Datenschutz: "Google nimmt Datenschutz extrem ernst"

Datenschutz: "Google nimmt Datenschutz extrem ernst"

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Peter Fleischer ist seit 2006 Googles globaler Datenschutz-Beauftragter. Bevor Fleischer, der in Harvard und München Jura studiert hat, zu Google wechselte, war er in Microsofts Europazentrale für Datenschutz- und Regulierungsfragen verantwortlich.

WirtschaftsWoche-Redakteur Thomas Kuhn im Interview mit Peter Fleischer, dem Datenschutzbeauftragten des Suchmaschinenbetreibers Google.

WirtschaftsWoche: Herr Fleischer, Tag für Tag nutzen Millionen von Menschen Googles Suchmaschine, um im Web Informationen zu finden. Jede dieser Suchabfragen speichert Google. Und nicht nur die: Ob ein Nutzer Googles E-Mail-Dienst nutzt oder Ihren Online-Kalender, mit Google Talk Internet-Tele­gramme verschickt oder bei Google Financials seine Depots verwaltet – immer dokumentiert Ihr Unternehmen, wer wann was getan, gesucht oder gespeichert hat. Können Sie nachvollziehen, dass mit jeder neuen Anwendung, die Google startet, bei vielen Menschen die Besorgnis wächst, was Ihr Unternehmen mit all den Daten eigentlich anstellt?

Fleischer: Google nimmt Datenschutz, die Sicherheit der bei uns erfassten Daten und die Privatsphäre unserer Nutzer extrem ernst und wir sind uns natürlich bewusst, dass auch unsere Nutzer besonderen Wert darauf legen. Gerade deshalb erläutern wir unsere Datenschutzrichtlinien sehr transparent, damit die Menschen verstehen, was genau wir tun und  warum wir das tun.  Eines unserer bekanntesten Kernprinzipien, auf denen unser Geschäft beruht, ist vermutlich, dass wir fest daran glauben, „Du kannst Geld verdienen, ohne dabei Schlechtes zu tun". Diese Überzeugung ist Grundlage all unseres Handelns.

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Ihre Konzernprinzipien in Ehren, aber Kritiker wie der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexan der Dix monieren, Ihre Versicherungen, nichts Schlechtes zu tun, seien „wachsweich" und es fehle an „einer unabhängigen Kontrollinstanz", die ihre Einhaltung auch überwacht.

Das stimmt nicht, denn natürlich halten wir uns an Recht und Gesetz. Und natürlich sind unsere Nutzer die Instanz, deren Vertrauen für uns unverzichtbar ist.  Wir richten uns selbstverständlich nach den rechtlichen Vorgaben der Staaten, in denen wir aktiv sind – einschließlich den hohen Standards der Europäischen Union – auch wenn unsere Produkte von der Google, Inc. angeboten werden und unsere Regeln zum Schutz der Privatsphäre alle Vorgaben des US-Gesetzgebers erfüllen. So sind unsere Datenschutzbestimmungen nach dem so genannten Safe Harbour Agreement des US-Wirtschaftsministeriums zertifiziert, das mit Vorgaben der EU vergleichbar ist und sie entsprechen damit europäischem Recht.

Die europäischen Datenschutzbeauftragten sehen das allerdings etwas anders. Im April dieses Jahres haben sie in einer gemeinsamen Stellungnahme darauf hingewiesen, dass Nutzerdaten bei Suchmaschinen spätestens nach sechs Monaten gelöscht werden müssen, in einigen europäischen Staaten sogar noch schneller. Warum halten Sie sich nicht an diese Vorgabe.

Gerade erst im September haben wir angekündigt, die IP-Adressen der Rechner, von denen unsere Dienste aufgerufen werden, bereits nach neun Monaten zu anonymisieren – und nicht mehr, wie zuvor erst nach 18 Monaten. Damit setzen wir erneut klar den Standard und sind Vorreiter unserer Branche.

Aber die 6-Monats-Frist halten Sie trotzdem nicht ein.

Zurzeit liegt das richtige Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Privatsphäre einerseits und anderen Faktoren wie zum Beispiel Innovation und Sicherheit auf der anderen Seite unserer Meinung nach bei 9 Monaten. 

Nach Auffassung zahlreicher Datenschützer sind auch die IP-Adressen der Nutzer „personenbezogene Daten".

