
Marc Benioff ist Autor einer der größten Erfolgsgeschichten des Silicon Valley. Als in den Neunzigerjahren Telekommunikationsunternehmen Milliarden in den Ausbau des Internets investierten, erkannte der massige Mann mit Stoppelbart, dass Privatleute und Unternehmen künftig einen immer größeren Teil ihrer Computerarbeit im Netz erledigen.
Bald schon würden sie online nicht nur E-Mails schreiben, sondern auch Texte verfassen, Tabellen bearbeiten, Musiktitel verwalten und Fotos lagern. Konzerne würden ganze Teile ihrer Unternehmenssoftware von ihren Firmenservern ins Internet verlagern – von der Kundenbetreuung bis zur Gehaltsabrechnung.
Benioff wusste, dass das die größte Revolution in der Geschichte der Informationstechnologie bedeuten würde. Damals wollte ihm kaum jemand glauben. Trotzdem kündigte der Computer-Visionär, der zuvor schon bei Apple gearbeitet hatte, auch seinen gut bezahlten Job beim IT-Konzern Oracle und begann im März 1999 von vorn; mit drei Mann und einem Hund in einem Ein-Zimmer-Apartment in San Francisco und mit dem Vermieten von Software via Internet.
Zeitenwechsel zum Cloud Computing ist in vollem Gange
Knapp elf Jahre später zahlen mehr als zwei Millionen Nutzer zwischen 5 und 125 Dollar im Monat, um online mit Salesforce-Software Kundenbeziehungen zu verwalten; vom Architekturbüro bis hin zu multinationalen Konzernen wie Siemens, Dell und Starbucks. 2009 hat Benioff mehr als 1,2 Milliarden Dollar umgesetzt und rund 70 Millionen Dollar Gewinn gemacht.
Die Zahlen belegen: Der vor Jahren prognostizierte Zeitenwechsel ist in vollem Gange. Unternehmen aller Branchen sind dabei oder stehen kurz davor, Teile ihrer IT-Systeme auf fremde Server im Internet zu verlegen oder Software im Netz zu mieten. Cloud Computing nennen es die Experten, wenn die Programme auf Online-Netzwerken aus Tausenden Rechnern laufen – in die Wolke sozusagen.
Von der Nachfrage profitieren vor allem die Pioniere unter den Cloud-Dienst- Anbietern. Darunter so illustre Größen wie der Internet-Versender Amazon, der Rechenkapazität in seinen gewaltigen Computer-Zentren via Internet vermietet. Aber auch der Computerhersteller Apple und vor allem der Suchkonzern Google. Ebenso drängen IT-Giganten wie IBM und HP in das Geschäft.
Peinliche Pannen
Vor allem aber der Eintritt von Softwaremarktführer Microsoft hat für ein Beben in der Branche gesorgt. Gerade schaltete der Softwarekonzern seine Cloud-Computing-Plattform Windows Azure frei, auf der Entwickler nun webbasierte Anwendungen nutzen können, wie Datenbanken, Kommunikationsdienste oder Kundenmanagementprogramme.
Doch bei aller Dynamik: Viele Kunden fragen sich, wie sicher ihre Daten in der Wolke sind, und vor allem, was passiert, wenn die fremden Server einmal nicht erreichbar sind.
Wenig hilfreich also, dass der E-Mail-Dienst Googlemail in den vergangenen Monaten immer wieder stotterte. Microsoft vernichtete im vergangenen Herbst gar um Haaresbreite Millionen von Datensätzen, die Nutzer seines Mobilfunkdienstes Danger auf den Servern des Windows-Konzerns abgelegt hatten.













