Das Phänomen Snapchat: Warum der Hype bald vorbei sein könnte

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Das Phänomen Snapchat: Warum der Hype bald vorbei sein könnte

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Haben Sie Snapchat verstanden?

von Lisa Oenning

Der Hype um Snapchat ist groß – zumindest unter Jugendlichen. Doch die ältere Generation kann mit dem Bilderdienst wenig anfangen. Das kann für Snapchat auf lange Sicht zu einem existenziellen Problem werden.

Für ein Foto braucht es nur wenige Klicks. Ein Klick auf den weißen Geist: Das Profil öffnet sich, die Smartphone-Kamera ist automatisch aktiviert. Ein weiterer Klick auf einen runden Button in der Menüleiste: Das Smartphone schießt das Foto. Noch ein Klick: Der Nutzer bestimmt, wie lange das Bild sichtbar ist. Der finale Klick: Die Aufnahme erscheint in der eigenen Live Story, in der Freunde und Bekannte das Bild solange sehen, bis es sich selbst auflöst.

Dass es scheinbar nach spätestens 24 Stunden keinerlei Beweise mehr für das Foto gibt, macht die App mit dem weißen Geist vor allem für die junge Generation attraktiv: Denn vorbei sind die Zeiten, in denen sie bei Instagram und Facebook nach dem optimalen Selbstportrait lechzen. Der Druck, das perfekte Selfie zu posten, fällt bei Snapchat weg.

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Deshalb nutzen vor allem in den USA immer mehr Jugendliche den Bilderdienst, für den das Geschäft mit der vermeintlichen Vergänglichkeit zum Erfolgsmodell geworden ist. Laut der amerikanischen Investmentbank Piper Jaffray hat Snapchat den Bilderriesen Instagram mittlerweile als das beliebteste soziale Netzwerk unter Jugendlichen in den Vereinigten Staaten abgelöst.

Nutzerzahlen der bekanntesten sozialen Medien

  • Xing

    10 Millionen aktive Nutzer hat das Karriereportal Xing monatlich.

    Quelle: We are social, Unternehmensangaben

  • LinkedIn

    LinkedIn hat deutlich mehr aktive User: 100 Millionen Menschen nutzen das Karriereportal im Monat.

  • Pinterest

    Auch das soziale Bildernetzwerk Pinterest kommt auf 100 Millionen registrierte, aktive Nutzer.

  • Snapchat

    Noch weit vor Pinterest, LinkedIn und Xing liegt Snapchat, der kostenlose Instant-Messaging-Dienst zur Verbreitung von Bildern und Videos. 200 Millionen Menschen nutzen Snapchat im Monat.

  • Twitter

    Den Nachrichtendienst Twitter nutzen jeden Monat 320 Millionen Menschen.

  • Instagram

    Der Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos - Instagram - registriert 400 Millionen aktive Nutzer im Monat.

  • WhatsApp

    Der erfolgreichste Instant-Messaging Dienst ist WhatsApp mit 1000 Millionen Nutzern pro Monat.

  • Facebook

    Das soziale Netzwerk Facebook kann jedoch keiner der anderen sozialen Netzwerke toppen: 1600 Millionen User nutzen das Portal jeden Monat aktiv.

Und auch in Deutschland tauschen sich immer mehr Jugendliche über die Foto-Schnipsel-App aus. Für ihren Youth Insight Panel hat die Bauer Media Group fast 700 Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren zu ihrer Social-Media-Nutzung befragt und kommt zu dem Ergebnis: Snapchat ist bei dieser Zielgruppe mittlerweile beliebter als Facebook. Während im vergangenen Jahr noch 17 Prozent der Mädchen und Jungen angaben, den Foto-Dienst zu nutzen, sind es heute 35 Prozent. Auf Facebook sind laut Umfrage 32 Prozent der Jugendlichen aktiv.

Trotz Erfolgskurs gibt sich Snapchat in der Öffentlichkeit zurückhaltend, veröffentlicht nur selten Nutzerzahlen. Zuletzt im Mai 2015, als die Plattform 100 Millionen User hatte. Branchenexperten wie der deutsche Geschäftsführer des US-Marktforschungsunternehmens IDC, Wafa Moussavi-Amin, sind sich sicher, dass sich die Zahl seitdem verdoppelt haben muss – und sich das Wachstum auch in Deutschland bemerkbar macht. Er schätzt, dass mittlerweile zwei bis drei Millionen Deutsche regelmäßig Snaps verschicken.

Für 2016 rechnet Moussavi-Amin mit einem kräftigen Wachstum hierzulande. Der Messenger habe großes Potenzial, zu einem der führenden sozialen Netzwerke weltweit heranzuwachsen. "Snapchat hat sich eine Berechtigung auf dem Markt erarbeitet, indem der Dienst seinen Usern einen geschützten und exklusiven Raum bietet", sagt der Branchen-Kenner.

Exklusiv deshalb, weil die jungen Nutzer dort noch weitestgehend unter sich sind: Laut GlobalWebIndex war Mitte des vergangenen Jahres mehr als jeder zweite Nutzer zwischen 16 und 24 Jahre alt. Nur 15 Prozent der Befragten waren älter als 35 Jahre.

Auch wenn Snapchat noch deutlich weniger Nutzer als Facebook hat, werden in der App mittlerweile fast genauso viele Videos täglich angeschaut wie auf der Plattform von Mark Zuckerberg. Bei Facebook werden die Clips automatisch abgespielt – bei Snapchat muss der User sie gezielt anklicken. "Snapchat ist schon längst keine Kinder-Plattform mehr", sagt Social-Media-Experte Philipp Steuer, der das Buch "Der ultimative Snapchat-Guide" veröffentlicht hat. Selbst US-Präsident Barack Obama und Politiker des Europa-Parlaments setzen regelmäßig Snaps ab, um ihre Anhänger auf dem Laufenden zu halten. Hillary Clinton und Bernie Sanders nutzen den Dienst im US-Wahlkampf.

Uber, Snapchat und Co. Die heißesten Börsen-Anwärter des Silicon Valley

Mit Uber und Snapchat könnten 2016 zwei weltbekannte Start-ups in den USA an die Börse gehen. Weil Risikokapitalgeber langsam Profite sehen wollen, dürften noch weitere Start-ups auf Anleger warten.

Quelle: dpa/Montage

Und die Gründer legen sich ins Zeug, um noch mehr User auf die Plattform zu locken: Die Nutzer können mittlerweile längere Videos hochladen und Nachrichten verschicken. Das Unternehmen arbeitet bewusst mit großen Medienpartnern wie CNN, Vice oder Buzzfeed zusammen, die extra für die Plattform eigene Inhalte mit Unterhaltungscharakter erstellen. Die User länger sollen so länger in der Anwendung gehalten und neue Nutzer angelockt werden.

Obwohl der amerikanische Instant-Messaging-Dienst erst ein halbes Jahrzehnt alt ist, ist er mit einer Bewertung von 16 Milliarden Dollar eines der am höchsten gehandelten Start-ups der Welt. Zum Unmut von Konkurrent Facebook, der das Potenzial von Snapchat schon kurz nach der Gründung erkannte und bei einem Übernahmeversuch im Jahr 2013 scheiterte. "Der Übernahmeversuch von Facebook hat gezeigt, dass Snapchat Trends setzt und ein ernstzunehmender Konkurrent für andere soziale Medien ist", sagt Steuer.

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