Das sehen wir in der Tat differenzierter. Eine IP-Adresse ist zunächst einmal nicht mehr und nicht weniger als die numerische Adresse eines einzelnen Rechners im Internet. Welche Person diesen Rechner gerade nutzt, verraten sie nicht. Zudem weisen viele Internetanbieter dynamische IP-Adressen zu, die sich laufend ändern. Damit verbirgt sich an zwei unterschiedlichen Tagen, manchmal auch mit nur wenigen Minuten Abstand, hinter einer IP-Adresse jedes Mal ein anderer Rechner. Eine Schwarz-Weiß-Aussage, dass alle IP-Adressen personenbezogene Daten sind, halten wir insofern für nicht nachvollziehbar. Ohne weitergehende Informationen – wie zum Beispiel Name, Adresse, Bankverbindung – über den Nutzer sollten sie jedenfalls nicht als personenbezogene Daten eingestuft werden.

Aber genau diese Informationen besitzt Google ja: Beim Bezahldienst Checkout etwa muss der Nutzer seine Bankverbindung hinterlegen, damit die Einkäufe abgerechnet werden können. Und auch wer zusätzlichen Speicherplatz für seine elektronische Post benötigt, kann den bei Google Mail kaufen. Wenn das keine personenbezogenen Daten sind, was dann?

Wie gesagt, ob IP-Adressen personenbezogen sind oder nicht, muss differenziert betrachtet werden, genau das sagen wir ja immer. Bei der Google Websuche, die wir in über hundert Ländern mit Abermillionen von Nutzern anbieten, fallen keine personenbezogenen Daten an. Die Nutzungsinformationen aus allen unseren Diensten halten wir strikt getrennt voneinander und führen sie eben nicht zusammen, wie das mancher befürchtet. Auch nicht mit denen von Checkout, das wir in den USA und UK anbieten. 

Auch andere Konzerne haben in der Vergangenheit das hohe Lied des Datenschutzes gesungen ... und sind nun – wie zum Beispiel die Deutsche Telekom – in eine schier endlose Reihe von Datenskandalen verwickelt.

Der Versuch, uns in die Nähe solcher Skandale zu rücken, ist komplett abwegig. Wir verfügen nicht im Ansatz über die persönlichen Informationen unserer Kunden, wie sie Telekommunikationskonzerne, Stromversorger oder Banken besitzen. Jedes Kreditkartenunternehmen weiß genauer über Sie persönlich Bescheid, als es Google nur im Entferntesten könnte.

Aber es gibt keine Garantie, dass das auf Dauer so bleibt? Immerhin ist Google mittlerweile börsennotiert und damit zum Wachstum verdammt. Wo Sie früher noch selbst entscheiden konnten, was Sie tun und was lassen, müssen Umsatz und Erlös nun immer schneller und stärker steigen, um die externen Investoren zufrieden zu stellen. Irgendwann werden Sie sich die Frage stellen, ob Sie den Datenschatz der Informationen, die sie über Ihre Nutzer gesammelt haben, wirklich bestmöglich ausnutzen? Oder ob da nicht vielleicht doch noch etwas geht ...

Sie können es mir glauben oder nicht: Wir sind der festen Überzeugung, dass wir Geld verdienen können, ohne dabei Schlechtes tun zu müssen. Und dafür verfolgen wir eine langfristig angelegte Geschäftsstrategie, von der wir auch nicht um kurzfristiger finanzieller Ziele Willen abweichen werden. Das könnten wir uns überhaupt nicht leisten. Wir wissen ganz genau, dass all unser geschäftlicher Erfolg darauf beruht, dass die Nutzer unserer Dienste uns vertrauen, dass wir mit den Informationen höchst sensibel umgehen. Dieses Vertrauen, das hat einer unserer Firmengründer, Larry Page, gerade erst wieder betont, ist für die Zukunft von Google überlebenswichtig. Google hat viele spannende Dienste – aber es gibt fast nichts, das wir im Web anbieten, das nicht irgendjemand anderes auf unterschiedliche Art und Weise auch macht. Und wenn nur der leiseste Zweifel aufkommt, dass wir das Vertrauen missbrauchen, sind unsere Nutzer weg und unser Geschäftsmodell ruiniert. Der nächste Konkurrent ist nur einen Mausklick entfernt.

Danke für das Gespräch.

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