
Ob es sich bei den Hackern, die die Daten von Millionen Playstation-Nutzern rund um die Welt um Kriminelle handelt, die die Daten für Spam oder zum Kreditkartenbetrug nutzen wollen, ist noch nicht klar. Einige spekulieren, es könnte eine weitere „Lektion“ sein, die Hacker Sony erteilen wollen – denn bei vielen technisch versierten Mitglieder der Hacker-Community hat sich Sony Feinde gemacht.
Die Feindschaft rührt aus einer folgenreichen Entscheidung des Konzerns: Die Playstation 3 war einst ein beliebtes Spielzeug unter Linux-Nutzern, da das Open-Source-Betriebssystem auf der Hardware der Spielekonsole lauffähig ist. Ursprünglich sah Sony diese Möglichkeit sogar ausdrücklich vor: Ein Eintrag im Menü der ersten Versionen der Playstation 3 lautete „Anderes Betriebssystem installieren“.
So entstand rund um die Playstation 3 eine aktive Szene von nichtkommerziellen Hobby-Spieleprogrammierern, die speziell für den in der Playstation 3 verbauten Cell-Prozessor programmierten. Der heute 21-jährige amerikanische Hacker George Hotz, besser bekannt unter seinem Pseudonym geohot, veröffentlichte ein Programm, mit dessen Hilfe auch die Hardware-Beschränkungen von Sony umgangen werden konnten. So konnten auch Hobby-Spieleprogrammierer die Grafikbeschleunigung der Playstation 3 nutzen. Sony hatte den Hardware-Zugriff der Spielekonsole unter Linux künstlich eingeschränkt, um keine Konkurrenz zu offiziell von Sony lizenzierten Spielen aufkommen zu lassen.
Mit der Veröffentlichung der Playstation 3 slim im September 2009 – einer aktualisierten dünneren Variante der Sony-Konsole – schaffte Sony die Möglichkeit, ein alternatives Betriebssystem zu installieren, kurzerhand ab. Per Firmware-Update wurde diese nachträgliche Funktionseinschränkung auch auf alten Playstation-3-Konsolen umgesetzt. Wer das Firmware-Update nicht einspielte, erlitt erhebliche Funktionseinbußen: Es können keine neuen Spiele mehr installiert werden und auch die Möglichkeit, Spiele online zu spielen, wird den Kunden genommen. In den USA gibt es daher eine Reihe von Verfahren gegen Sony, die von Verbraucherschützern angestrengt wurden.
Gegen die Szene der Hobbyspiele-Programmierer führte Sony unterdessen schwere juristische Geschütze ins Feld. Den jungen US-Hacker Hotz verklagte Sony wegen Verstoßes gegen den Digital Millenium Copyright Act, der in den USA die Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen unter Strafe stellt. Denn mit dem Programm des jungen Hackers ließen sich nicht nur sogenannte Homebrew-Spiele ausführen, sondern auch illegal kopierte Spiele. Im Rahmen der Ermittlungen gegen Hotz bekam Sony auch Zugriff auf umfangreiche Daten des Hackers – so beispielsweise auf die IP-Adressen der Besucher seiner Website.
Auch gegen Playstation-3-Blogger, die Links zu Dateien veröffentlichten, mit dessen Hilfe sich die Sony-Maßnahmen umgehen ließen, ging Sony mit Anwälten vor. Das Blog PS3Crunch veröffentlichte im Februar eine entsprechendes anwaltliches Schreiben im Auftrag von Sony.
Mit dem Hacker Hotz einigte sich der Konzern außergerichtlich. Er musste versprechen, die Knack-Software nicht mehr zu vertreiben und schrieb daraufhin in einem Blog, er schließe sich einem Boykott von Sony-Produkten an.
Große Teile der technisch versierten Szene der Hacker und Hobby-Programmierer fassten das Vorgehen von Sony als Kriegserklärung auf - so wie die Gruppe Anonymous. Sie ist vor allem für das Lahmlegen der Websites von Visa und Mastercard bekannt, nachdem beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit mit der Enthüllungswebsite Wikileaks aufgekündigt hatten. Doch auch Sony nahmen die überwiegend Jugendlichen Aktivisten ins Visier. Um Strafanzeigen gegen Hacker zu rächen, griff Anonymous das Playstation Network (PSN), von dem nun Millionen Kundendaten entwendet wurden, mit Denial-of-Service-Attacken an. Eine Flut sinnloser Abfragen von einem Netzwerk aus Rechnern legte das Spiele-Netzwerk des Konzerns Anfang April vorübergehend lahm.
Die genauen Umstände des nun bekannt gewordenen Datendiebstahls sind noch unklar. Zwar gebe es keine Hinweise, dass auch Kreditkartendaten gestohlen worden seien, so der Sony. Dies sei aber nicht auszuschließen. Sollte das Ziel gewesen sein, dem Unternehmen mit dem Angriff zu schaden, ist es erreicht worden: Viele Kunden äußerten ihre Wut im Internet. Kritisiert wurde unter anderem, dass die Aktion nicht sofort publik gemacht wurde. In einem bekannten Blog der Gruppe bestritt Anonymous eine Beteiligung. Sie ist auch nicht besonders wahrscheinlich: Bei der losen Gruppierung handelt es sich überwiegend um Jugendliche, die mit einfachen Methoden und durch schiere Masse Websites lahmlegen - nicht um versierte Cyberkriminelle.














