Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

Nach einer Woche Aufruhr

Bundesverteidigungsminister Quelle: dapd

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bei einem Besuch der deutschen Soldaten bei Kundus. Zu Guttenberg hat es zum Markenprodukt der Politik gebracht

Bild: dapd

Binnen weniger Stunden würden die ersten Kommunikationsnetze, das Internet und selbst Teile der Treibstoff-Versorgung versagen. Kurz darauf wird das Trinkwasser knapp. Ohne Strom versagen Kassen und Türen der Supermärkte. Nach dem Ausfall der Notstromaggregate müssten nach wenigen Tagen selbst Krankenhäuser ihren Betrieb einschränken und Industrieunternehmen die Produktion drosseln. Vor allem aber kommt spätestens nach dem Ausfall von Geldautomaten und Bank-Rechenzentren der Wirtschaftskreislauf zum Erliegen. Nach einer Woche, so die Prognose, herrschen Aufruhr und Ausnahmezustand.

In Estland hat man das schon erlebt. Dort brach im April 2007 der sogenannte „Web War One“ aus. So nennen Sicherheitsexperten den ersten politisch motivierten Hackerangriff auf die Internet-Infrastruktur eines Staates: Unzählige automatisierte Anfragen, sogenannte Denial-of-Service-Attacken, zwangen die Internet-Seiten von Ministerien, Medien und Banken des Balten-Staats in die Knie. Binnen kurzer Zeit waren Schulen und Behörden nicht mehr erreichbar. Drei Viertel aller Bank-Transaktionen waren blockiert, Unternehmen konnten keine Löhne mehr zahlen.

Erst als die Esten ihre Server vom Internet trennten, ebbten die Angriffe nach drei bis vier Tagen ab.

Das soll nie wieder passieren. Die Nato betreibt daher in der estnischen Hauptstadt Tallinn das Cooperative Cyber Defence Center, ein Abwehrzentrum gegen digitale Angriffe. Auf deren Arbeit allein aber will sich die Bundeswehr nicht verlassen. Sie baut mittlerweile eine eigene Abwehr auf – unter anderem in einer Kaserne am Rande von Rheinbach, einer Kleinstadt rund 15 Kilometer südwestlich von Bonn.

Von Unterholz überwuchert und mit Laub bedeckt, reihen sich im Rheinbacher Stadtwald Bombenkrater an Bombenkrater. Im Unterholz liegen noch immer die Fundamente der Munitionslager, denen im Zweiten Weltkrieg die Luftangriffe der Alliierten galten. Ein paar Schritte durchs Gehölz nur trennen die Spuren vergangenen Konflikte von dem Ort, an dem sich Soldaten auf die neue Art der Kriegsführung vorbereiten: Mehrfach abgeschottet von der Außenwelt, trainieren in der Tomburg-Kaserne Elektronikexperten der Gruppe Computernetzwerkoperationen den Einsatz von Computern und Software als Waffe – und ihren Schutz gegen elektronische Angriffe aus dem Netz.

"Unternehmen sind sich der Gefahr digitaler Angriffe nicht bewusst“

Doch den Bundesbürgern hilft das im Ernstfall wenig: Die Hacker in Oliv sollen nur die Bundeswehr fit machen gegen die Bedrohung aus dem Netz. Für den Schutz der Zivilisten sind nicht sie zuständig, sondern Innenminister de Maizière.

Doch dessen Einfluss ist begrenzt: Viele ehemals staatliche Infrastrukturbetreiber nämlich sind heute im Besitz ausländischer Investoren. Der schwedische Energieversorger Vattenfall etwa verkaufte sein Stromnetz in Ostdeutschland im März an ein Investorenkonsortium. Reine Finanzinvestoren jedoch „haben ein eingeschränktes Bedürfnis an kostenintensiven Schutzmaßnahmen“, sagt Professor Alexander Huber, Sicherheitsexperte an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin.

Oft fehlt zudem das Wissen. „Viele Verantwortliche in Unternehmen sind sich der Gefahr digitaler Angriffe nicht bewusst“, sagt Ex-BND-Chef Hanning. Die Bundesregierung versucht zwar, die Sicherheitslücken auf freiwilliger Basis durch Gesprächskreise und Empfehlungen zu schließen. Was dabei herauskommt, kann sich jeder denken: „Jeder kann machen, was er will, und es wird auch nicht überprüft, ob die Vorgaben umgesetzt werden“, moniert Sicherheitsexperte Huber.

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Helfen könnte nach Ansicht von Janus-Chef Bühler ein Nationaler Sicherheitsrat, der alle mit dem Schutz vor Cyber-Angriffen beschäftigte Institutionen – Unternehmen, Regierungsstellen, Sicherheitsbehörden und Dienstleister – an einen Tisch holt.

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