Datenpanne: GAU für Wikileaks

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Wikileaks-Gründer Julian Assange

Mit spektakulären Enthüllungen konnte Wikileaks schon seit Monaten nicht mehr glänzen. Jetzt ist die Plattform für Geheimnisverräter selbst zum Opfer von zuviel Transparenz geworden: höchst sensible Daten über Informanten aus mehr als 250.000 Diplomaten-Depeschen des US-Außenministeriums sind frei im Netz verfügbar. Das Vertrauen in die umstrittene Plattform ist damit völlig zerstört.

Wer geheime Interna preisgeben will, hat mittlerweile zwei prominente Möglichkeiten, dies zu tun: Wikileaks und den deutschen Konkurrenten Openleaks. Zumindest ist das theoretisch so. In der Praxis muss sich der gemeine Whistleblower, also der Ausplauderer von Geheimnissen, wie früher auch schon direkt an die Medien wenden.

Auf Wikileaks wird auf technische Umbauarbeiten der Seite verwiesen. Man wolle die Seite „sicherer und nutzerfreundlicher gestalten“, heißt es dort seit bald einem Jahr. Doch seitdem gegen den Gründer des Enthüllungsportals Julian Assange wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wird, kommt der „Umbau“ nicht voran.

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Mit verantwortlich dafür ist auch der deutsche Wikileaks-Aussteiger und vom engen Partner zum Assange-Gegner gewandelte Daniel Domscheit-Berg. Denn nach seinem Zerwürfnis fehlen Know How und wesentliche Teile der Plattform. Auch beim deutschen Pendant Openleaks, das Domscheit-Berg zusammen mit einem ehemaligen Programmierer Anfang des Jahres gegründet hat, läuft es nicht rund. Obwohl Mitte August die Testphase startete, ist dort von einem „Abschicken“-Knopf nichts zu sehen. Am Telefon erfährt der interessierte Verräter, er möge auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen, um dann direkt die automatische Ansage zu bekommen, dieser sei derzeit überfüllt.  

250.000 geheime Akten frei zugänglich

Ob aber überhaupt noch das Interesse besteht, auf diesem Weg Geheimnisse auszuplaudern, das ist nach den Geschehnissen der vergangenen Tage fraglich. Mehr als 250.000 geheime Akten des US-Außenministeriums, die Wikileaks bereits im vergangen Jahr als verschlüsselte Version an ausgesuchte Medien, wie den britischen Guardian, die New York Times und den Spiegel geleitet hatte, sind derzeit unverschlüsselt und für jedermann frei zugänglich im Netz – inklusiver aller Namen und sensiblen Daten über Informanten.

Die New York Times spricht von mehr als 100 Personen, die sich deshalb in höchster Gefahr befinden. In einer Stellungnahme gab Wikileaks am Donnerstagmorgen zu, dass die im Archiv gespeicherten Daten, mehr als eine Viertel Million Dokumente, auf den eigenen Servern nicht mehr sicher seien. Namen und geheime Daten über Informanten seien öffentlich. Bereits in der vergangen Woche mutmaßten mehrere Medien, dass Dokumente von Wikileaks-Servern frei für jedermann im Netz verfügbar seien.

In der Stellungnahme beschuldigte Wikileaks den britischen „Guardian“-Journalisten David Leigh für die Datenpanne. Denn der habe in seinem im Februar veröffentlichten Buch das Passwort zur Entschlüsselung der Datensätze veröffentlicht – unwissend, dass es das richtige Passwort sei, wie der wiederum beteuerte.

Der Hintergrund ist folgender: David Leigh bekam im vergangen Jahr während eines Interviews mit Julian Assange, als der noch auf freiem Fuß war, als erster Journalist den Datensatz mit den geheimen US-Dokumenten zugespielt. Das waren die gleichen Dateien, die derzeit mitsamt Namen und sensiblen Daten von Informanten im Netz kursieren. Zu dem Zeitpunkt waren die Diplomaten-Depeschen allerdings noch verschlüsselt, geheime Informationen geschwärzt.

Gleichzeitig soll Assange ihm während des Interviews das Passwort zur Entschlüsselung gegeben haben, allerdings mit dem Hinweis, so Leigh, dass dies nur temporär sei. Leigh veröffentlichte daher im Februar sein Buch "Inside Julian Assange's War on Secrecy" mit dem Passwort, nicht ahnend, dass es noch gültig ist. „Uns wurde gesagt, dass es ein zeitlich begrenztes Passwort sei, das verfallen und binnen Stunden gelöscht werde“, heißt es beim „Guardian“.

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