
Falls es dann noch Lesegeräte dafür gibt. Denn schon jetzt hat etwa der Computerbauer Apple aus seinem brandaktuellen Notebook MacBook Air das DVD-Laufwerk verbannt. Lesegeräte für 3,5-Zoll-Disketten bauen PC-Hersteller in ihre Rechner schon gar nicht mehr ein. Und welcher Computer kann noch 5,25-Zoll-Floppys lesen? Erschreckende Folge: Selbst sorgfältig gepflegte Datenbestände sind nicht mehr zugänglich, wenn irgendwann das letzte funktionierende Lesegerät streikt.
Die digitale Amnesie macht nicht einmal vor Informationsprofis halt: So musste die US-Weltraumbehörde Nasa den Verlust von Daten eingestehen, die die Raumsonde Pioneer 1979 vom Saturn zur Erde gefunkt hat. Es fanden sich bei der Nasa schlicht keine Lesegeräte für die alten Datenspeicher mehr. 1,2 Millionen Magnetbänder aus 30 Jahren Raumfahrt sind betroffen.
Die Universität der Bundeswehr und das Computermuseum in München wollen derartige Dramen in Deutschland vermeiden. Die Partner bauen derzeit in einem Flugzeughangar in Neubiberg bei München das größte Computerarchiv der Welt auf. Fast alle seit den Vierzigerjahren gebauten Computermodelle samt Software sollen hier bald bereitstehen, falls irgendwo wichtige Daten nicht mehr gelesen werden können oder konvertiert werden müssen.
150 Commodore C 64 im Computermuseum
Bereits heute sind 2000 PC-Versionen im Bestand. Anfällige Hardware ist mehrfach vorhanden – etwa 150 Stück des in den Achtzigerjahren beliebten Heimcomputers Commodore C 64. Und dennoch: „Auch das Hardware-Museum ist nur eine Lösung für ein paar Jahrzehnte“, sagt der Initiator, Bundeswehrprofessor Borghoff. „Denn auch Computerchips gehen irgendwann kaputt.“
Und so genießt plötzlich unter Forschern ausgerechnet ein Speichermedium wieder Ansehen, das schon als Auslaufmodell galt: Der Mikrofilm, der außer einer Lupe kein Lesegerät braucht. Auf ihm bunkert etwa das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe im Barbarastollen, einem stillgelegten Bergwerk im Schwarzwald, Kulturgut von nationaler Bedeutung. In rund 1500 luftdichten Edelstahlbehältern ruhen nahe Freiburg rund 17 Millionen Meter Mikrofilm, unter anderem mit der Krönungsurkunde Otto des Großen von 936 und dem Bauplan des Kölner Doms von 1280.
Die Haltbarkeit des Films mit der Datendichte digitaler Medien zu verbinden, ist das Ziel von Wissenschaftlern des Imaging & Media Lab der Universität Basel. Sie arbeiten im Rahmen des sogenannten Peviar-Projekts an einem Mikrofilm, auf dem ein zweidimensionaler Barcode beliebige Daten codiert. Er ähnelt vom Prinzip dem Pixelcode auf den Online-Fahrkarten der Deutschen Bahn, ist aber sehr viel feiner.
Theoretisch lassen sich damit auf einem Farbfilm von der Größe eines Viertel-A4-Blattes 700 Megabyte speichern. Wie sich die Codes wieder entziffern lassen, soll auf den Datendias auch gleich vermerkt sein, damit künftige Generationen mit den darauf gesicherten Informationen noch etwas werden anfangen können. Auch in einem halben Jahrtausend noch. Denn so lange soll der Mikrofilm halten. Mindestens.














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Alle Kommentare lesen17.12.2008, 12:29 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Kuhn
@JT Eigentlich erspare ich es mir, auf persönliche Angriffe zu reagieren. Aber in dem Fall kann ich mir den Kommentar nicht verkneifen.
ich finde es nämlich ausgesprochen befremdlich, dass Sie, die Sie den geschilderten Fall gar nicht kennen, dennoch zu wissen meinen, dass bei dem geschilderten Plattencrash KEiNE Experten am Werk waren.
Und so erlaube ich mir, Sie zu korrigieren. Der geschilderte Fall war Ausgang meiner Recherchen, nachdem sich der betroffene Fotograf bei der Redaktion gemeldet hatte. Auf unser Anraten hin haben sich danach diverse professionelle Datenretter an der Platte versucht - und alle bedauernd aufgegeben.
Ob diese information ihren geschilderten Zweifel an unserem Artikel behebt, kann ich nicht beurteilen. Aber zumindest sollten Sie davon ausgehen, dass ich keine beiträge ins blatt bringe, für deren Wahrheitsgehalt ich nicht mit meinem Namen stehen kann.
Gruß
Thomas Kuhn / WiWo
17.12.2008, 11:46 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Kuhn
@René P Lieber Leser,
natürlich ist das Problem des Datenverlustes im Grundsatz seit Jahren bekannt.
Relativ neu - und insbesondere weiten Teilen unserer Leserschaft unbekannt - ist die Tatsache, dass selbst explizit mit dem Versprechen einer hohen Haltbarkeit verkaufte Speichermedien, offenbar erschreckend vergesslich sind.
Dazu kommt, dass noch immer vielen Normalbürgern, die Vergänglichkeit ihrer zunehmend digitalen Daten in keiner Weise bewusst ist. Das zeigen übrigens auch die zahlreichen E-Mails mit Detailfragen, die mich nach dem beitrag erreicht haben.
Gruß
Thomas Kuhn / WiWo
11.12.2008, 17:48 UhrAnonymer Benutzer: Aktion Sonne
Selbst erlebt: Eine gebrannte CD einem schönen, heißen Sommertag im Auto gelassen: CD war noch da, aber Daten waren weg.
Magnetbänder halten Jahre länger. Schade nur, daß die Nasa dann keine Geräte zum LESEN mehr hatte...
Nun warte ich nur noch auf einen guten Tip der Wiwo.