Datenschutz: Aufstand der Städte gegen Google Street-View - Seite 2

Datenschutz: Aufstand der Städte gegen Google Street-View

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Im Fall Google ist die Ausgangslage dagegen komplizierter. Zwar fahren die Autos durch die Städte, womit der Ortswechsel gegeben ist. Anderseits verfolgen sie mit den Bildaufnahmen zweifelsfrei einen Zweck, der nichts mehr mit der üblichen Nutzung von Straßen gemein hat. „Sie können für beide Sichtweisen gute Argumente finden“, sagt Rechtsexperte Bätge.

Bevor sich allerdings Gerichte mit dieser Frage beschäftigen werden, müssen die Städte Google erst einmal nachweisen, dass seine Autos ihre Straßenzüge fotografiert haben – und zwar nach Erlassen der jeweiligen Sondernutzungssatzung. Rückwirkend ist das Erheben von Gebühren nämlich nicht möglich.

Ratingen wartet auf Antwort von Google

Die Chancen, die Gebühren einzutreiben, werden in den Rathäusern, eher schlecht bewertet. In Bonn, einer der 20 Städte, in denen Google seinen Dienst starten will, hat man das Geld bereits abgeschrieben. „Als der Rat die Sondernutzungssatzung verabschiedet hat, war Google mit dem Fotografieren der Straßen bereits fertig“, sagt eine Sprecherin. „Die Regel kommt erst bei künftigen Projekten zur Anwendung.“

In der Verwaltung von Ratingen dagegen rätselt man noch, ob und wann die Google-Fahrzeuge in der Stadt unterwegs waren. Zwar wurde ein Auto mit den markanten Kameraaufbauten gesichtet, doch könnte sich dieses nur auf der Durchfahrt befunden haben. „Wir haben Google einen Anhörungsbogen geschickt, doch darauf haben die gar nicht erst reagiert“, sagt der Datenschutzbeauftragte der Stadt, Peter Wacker.

Den Städten sind die Hände gebunden, denn von sich aus wird Google wohl kaum eine Sondernutzung beantragen und einen Bußgeldbescheid können sie erst rausschicken, wenn zweifelsfrei bewiesen ist, dass sich der US-Konzern tatsächlich über die Sondernutzungssatzung hinweggesetzt hat.

Hilfe beim Widerspruch

Doch tatenlos zusehen wollen die Vertreter der Kommunen nicht, und so unterstützen viele Verwaltungen ihrer Bürger dabei, Widerspruch gegen die Veröffentlichung ihrer Häuser im Internet einzulegen.

In Bonn und Herne zum Beispiel stellt die Stadt ihren Bürgern Musterbriefe zur Verfügung, mit denen sie verlangen können, dass Ihr Haus in Google Street-View unkenntlich gemacht wird. Ratingen bietet seinen Bürgern sogar an, die Widersprüche zu sammeln und gebündelt an Google zu schicken. Ähnliche Angebote gibt es in Wuppertal und Lippstadt, wo schon mehr als 100 Bürger der Veröffentlichung von Aufnahmen ihrer Häuser widersprochen haben.

Auch im niedersächsischen Stade und in dem Örtchen Molfsee in Schleswig-Holstein, wo man ebenfalls überlegt hatte, Google für die Durchfahrt abzukassieren, rufen die Verantwortlichen ihre Bürger auf, Widerspruch einzulegen. „Das ist zurzeit leider die einzige Möglichkeit, sich zu wehren", sagt Molfsees stellvertretender Bürgermeister Reinhold Harwart.

