Crowdfunding: Klingelbeutel im Netz

Crowdfunding: Klingelbeutel im Netz

Über Internet-Anbieter können Anleger in soziale Projekte investieren – und das Risiko mit anderen teilen. Das funktioniert nicht nur mit Mikrokrediten für Kleinstunternehmer, sondern auch mit Solardächern für Schulen.

Klingelbeutel im Netz

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Crowdfunding

Windstromerzeugung auf Hochhausdächern, mitten in der Stadt ohne dass große Anlagen die Sicht versperren: Das plant Reinhard Fuchs. Der Chef der Futag Umwelttechnik AG hat eine vertikale Windturbine entwickelt. Diese Anlage, die aussieht wie ein kleines Häuschen auf dem Dach und fast geräuschlos ist, soll zwischen 50 und 750 Kilowatt pro Stunde produzieren. Eine Technik, die laut Fuchs anderen vertikalen Dach-Mühlen technisch überlegen ist.

Ein Hochhaus, eine Baugenehmigung und einen fertigen Konstruktionsplan gibt es bereits. „Unsere Anlagen sind geräuschlos, man kann sie dezent in jedes Gebäude integrieren, es gibt weder einen Schattenwurf noch sichtbar drehende Teile“, meint Fuchs.

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Was fehlt, ist das Geld, um die erste Anlage zu bauen. „Wir haben mit Venture- Capital-Firmen, öffentlichen Beteiligungsgesellschaften und Banken gesprochen“, sagt Fuchs. „Alle sagen: Es ist eine tolle Idee, und sobald die Anlage läuft und zeigt, dass es funktioniert, dann sind wir dabei“, sagt Fuchs. „Das ist etwas frustrierend.“ Deshalb sollen ihm nun andere helfen, das innovative Windrad zu bauen. Fuchs hat sein Windrad auf Seedlounge.de- ausgeschrieben, wo Menschen in Unternehmen aller Art investieren können. Crowdfunding heißt das Prinzip.

Gemeinsamer Mehrwert

Es ist die Fortsetzung des Crowdsourcing-Gedankens der Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Dort wird das Wissen vieler zu einem gemeinsamen Mehrwert. „Die meisten Crowdfunding-Projekte haben eine Form von Gemeinschaftsinteresse, rein profitorientierte Projekte haben es noch nicht so leicht“, sagt Armin Schwienbacher, Finanzwissenschaftler an der Universität Lille im Norden Frankreichs, der zu dem Thema forscht.

Mit diesem System ist es nicht nur möglich, an Geld zu bekommen. „Mit Crowdfunding lässt sich zudem sondieren, ob überhaupt ein Markt für eine Idee besteht“, sagt Schwienbacher.

Wer keine Investoren in der Menge, englisch: crowd, findet, sollte grundsätzlich über seine Idee nachdenken. Reinhard Fuchs etwa will die Geldgeber am Erfolg teilhaben lassen: Wenn der Prototyp seiner vertikalen Windturbine funktioniert, möchte er in die Serienfertigung einsteigen. „Sobald das läuft, haben wir viele Zusagen, auch von Banken“, sagt er.

Online Geld sammeln

Die Crowdfunding-Idee gewinnt rasend schnell Anhänger. Fast täglich öffnet eine Plattformen im Netz. Sie heißen Kickstarter, MySherpas, MyC4, Startnext, Flattr, Kachingle, Inkubato oder FashionStake. Dass Geldsammeln online funktioniert, zeigen auch Beispiele wie der englische Fußballclub Ebbsfleet United, der von Fans gekauft wurde, oder Bands, die sich von Fans Aufnahmen finanzieren ließen.

Sven Reichardt, ein junger Immobilienkaufmann aus Ludwigshafen, will in den nächsten Wochen die Crowdfunding-Plattform Katago ins Netz bringen. Sie ist ausschließlich für ökologische und soziale Zwecke gedacht. Die Nutzer sollen finanzielle Patenschaften für nachhaltige Projekte übernehmen, zum Beispiel die Installation von Solardächern auf öffentlichen Gebäuden. Sobald die von den Kreditgebern investierte Summe wieder eingespielt und zurückgezahlt ist, sollen die Überschüsse zum Beispiel an die Schule gehen, auf der die Solaranlage steht.

Mit einem ähnlichen Ansatz ist Kiva schon länger erfolgreich. Auf der Plattform vergeben Menschen aus aller Welt Mikrokredite an Kleinunternehmen in Entwicklungsländern. Material für eine Seifenproduzentin in Mali, Stoffe für eine Weberin in Kambodscha, Dünger und Samen für einen Farmer in Kenia. Den Gewinn machen nur die Kleinunternehmen. Die Kreditgeber erhalten lediglich ihr verliehenes Geld zurück.

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