Datensicherung: Rasanter digitaler Datenverlust

Datensicherung: Rasanter digitaler Datenverlust

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Eine geöffnete Computerfestplatte. Lebensdauer: 5 bis 10 Jahre

Forscher und Techniker schlagen Alarm: Milliarden CDs und Festplatten lösen sich auf. Der Datenverlust verläuft viel schneller als bislang angenommen. Dem digitalen Zeitalter droht eine gigantische Gedächtnislücke.

Gut zwei Wochen war der Bonner Fotograf Sepp Spiegl in Brasilien unterwegs, um für einen deutschen Großkonzern Entwicklungsprojekte zu dokumentieren. Mehr als 2000 Bilder brachte der Fotoreporter nach Deutschland zurück. Zur Sicherheit hat er sie von der Kamera auf die Festplatte seines Notebooks überspielt, „damit die Daten beim Einsatz der Kamera in der feucht-heißen Luft nicht Schaden nehmen“, wie er sagt.

Die Vorsichtsmaßnahme entpuppte sich indes als fataler Fehler: Kaum war der Fotograf wieder zu Hause, zerstörte ein defekter Lesekopf die PC-Festplatte – und mit ihr die Bilder aus Brasilien. Binnen Sekunden verschwand alles ins digitale Nichts. Um seinen Auftrag erfüllen zu können, schickte Spiegl einen brasilianischen Kollegen auf eigene Kosten auf erneute Foto-Tour. Schaden für Spiegl: neben der verlorenen Zeit ein gut fünfstelliger Euro-Betrag.

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Die Zahl der Datenverluste – egal, ob Fotoreportage, Konstruktionsplan oder Kundendatenbank – nimmt rasant zu. Allein beim US-Konzern Kroll Ontrack, einem der führenden Anbieter der sogenannten Computer-Forensik, wächst das Auftragsvolumen um rund zehn Prozent – derzeit werden jedes Jahr rund 50 000 Rettungseinsätze durchgeführt.

Von den meisten digitalen Dramen erfährt die Öffentlichkeit nichts

Von den meisten digitalen Dramen erfährt die Öffentlichkeit nichts. Zu peinlich ist den Unternehmen die Panne. Auch die professionellen Datenretter verraten Details allenfalls in anonymisierter Form. So stand im März die Produktion eines großen deutschen Teigwarenherstellers stundenlang still: Beim Starten einer Verpackungsmaschine hatte die Festplatte mit sämtlichen Steuerungsdaten gestreikt. Bei einem Rüstungsunternehmen wiederum versagte ein speziell abgesicherter Datenspeicher mit mehreren Festplatten, die sich gegenseitig duplizieren. 500 Gigabyte Konstruktionsdaten waren futsch.

Misslingt die Rettung, drohen immense Schäden. So berechnete etwa das auf Datensicherheit spezialisierte US-Beratungsunternehmen Ponemon Institute bei der Analyse von 330 Datenverlusten Schadenssummen von 230 000 bis 22 Millionen Dollar. Den Verlust von 20 Megabyte Konstruktionsdaten beispielsweise taxiert Kroll Ontrack auf 90 000 Dollar, den Schaden für ein Kreditkartenunternehmen, falls die Transaktionsdaten nur einer Stunde verschwinden, gar auf 1,5 Millionen Dollar.

Und das ist wohl nur der Anfang. Denn die von Unternehmen wie Privatleuten zig-millionenfach zur Datensicherung genutzten CD- und DVD-Rohlinge sind offenbar längst nicht so haltbar wie angenommen. Selbst höherpreisige, speziell für die Langzeitarchivierung gefertigte Datendisks erwiesen sich jüngst in Stresstests des IT-Fachmagazins „c’t“ als erschreckend unzuverlässig. Viele der silbernen Speicherscheiben hielten unter verschärften, die beschleunigte Alterung simulierenden Klimabedingungen nur wenige Hundert Stunden. Dann waren die darauf gespeicherten Informationen nicht mehr lesbar. Selbst unter Normalbedingungen traut c’t-Tester Hartmut Gieselmann den besten getesteten Rohlingen nur eine Haltbarkeit zwischen drei und fünf Jahren zu. Spätestens dann müssten die Scheiben kontrolliert und die gespeicherten Daten umkopiert werden.

Selbstgebrannte Datenträger seien kein Archiv, sondern nur ein Verbrauchsmedium, „das sich höchstens zum Transport von Daten eignet“, warnt Matthias Hemmje, Professor für Multimedia- und Internetanwendungen an der Fernuniversität Hagen. Der Fachmann für Langzeitarchivierung fordert deshalb ein Haltbarkeitsdatum auf allen Rohlingen und einen Bewusstseinswandel der Nutzer.

Radikales Umdenken ist angesichts der Risiken aber auch in den Unternehmen erforderlich. Noch immer hätten zu wenige ein Konzept zur „Langzeitarchivierung ihrer Daten“, warnt Edmund Hilt, Chef der deutschen Dependance von Kroll Ontrack. Die regelmäßige Sicherung aller relevanten Informationen, die Kontrolle der Speichermedien auf Lesbarkeit und das regelmäßige Überspielen auf neue, jeweils aktuelle Speichertechnologien – all das sei „vor allem kleineren und mittleren Unternehmen viel zu aufwendig“, sagt der Datenretter.

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