Computerkriminalität: Die Cyber-Söldner

Computerkriminalität: Die Cyber-Söldner

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Computer-Hacker

Bezahlt von Unternehmen und Regierungen, dringen Hacker in Computer und Firmennetze ein – blitzschnell und hochpräzise. Nirgends sind sie so gut organisiert wie in Russland und China. Einblicke in eine verschwiegene Szene.

Hinterher war Boris Iwanow* ein bisschen enttäuscht. Sein Versuch, die IT-Systeme des Kremls zu knacken, erwies sich fast als Kinderspiel: „Ich musste bloß einen Funkempfänger an der Kreml-Mauer verstecken, der die Benutzernamen und Passwörter aufzeichnet, mit denen die Beamten im Kreml von ihren Laptop-Computern aus auf das Rechnernetz der Ministerien zugreifen“, sagt er. Mit den Zugangscodes wühlte sich Iwanow anschließend durchs Regierungsnetz, zog Screenshots, sicherte Benutzerkennungen. Erst nach einer Woche fanden Wachleute den elektronischen Spion – und zerstörten das Gerät.

Der Angriff auf das russische Machtzentrum war das Husarenstück des Hackers Iwanow. Drei Jahre liegt der Coup zurück. Da residierte mit Wladimir Putin noch ein früherer Sowjetspion im Kreml, der eine Armee an Sicherheitsdiensten kontrollierte. Der mächtigste Mann Russlands hat sich von einem damals 21-jährigen Hacker überlisten lassen. Und für den war der Einbruch in die Kreml-IT offenbar nur ein Zeitvertreib.

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Glück für Putin. Denn Nachwuchs-Hacker Iwanow zog nicht nur den Speiseplan der Kreml-Kantine aus dem Netz. Er kam auch an pikante Dokumente, wie er sagt, die den heutigen Premierminister gehörig unter Druck gesetzt hätten. Über den Inhalt verliert der Datendieb kein Wort. „Ich bin Patriot und arbeite nicht gegen den russischen Staat“, sagt er. Iwanow betrachtet sich eher als eine Art Sportsmann. Die Überlistung von schwer gesicherten IT-Systemen sei für ihn nichts per se Kriminelles. Sondern eine Art Spiel.

Regierungsserver lahmgelegt

Ein gefährliches Spiel, das nicht nur Unternehmen und Regierungen in aller Welt Kopfzerbrechen bereitet. Immer häufiger sind auch Privatleute Ziel der Attacken: Voriges Jahr registrierte das Bundeskriminalamt alleine in Deutschland 74.911 Cyber-Straftaten – so viele wie noch nie. Oft spähen Hacker mit Spionageprogrammen Online-Zugangsdaten von Bankkunden aus und verhökern sie im Internet.

Computerkriminalität boomt. Und in diesem wachsenden Schattenreich sind China und Russland die herrschenden Weltmächte. In Moskau und Peking gedeiht eine global aufgestellte Dienstleistungsindustrie der Hacker und Cyber-Spione. Dort sind die Besten und Gefährlichsten ihrer Zunft am Werk.

Sie beherrschen das gesamte Repertoire digitaler Straftaten: Vor wenigen Wochen erregte der russische Hacker Kirllos Aufsehen, der die Daten von 1,5 Millionen Facebook-Nutzern ausspähte und anschließend im Internet verkaufte. Erst vor ein paar Tagen legten chinesische Hacker mehrere Regierungsserver in Südkorea lahm. Experten vermuten, dass der Auftrag aus Nordkorea kam.

Mathematisch begabte Russen

Immer wieder haben chinesische Hacker auch amerikanische Behörden im Visier. Als US-Präsident Barack Obama den Dalai Lama empfing, gingen chinesische Hacker auf das Pentagon los und versuchten, deren interne Kommunikation lahmzulegen. Sofern der Auftraggeber genug Geld lockermacht, sei sogar die Abschaltung eines Atomkraftwerks über einen Eingriff in die Leittechnik technisch kein Problem, warnt der Moskauer Hacker-Experte Nikita Kislizin. Er ist Chefredakteur der Zeitschrift „Cheker“, dem monatlich erscheinenden Branchenblatt für russische Computerfreaks.

Doch wer bezahlt Hacker wie Iwanow? Wie organisiert sich die Szene? Wer steckt hinter den Angriffen?

Selten lassen sich die Fälle abschließend aufklären. Den Cyber-Krieg führen Hackergruppen aus aller Welt. Deren Spuren im Detail entschlüsseln zu wollen, hält selbst der prominenteste russische Virenjäger, Eugene Kaspersky, für nahezu unmöglich: „Wie wollen Sie einen chinesischen Hacker dingfest machen, der russische Spionagesoftware auf einem Server in Tonga betreibt, die geklaute Passwörter auf einen Computer auf den Cayman Islands speichert?“, fragt sich Kaspersky.

Es ist kein Zufall, dass China und Russland globale Hochburgen der Schattenwirtschaft sind. Im IT-Bereich zählen die mathematisch begabten Russen zur Weltklasse. Doch selbst die Jahrgangsbesten der zahllosen russischen IT-Hochschulen kommen bei einem legalen Job auf höchstens 1000 Dollar Einstiegsgehalt. In China sieht es nicht besser aus.

*Name geändert

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