Cloud Computing: Microsoft: Mit Macht in die Internet-Wolke

Cloud Computing: Microsoft: Mit Macht in die Internet-Wolke

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Microsoft-Chef Steve Ballmer

von Michael Kroker

Microsoft-Chef Steve Ballmer setzt im großen Stil auf Cloud Computing: Die Bereitstellung von Mietsoftware übers Web soll zu dem großen Geschäftstreiber in den kommenden Jahren avancieren.

So trübe aktuell die Aussichten Steve Ballmer im Endkundengeschäft sind – insbesondere bei Handys und Tablets – desto  besser kommt der Microsoft-Chef im Markt für Unternehmensanwendungen voran. „Als ich Anfang 2000 den CEO-Posten antrat, hieß es oft noch: ‚Die Produkte von Microsoft sind noch nicht reif für den Unternehmenseinsatz‘. Das behauptet schon lange niemand mehr“, sagt Ballmer auf der weltweiten Partnerkonferenz von Microsoft in der US-Hauptstadt Washington. Dabei ist ihm ein gewisser Stolz dabei durchaus anzumerken.

In der Tat würde dem Konzern aus Redmond denn heute auch kaum jemand die Fähigkeit absprechen, die IT auch in Großkonzernen mit seinen Server-Produkten steuern zu können. Im vergangenen Geschäftsjahr steuerte die Server-Sparte rund 14 Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz von 58 Milliarden Dollar bei – rund ein Viertel und fast genauso groß wie das klassische Geschäft mit Windows für PCs.

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Geht es nach Ballmer, macht Microsoft in jenem Segment künftig noch deutlich mehr Geschäft. Insbesondere vom so genannten Cloud Computing erhofft sich der Microsoft-Chef nachhaltige Impulse. Beim Cloud Computing installieren Kunden eine benötigte Software-Anwendung nicht mehr auf den eigenen Computern. Sondern sie greifen übers Web auf die Software zu, die ein Dienstleister in seinem Rechenzentrum betreibt – dafür fällt dann eine monatliche Mietgebühr an. „Cloud Computing kann für uns und unsere Partner neues Geschäftspotenzial schaffen“, so Ballmer, der mit Windows Azure eine Art Internet-Betriebssystem im Portfolio hat. Auf Basis von Azure können Unternehmen Internet-basierte Anwengen entwickeln und – zumindest bis heute – in einem Microsoft-eigenen Rechenzentrum gegen Gebühr betreiben.

Eine Milliarde Dollar investiert

Im vergangenen Geschäftsjahr hat Microsoft mehr als eine Milliarde Dollar in die entsprechende Infrastruktur investiert, vor allem für den Bau von Rechenzentren rund um den Globus. Aktuell arbeitet bereits die Hälfte aller 30.000 Microsoft-Entwickler weltweit an Cloud-basierten Lösungen. „In naher Zukunft“ wollen die Redmonder jene Quote sogar auf 80 Prozent hochfahren, erläutert Martin Berchtenbreiter, Mittelstandschef von Microsoft in Deutschland. Das Cloud-Betriebssystem Windows Azure ging im November 2009 an den Start. „Inzwischen haben wir bereits 10.000 zahlende Azure-Kunden“, sagt Ballmer.

Das sollen in Zukunft noch deutlich mehr werden. Die Weichen dafür hat Ballmer auf der weltweiter Partnerkonferenz in Washington selber gestellt. So öffnet Microsoft sein Cloud-Betriebssystem Azure ab sofort für Fremdanbieter. Das bedeutet: Künftig können beispielsweise Microsoft-Partner Windows Azure in ihren eigenen Rechenzentren installieren und ihrerseits wiederum Cloud-Services an Drittkunden anbieten. „Das eröffnet unseren Partnern neue Geschäftsmodelle“, so Ballmers Botschaft an die Partner. Die ersten drei Fremdnutzer von Azure sind die IT-Riesen Hewlett-Packard, Dell und Fujitsu.

Enorme Wachstumsraten im Cloud-Markt

Überdies können nun auch Microsoft-Kunden, die aus Sicherheitsgründen ihre Daten nicht in fremde Rechenzentren verlegen möchten, Windows Azure im eigenen Rechenzentrum nutzen. So erhalten sie gewissermaßen ihre eigene private Cloud. Erster offizieller Referenzkunde ist das weltgrößte Internet-Auktionshaus Ebay, das den Betrieb seiner Website Ebay.com kontinuierlich auf Cloud-Betrieb umstellen will. „Microsoft investiert und marschiert voran, um im Cloud-Geschäft die Nase vorne zu haben“, sagt James Barrese, Vice President Technology bei Ebay. „Und ich möchte mit denen kooperieren, die das Spiel gewinnen wollen.“

Dass Microsofts Hoffnungen auf neues Geschäft durch die Internet-Wolke nicht unbegründet sind, zeigen auch Zahlen von unabhängigen Marktforschern. „Viele Unternehmen nutzen Cloud-Angebote bereits heute, und wir erwarten in diesem Segment ein enorm großes Wachstum in den kommenden Jahren“, sagt Lynn-Kristin Thorenz, Director Research & Consulting beim IT-Marktbeobachter  IDC. Laut einer IDC-Studie soll das weltweite Cloud-Geschäft von 16 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr bis 2014 auf 56 Milliarden Dollar hochschnellen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 27 Prozent – fünfmal so viel wie herkömmliche IT, deren Plus nur bei rund fünf Prozent pro Jahr liegt. In Deutschland ist das Wachstum wegen der niedrigeren Ausgangssituation sogar noch noch höher: Die hiesigen Cloud-Umsätze sollen laut IDC von knapp 400 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2014 steigen. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von im Schnitt 42 Prozent.

Ballmer jedenfalls meint es völlig ernst mit der Ausrichtung seines Konzerns auf das neue Geschäft. Das schwingt bei fast jedem Satz seiner Keynote über das Thema durch. Mehr noch: Normalerweise ist die weltweite Partnerkonferenz die Zeit der großen verbalen Streicheleinheiten, der Bauchpinselei und Lobhudelei der Partner durch Microsoft. Nicht so hier: „Wer mit uns in die Cloud geht, ist unser Gefährte, wer nicht ...", sagt Ballmer achselzuckend. Eine ernstgemeinte Drohung des bulligen Microsoft-Chefs? Eher nicht – ein Wink mit dem Zaunpfahl aber sicherlich.

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