Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

Cyberwar: Wikileaks ist erst der Anfang

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Computer-Hacker

von Thomas Kuhn, Matthias Kamp, Florian Willershausen und Jürgen Berke

Die Enthüllungen von Wikileaks zeigen, wie verwundbar Staaten und Unternehmen durch das Internet geworden sind. Dabei ist Datenspionage nur der Anfang. Im Zeitalter digitaler Kriege lassen sich Wasserversorgung, Handynetze und sogar Kraftwerke über das Netz lahmlegen. Deutschland ist erschreckend schlecht geschützt.

So also sieht ein Staatsfeind Nummer eins aus: blond, leicht gerötete Wangen und das Lächeln eines Buben. Der 23-jährige US-Obergefreite Bradley Manning hat gerade die ganze Welt in Aufregung versetzt. Er erleichterte US-Behörden um Abertausende brisante Depeschen, die Botschaften in aller Welt an das State Department in Washington geschickt hatten. Jetzt kann jeder auf der Internet-Seite der Organisation Wikileaks nachlesen, was die USA über Spitzenpolitiker in aller Welt denken.

Der diplomatische Scherbenhaufen ist das Ergebnis eines einzigen virtuellen Anschlags im fernen Irak. Während seines Einsatzes nutzte Manning Sicherheitslücken in einem speziellen, von den Geheimdiensten überwachten Regierungsnetz und zapfte den Datenaustausch zwischen dem Verteidigungs- und dem Außenministerium an. Der begabte Computerexperte kopierte die Daten auf eine CD und schickte sie an Wikileaks.

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Diese CD versetzte nicht nur die internationale Diplomatie in Aufruhr. Sie zeigt zugleich, wie verwundbar das Internet Staaten und Konzerne gemacht hat. Erst vor wenigen Tagen kündigte Wikileaks-Gründer Julian Assange zudem an, die nächsten Enthüllungsgeschichten kämen aus der Bankenwelt. Seither fürchten Wall-Street-Manager, die Informationen könnten ihre Branche erneut ins Chaos stürzen. Alle fragen sich: Wer ist der Nächste? Und vor allem: Wie sicher sind unsere Daten im Netz?

Die schlechte Nachricht: Cyber-Spionage ist nur der Anfang. Mittlerweile zeichnet sich eine noch viel größere Gefahr ab. Denn vernetzte Computer prägen alle Bereiche unseres Alltags. In dieser Welt, in der bald jede Maschine eine Online-Adresse hat, können Sabotagesoftware, Virenangriffe und Mail-Attacken Handynetze, Krankenhäuser und Börsen lahmlegen. Sogar Industrieanlagen und Atomkraftwerke können auf diesem Weg angegriffen werden.

Spätestens hier endet die internationale Online-Kriminalität – und die nächste Stufe der Bedrohung wird real: Cyberwar.

Neue Ära der Kriegsführung

Ein Krieg ohne Bomben und ohne Panzer. Um in einem Unternehmen oder einem ganzen Land Chaos anzurichten, reichen eine Handvoll Hacker, ein paar Computer und der Zugang zum Internet. Auch Terroristen horten längst Wissen darüber, wie sie mit Bits und Bytes größeren Schaden anrichten könnten als mit Bombengürteln.

Im vergangenen Jahr erst gelang es Taliban im Irak, den Datenstrom einer unbemannten Drohne vom Typ Predator anzuzapfen, sie hatten die Datenübertragung via Satellit geknackt. „In der Cyber-Welt zählen Einfallsreichtum und Flexibilität mehr als materielle Überlegenheit“, sagt Bernd Oliver Bühler, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Janus Consulting. „Selbst Individuen sind nun in der Lage, ganzen Staaten erheblichen Schaden zuzufügen.“ Damit beginnt eine neue Ära der Kriegsführung.

Inakzeptabel verwundbar

Vor zwei Wochen hat die Nato die neue Bedrohung in ihre verteidigungspolitischen Leitlinien aufgenommen. „Wir reden hier nicht mehr über Science-Fiction“, sagt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, „die Bedrohung ist real.“ Dabei diagnostiziert das neue strategische Konzept große Lücken in der Cyber-Verteidigung. „Die Verwundbarkeit ist inakzeptabel und zunehmend gefährlich.“

Auch für Deutschland. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sieht vor allem Kommunikationsnetze gefährdet. „Heutzutage kann ein USB-Stick ganze Börsen zusammenbrechen lassen“, urteilt er. Trotz solcher Bedrohungen stecke die Vorbereitung auf den Cyberwar in Deutschland „bestenfalls in den Kinderschuhen“.

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