Wer verhindern will, dass Fotos seines Hauses bei Google Street-View veröffentlich werden, kann seinen Widerspruch unter Angabe der genauen Adresse schriftlich an Google Germany, ABC-Straße 19, 20354 Hamburg, schicken. Auch per E-Mail an die Adresse streetview-deutschland@google.com ist ein Widerspruch möglich. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz bietet auf seiner Homepage Musterwidersprüche zum Herunterladen an. Ab der kommenden Woche will Google zusätzlich unter www.google.de/streetview einen Stadtplan-Dienst ins Internet stellen, in dem Betroffene ihre Adressen markieren und die Löschung der Fotos beantragen können. Die Frist für den Widerspruch beginnt ebenfalls ab der kommenden Woche und läuft für vier Wochen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.08.2010, 19:03 UhrAnonymer Benutzer: nutella

    Wer mit meinen Haus Geld machen will, soll gefälligst vorher fragen (Opt-in) und muß u. U. zahlen. So auch für meine Persönlichkeitsdaten. Darauf achtet jeder billig-ViP. Von echten Promis gar nicht zu reden. Denn was an Daten im Netz kursiert, wird ausgewertet und vermarktet. Ein Dossier unserer Firma kostet im internet bei Anbietern 2-stellige beträge. Da steht alles drin, was irgendwie irgendwann publik wurde. Aus Homepage, bilanzen, Newslettern, PR-Mitteilungen, Vorträge, Reden und und und. Auch was längst nicht mehr stimmt, da sich nicht alles Überholte im Netz restlos entfernen lässt.

    Es ist keine Lösung, dass Herr Eric Schmidt (einer der Google Chefs) vor Kurzem meinte, bald sollten "Netzwerker" sich alle paar Jahre eine neue identität zulegen. ich will meinen ein Leben lang behalten.

    Google speichert alle Suchanfragen bis zu 1,5 Jahre und füttert damit Algorithmen, die die Masse der Nutzer nie versteht.
    So werden nicht nur die Mauern meines Hauses durchsichtig, sondern Google liest meinem Kopf aus wie ein buch und weiß am Ende mehr über mich, als ich selbst. Wenn Google all die gesammelten Daten verknüpft und vernetzt, dann hat die Firma nicht nur ein relativ scharfes Profil; sie kann mit hoher Sicherheit auch relevante Aussagen über mein vergangenes und künftiges Verhalten machen. Und dieses an jeden interessierten bis hin zum Staat und Staatsanwalt verkaufen. Das sind Aussichten, die weit mehr beunruhigen als die Frage, ob ein internetnutzer sich demnächst Häuser im internet anschauen darf. Streetview allein ist nicht das Problem. Aber Streetview ist ein baustein im großen Datenkrakennetz von Google. Deshalb bin ich gegen alles was Google und Facebook machen. Weil die Transparenz fehlt und anstatt im Einzelfall mühsam erkämpfter "Opt- out" - Verfahren
    endlich gesetzlich vorgeschriebene "Opt-in Verfahren" erfolgen und nachgewiesen werden müssen. Das gilt ja schon seit 2009 für andere Werbeformen.

  • 21.08.2010, 18:17 UhrAnonymer Benutzer: pedro

    Unsere Sparkassen und Hausbanken sammeln TAUSEND mal mehr Daten von uns ein und nützen diese dann GNADENLOS gegen uns aus. Keiner regt sich auf, wie dumm kann man nur SEiN.

  • 17.08.2010, 13:24 UhrAnonymer Benutzer: Ben

    Typisch deutsch. Geht hier eigentlich überhaupt noch etwas, ohne das wieder überall „Angst“ herrscht? bedenkenträger und Fortschritsverhinderer versuchen den dummen Rest der bevölkerung davon zu überzeugen, dass mit Street View Einbrecher das Haus ausspionieren könnten oder andere schlimme Dinge passieren. Doch zur Urlaubsplanung wird das Google Angebot selbstverständlich genutzt, um sich schon mal die Umgebung des Hotels anzusehen. Und die Rolle der deutschen Presse, die das Ganze anfeuert, ist auch durchsichtig. Google ist schließlich ein wichtiger Konkurrent für die Anzeigenkunden, den es zu bekämpfen gilt.

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