

Geht es nach den Vorstellung der Hannoverschen Messemacher, soll die Cebit also, um eine geographische Parallele zu ziehen, so etwas werden wie die North by Northeast der europäischen IT-Szene – und vielleicht auch etwas mehr. Das traditionelle Messegeschäft soll (wie auch immer in das Event eingebettet) unter dem inzwischen wiederholt genutzten Claim d!conomy weiterleben. Daneben treten – rund um den zentralen d!campus – weitere Formate: das New-Tech-Festival d!tec, und das Konferenzformat d!talk.

Zugleich vollzieht die Messe einen erneuten Schwenk bei den Zielgruppen. Nachdem Frese in den vergangenen Jahren stets das hohe Lied der Business-Messe gesungen und die professionellen Besuche als alleinrelevante Kenngröße für den Erfolg der Messe gepriesen hatte, soll in Zukunft erneut alles ganz anders werden. 2018 werde es nicht nur am vierten Tag ein „großes Event-Highlight“ geben, sondern zum Abschluss der Schau wieder „einen Besuchertag, an dem Teile der neuen Cebit und des d!campus für den allgemeinen Besucherverkehr geöffnet werden.“

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So sieht die CeBIT heute aus (Halle 4). Quelle: dpa

Ob die Rückkehr der „Beutelratten“, wie die privaten Sticker- und Andenkensammler wegen ihrer großen Umhängetaschen in der Vergangenheit despektierlich genannt wurden, tatsächlich eine Trendwende für die seit Jahren schrumpfende Computerschau ermöglichen, bleibt abzuwarten. Klar aber ist, dass ein simples „Weiter so“ als Zukunftskonzept für die Messe keine Option mehr war. „Die Cebit braucht genau jetzt ein starkes, inhaltliches Zeichen“, sagte Heiko Meyer, Deutschlandchef des Computerherstellers Hewlett Packard Enterprise und zugleich Vorsitzender des einflussreichen Cebit-Messeausschusses. „Und mit dem neuen Konzept schaffen wir genau das.“ Unbestritten.


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