Contra: Mobiles Internet am Handy bleibt eine elitäre Spielwiese

Contra: Mobiles Internet am Handy bleibt eine elitäre Spielwiese

Bild vergrößern

WirtschaftsWoche-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna

Internet überall – mit diesen Versprechungen wollen die Mobilfunkunternehmen schon seit Jahren Kunden ködern. Doch der Spaß ist nach wie vor sauteuer und benutzerunfreundlich. WirtschaftsWoche-Redakteur Wilfried Eckl-Dorna kann darauf gerne verzichten.

Das Ritual wiederholt sich jeden Tag: Ein Mitpassagier im Pendlerzug, fast immer männlich, entweder im korrekt gebügelten Sakko oder im jugendlichen T-Shirt, fischt mit einer lässigen Handbewegung einen schwarzen kleinen Kasten aus der Tasche. Stolz zieht er das Gerät mit dem Apple-Logo aus dem  Etui und beginnt kurze Zeit später, mit den Fingern zuerst sanft und dann immer hektischer über das Display zu zeichnen.

Kurze Zeit später ertönt dann ein Gong-Signal – das Zeichen für eine eingegangene Nachricht, die mit hektischem Fingergeklapper beantwortet wird. Mit einem zufriedenen Grinsen wandert das iPhone dann zurück in die Handytasche, dann werden die Kopfhörer angesteckt und der Besitzer versinkt im Gedudel seiner Lieblingsmusik.

Anzeige

So sieht zurzeit die Realität des mobilen Internets aus: Sie ist vom Hoffnungskind der Mobilfunkbranche zur elitären Spielwiese mutiert. Denn allen jahrelangen Versprechungen zum Trotz schafft es derzeit nur ein Gerät am Markt, das Internet auch am Handy nutzbar zu machen. Und das ist Apples iPhone. Nur dort lassen sich bislang kinderleicht auch längere Websites auf dem kleinen Display lesen. Und nur damit wird das Internet wirklich flügge.

Teures Vergnügen

Doch die Sache hat einen Haken: Das iPhone ist verdammt teuer. Gut 50 Euro monatlich lassen sich die Apple-Jünger diesen Spaß kosten. Er bringt ihnen neben dem Status den vermeintlichen Vorteil, jederzeit auf allen Wegen erreichbar zu sein. Nach ein paar Jahren müssen sie sich ohnedies ein neues Gerät kaufen, weil die Akkus des iPhones nicht austauschbar sind. Bis dahin haben sie tausende Euro an ihren Mobilfunkbetreiber überwiesen – diese Bauernfängerei ist meine Sache nicht.

Andere Firmen versuchen nachzuziehen, doch bislang haben sich alle vermeintlichen iPhone-Killer als Rohrkrepierer herausgestellt. Noch ist es niemandem gelungen, Apples Bedienerfreundlichkeit auch nur ansatzweise nachzuahmen. Mein vor kurzem erworbenes privates Nokia-Handy mit WLAN-Modul und allem möglichen Schnickschnack zeigt mir das jeden Tag ganz deutlich.

Wirrwarr bei für Handys optimierten Seiten

Dienstlich nutze ich einen Blackberry, der mich jederzeit erreichbar macht. Das ist zum einen kein besonders erstrebenswerter Zustand. Zum anderen ist das Abrufen von Webseiten damit ein echtes Mühsal: Die extra eingerichteten Mobil-URL für Handys folgen alle einem unterschiedlichen Aufbau. Mal steht das Wörtchen mobil am Anfang, mal ist es nur ein vorangestelltes m. Oder das m wird an die www-Adresse per Schrägstrich angehängt. Mit anderen Worten: Die mobile URL-Verwirrung ist wahrhaft babylonisch.

Gebe ich in den Browser allerdings die Originalwebsite (wie etwa www.wiwo.de) ein, muss ich oft minutenlang auf den Aufbau der Seite merken. Automatische Umleitungen auf die abgespeckten Mobil-Versionen der Websites schaffen nur die wenigsten Websites. All das ist wenig nutzerfreundlich.

Wollte ich meinem Handy-Browser Flügel verleihen, müsste ich mir eine der nach wie vor teuren Daten-Zusatzpakete gönnen. Neben der Kostenfrage müsste ich auch noch eine prinzipielle Sinnfrage beantworten: Welchen exakten Nutzen bringt es mir, nach einem Arbeitstag am Computer am Nachhauseweg private E-Mails abzuarbeiten oder noch rasch mal im Web zu surfen?

In meinem Fall fällt die Antwort klar aus: Keinen. Denn mobiles Internet ist mir schlicht zu benutzerunfreundlich und zu teuer. Privaten Mails beantworte ich lieber in Ruhe zu Hause, statt sie in einem ratternden Pendlerzug mit Tippfehlern zu versehen. In meinem Zugsitz lese ich lieber Zeitung in gedruckter Form. Die hat den Vorteil, dass man sie auch bei Funklöchern weiterblättern kann.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%