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Datenschutz: Aufstand der Städte gegen Google Street-View

von Andreas Niesmann

Googles Kartendienst Street-View hat in Deutschland viele Kritiker. In der ersten Reihe der Gegner kämpfen die Kommunen. Sie wollen Google für das Benutzen ihrer Straßen zur Kasse bitten und organisieren den Widerstand ihrer Bürger.

Für das Projekt "Street View" Quelle: dpa
Für das Projekt "Street View" fotografiert ein Wagen von Google in Saarbrücken Quelle: dpa

Noch geben sie den Kampf nicht verloren. Nach der Ankündigung des Internetriesen Google, bis Jahresende in 20 deutschen Großstädten den umstrittenen Kartendienst Street-View zu starten, müssen die Gegner zwar erkennen, dass sich das Projekt in Gänze kaum noch aufhalten lässt. Doch abfinden wollen sie sich damit nicht.

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Der Widerstand ist massiv: Die Front der Kritiker reicht von Datenschützern über die Bundesregierung bis hin zu den Kommunen. In Nordrhein-Westfalen hat sich inzwischen ein ganzes Netzwerk an Städten gebildet, die Google einen Strich durch die Rechnung machen wollen. Oder für die Nutzung der Straßenbilder wenigstens Geld verlangen.

Städte wollen Google zur Kasse bitten

Die Städte wollen dazu Google per Sondernutzungssatzung für das Befahren der kommunalen Straßen zur Kasse zu bitten. Den rechtlichen Rahmen dafür bildete eine Bestimmung im Straßen- und Wegegesetz Nordrhein-Westfalens, wonach Kommunen Sondernutzungsgebühren für Straßen erheben dürfen, wenn diese anders als vom gewöhnlichen Verkehr benutzt werden. In anderen Bundesländern gibt es vergleichbare Regelungen.

Ausgetüftelt hatte den Plan die Verwaltung von Ratingen nahe Düsseldorf. Schon im Dezember kündigte die Gemeinde an, von dem US-Konzern für jeden fotografierten Kilometer Straße eine Gebühr in Höhe von 20 Euro zu fordern. Macht bei knapp 300 Straßenkilometern im Stadtgebiet etwa 6000 Euro für den Stadtsäckel.

Das Ratinger Beispiel machte schnell Schule: Städte wie Bonn oder Herne zogen nach und verabschiedeten eigene Sondernutzungssatzungen. In Bergisch-Gladbach ging der Rat der Stadt sogar deutlich über die Empfehlung der Verwaltung hinaus und legte einen Preis von 100 Euro pro Kilometer fest.

Rechtslage ist unklar

Bezahlen will Google aber nicht. „Die Street-View Fahrzeuge nehmen bei den Aufnahmen wie alle anderen Verkehrsteilnehmer am Straßenverkehr teil, ohne diesen zu behindern“, heißt es aus der Konzernzentrale. „Die Fahrten sind daher straßenrechtlicher Gemeingebrauch und keine Sondernutzung.“

So klar wie sich das Google-Statement liest, stellt sich die rechtliche Lage allerdings keineswegs dar. „Es ist strittig, ob das Fotografieren von ganzen Straßenzügen aus Autos eine Sondernutzung ist oder unter den Gemeingebrauch fällt“, sagt der Kommunalrechtsprofessor Frank Bätge von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Köln. „Bislang gibt es dazu kein Gerichtsurteil.“

Entscheidend ist die Frage, ob das Fotografieren aus den Google-Fahrzeugen noch unter den Allgemeingebrauch von Straßen fällt, wie ihn das Bundesverwaltungsgericht definiert hat. „Üblicherweise ist der Allgemeingebrauch einer Straße immer mit einem Ortswechsel von A nach B verbunden“, sagt Experte Bätge. Bei am Straßenrand abgestellten Werbeanhängern seien sich die Gerichte daher einig, dass eine Sondernutzung vorliege und die Kommunen kassieren dürften.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.08.2010, 19:03 UhrAnonymer Benutzer: nutella

    Wer mit meinen Haus Geld machen will, soll gefälligst vorher fragen (Opt-in) und muß u. U. zahlen. So auch für meine Persönlichkeitsdaten. Darauf achtet jeder billig-ViP. Von echten Promis gar nicht zu reden. Denn was an Daten im Netz kursiert, wird ausgewertet und vermarktet. Ein Dossier unserer Firma kostet im internet bei Anbietern 2-stellige beträge. Da steht alles drin, was irgendwie irgendwann publik wurde. Aus Homepage, bilanzen, Newslettern, PR-Mitteilungen, Vorträge, Reden und und und. Auch was längst nicht mehr stimmt, da sich nicht alles Überholte im Netz restlos entfernen lässt.

    Es ist keine Lösung, dass Herr Eric Schmidt (einer der Google Chefs) vor Kurzem meinte, bald sollten "Netzwerker" sich alle paar Jahre eine neue identität zulegen. ich will meinen ein Leben lang behalten.

    Google speichert alle Suchanfragen bis zu 1,5 Jahre und füttert damit Algorithmen, die die Masse der Nutzer nie versteht.
    So werden nicht nur die Mauern meines Hauses durchsichtig, sondern Google liest meinem Kopf aus wie ein buch und weiß am Ende mehr über mich, als ich selbst. Wenn Google all die gesammelten Daten verknüpft und vernetzt, dann hat die Firma nicht nur ein relativ scharfes Profil; sie kann mit hoher Sicherheit auch relevante Aussagen über mein vergangenes und künftiges Verhalten machen. Und dieses an jeden interessierten bis hin zum Staat und Staatsanwalt verkaufen. Das sind Aussichten, die weit mehr beunruhigen als die Frage, ob ein internetnutzer sich demnächst Häuser im internet anschauen darf. Streetview allein ist nicht das Problem. Aber Streetview ist ein baustein im großen Datenkrakennetz von Google. Deshalb bin ich gegen alles was Google und Facebook machen. Weil die Transparenz fehlt und anstatt im Einzelfall mühsam erkämpfter "Opt- out" - Verfahren
    endlich gesetzlich vorgeschriebene "Opt-in Verfahren" erfolgen und nachgewiesen werden müssen. Das gilt ja schon seit 2009 für andere Werbeformen.

  • 21.08.2010, 18:17 UhrAnonymer Benutzer: pedro

    Unsere Sparkassen und Hausbanken sammeln TAUSEND mal mehr Daten von uns ein und nützen diese dann GNADENLOS gegen uns aus. Keiner regt sich auf, wie dumm kann man nur SEiN.

  • 17.08.2010, 13:24 UhrAnonymer Benutzer: Ben

    Typisch deutsch. Geht hier eigentlich überhaupt noch etwas, ohne das wieder überall „Angst“ herrscht? bedenkenträger und Fortschritsverhinderer versuchen den dummen Rest der bevölkerung davon zu überzeugen, dass mit Street View Einbrecher das Haus ausspionieren könnten oder andere schlimme Dinge passieren. Doch zur Urlaubsplanung wird das Google Angebot selbstverständlich genutzt, um sich schon mal die Umgebung des Hotels anzusehen. Und die Rolle der deutschen Presse, die das Ganze anfeuert, ist auch durchsichtig. Google ist schließlich ein wichtiger Konkurrent für die Anzeigenkunden, den es zu bekämpfen gilt.

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