_

Computerspiele: Startup Onlive will Spielekonsolen überflüssig machen

von Larissa Haida

Ein neues Internet-Portal soll populäre Computer- und Konsolenspiele auf PCs, Fernseher und Smartphones spielbar machen – und eigenständige Spielekonsolen womöglich bald überflüssig. Ein Frontalangriff auf Sony, Microsoft & Nintendo.

Geschäft für Videospiele in Quelle: AP
Geschäft für Videospiele in Japan Quelle: AP
Anzeige

Mit einem innovativen Spielekonzept hat das Online-Portal Onlive auf der Games Developer Conference in San Francisco für einen Paukenschlag gesorgt. Das kalifornische Startup-Unternehmen will populäre und qualitativ hochwertige Videospiele, die bisher nur auf PCs oder Spielekonsolen verfügbar waren, zum Abruf über das Internet anbieten. Das ist ein Angriff auf das bisher von Branchengrößen wie Microsoft, Nintendo und Sony dominierte Geschäft. Spieler sollen die Angebote direkt auf ihren Computer oder – zumindest mittelfristig – auch den Fernseher nutzen können. Der Dienst soll Mitte Juni starten.

Onlive macht sich bei diesem Konzept einen Trend in der IT-Welt zu nutzen: Cloud-Computing. Dabei nutzen Unternehmen Anwendungen und Speicherplatz die auf Rechenzentren von speziellen Internet-Dienstleistern angeboten werden, und speichern zum Teil auch ihre Daten dort. Genauso will Onlive vorgehen. Das Unternehmen speichert die Spiele auf einem zentralen Server, den die Spieler über das Internet erreichen. Da die Nutzer direkt vom PC oder Apple-Computer auf diesen Server zugreifen kann, wären eigenständige Konsolen überflüssig. Der erforderliche Mikrochip, mit dem sich die Spiele auch auf TV-Geräten abspielen lassen, den Onlive bereits entwickelt hat.

Spielegiganten an Bord

Große Verlagshäuser und Entwickler von Videospielen unterstützen den Vorstoß des vor einem Jahr gegründeten Unternehmens. Electronic Arts, Ubisoft, Take-Two Interactive Software und Warner Bros. Interactive Entertainment gehören zu den Investoren des Silicon Valley Unternehmens. An der erforderlichen Technik zum Online-Zugriff auf die Spiele arbeiten die Firmengründer nach eigenen Angaben bereits seit sieben Jahren. Für 14,95 Dollar im Monat sollen die Spieler das Angebot des webbasierten Videospielesystems nutzen können.

In den vergangenen Jahren hat sich die Bewegung weg von Spielekonsolen und Computer-CDs/DVDs hin zum Internet enorm beschleunigt. Der Verkauf von Videospielen, einschließlich Software, Hardware und Zubehör, ist laut des Marktforschungsinstituts NPD in den Vereinigten Staaten 2009 um 8 Prozent auf 19,6 Milliarden Dollar gefallen.

Trend zum Spielen im Netz

Immer mehr Nutzer spielen Online-Spiele wie FarmVille bei Facebook oder laden sich Applikationen aus dem Internet auf ihre Mobiltelefone. Der Touchscreen des iPhone hat sich inzwischen zu einer eigenständigen Spieleplattform gemausert. Bis heute haben Internet-Nutzer im App Store milliardenfach simple und leicht bedienbare Spiele, sogenannte Casual Games, heruntergeladen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.09.2010, 17:22 UhrAnonymer Benutzer: Maglight

    @Allwissender
    ich glaube du weisst nicht, welche Ressourcen ein Spiel braucht. insbesondere, wenn man es für Tausende von Personen betreiben will. Da ist die internet-Leitung nur eine der Herausforderungen.

  • 08.04.2010, 18:10 UhrAnonymer Benutzer: Allwissender

    ...Onlive macht sich nicht Cloud-Computing zu nutze sondern die Tatsache, dass mittlerweile eine Menge Menschen über einen breitband-internet-Anschluss verfügen UND dass es Techniken gibt Video-Streams sehr effizient zu komprimieren und damit in Echtzeit zu übertragen.

    Die bei heutigen AAA-Titeln oft Gigabyte großen Assets eines Spiels werden auf die Server verlagert und die komplette Grafikberechnung erfolgt auf dem Server. Der Rechner des Spielers kann damit also auf 3D-Hardware und installierten Client verzichten... und das wird Microsoft, Sony, etc. bestimmt nicht gefallen...

    mir übrigens auch nicht, ich will beim Spielen nicht komplett von einem externen Onlinedient abhängig sein...

  • 11.03.2010, 18:15 UhrAnonymer Benutzer: Das ginge auch mit einer Konsole daheim!

    Das währe mal eine coole Erweiterung meiner XbOX360: XbOX Everywhere!

    im Moment noch eine reine idee von mir, aber eigentlich für Microsoft leicht umzusetzen - Technisch gesehen ist ja alles vorhanden: Die Konsole steht daheim, ist eh auf Standby und am internet angeschlossen.

    Was fehlt ist eine Software, die es erlaubt, die Konsole aus der Ferne über das Netz zu starten und die Eingaben/Ausgaben hin- und her zu schicken. So könnte man das eingelegte Spiel auch auf dem Handy oder auf einem Computer zocken.

    Mehr als ein bisschen Software braucht es dafür eigentlich nicht. Statt dem Spiel in der Cloud, hängt man einfach die eigene box ins Netz. ich fänd das toll, Locust metzeln statt Fratzen glotzen in der U-bahn.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Infografik der Woche: Wie Entwicklungsländer die mobile Revolution antreiben
Infografik der Woche: Wie Entwicklungsländer die mobile Revolution antreiben

Von dem Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs stammt die Feststellung: Kaum eine andere Technologie wird in der Entwicklung...

weitere Fotostrecken