Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

Nachbarn rüsten auf

Hoffnungsträger Obama Quelle: laif

Hoffnungsträger Obama

Bild: laif

Andere Staaten gehen zielstrebiger vor: Sie haben den Cyberspace als militärisches Gefechtsfeld definiert und rüsten auf. Am entschiedensten marschieren die USA voran. Präsident Barack Obama ordnete den Aufbau einer neuen Spezialeinheit an und ernannte den Vier-Sterne-General Keith Alexander zum obersten Befehlshaber des neuen US Cyber Command. Die neue Elitetruppe umfasst 30.000 Netzkrieger, die ausschließlich im Web operieren sollen. 

Der britische Verteidigungsminister Nick Harvey plant sogar, abschreckende Online-Erstschlagskapazitäten aufzubauen. Künftig soll das britische Militär Kontrahenten mittels Cyber-Attacken erledigen können. Umgerechnet rund eine Milliarde Euro will Großbritannien in den nächsten Jahren für die Cyberwar-Vorbereitungen ausgeben.

Das reicht nicht aus, um Europa zu schützen: „Es besteht kein permanenter Dialog auf nationaler oder europäischer Ebene zwischen Regierungen, Wirtschaft und Militär“, heißt es in einem Positionspapier von Janus Consulting. Und auch auf EU-Ebene fand erst Anfang November die erste internationale Cyberwar-Übung der europäischen IT-Sicherheitsbehörde Enisa statt. Laut Beobachtern war es eher ein besseres Kennenlernen als ein hochgerüstetes IT-Treffen. Kein Wunder: In manchen EU-Staaten war nicht einmal festgelegt, welche Behörde bei Internet-Angriffen mit den übrigen EU-Partnern zusammenarbeitet.

Die Gefahr, glauben viele Sicherheitsexperten, kommt vor allem aus dem Osten. Der russische Geheimdienst FSB beispielsweise nutzt Hacker lieber für eigene Zwecke, anstatt sie zu bekämpfen. Nikita Kislizin weiß, welchen Schaden sie anrichten können. Er ist Chefredakteur einer russischen Fachzeitschrift für IT-Sicherheit und lernte als Student am Moskauer Institut für IT-Sicherheit das Handwerkszeug der Cyber-Krieger. „Selbst die Abschaltung eines Atomkraftwerks ist technisch kein Problem“, sagt er, „der Auftraggeber muss nur genug Geld lockermachen.“

Eine der gefährlichsten Waffen des FSB ist ein junger Mann, der sich Boris Iwanow nennt. Es braucht Fantasie, sich den leicht übergewichtigen Mittzwanziger als Cyber-Söldner vorzustellen, der Rechenzentren fremder Regierungen lahmlegt und hochbrisante Daten von fremden Geheimdiensten stiehlt. Doch genau das ist sein Job. Wer ihn bezahlt, ist Iwanow egal. „Die Klienten melden sich übers Internet“, sagt er. „Ein paar Wochen später liegt ein Umschlag mit Geld in meinem Briefkasten.“

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Auch China wird zunehmend zur Gefahr in der Cyber-Welt. Westliche Geheimdienste machen das Pekinger Regime für Cyber-Angriffe auf Computernetzwerke in Indien, Taiwan, Deutschland und den USA verantwortlich: Fast täglich dringen Hacker mit oder ohne Regierungsauftrag in die Rechner westlicher Staaten ein, um Geheiminformationen auszuspähen und Hintertüren in die Computernetze einzubauen. IT-Sicherheitsberater schätzen die Zahl der chinesischen Cyber-Krieger inzwischen auf 50.000. Mindestens.

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