Datenspionage: 29-jähriger Techniker bekennt sich zu Prism-Enthüllungen

Datenspionage: 29-jähriger Techniker bekennt sich zu Prism-Enthüllungen

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Whistleblower Edward Snowden ist überzeugt, richtig gehandelt zu haben. Er habe die Daten-Spionage publik gemacht, um die „Öffentlichkeit darüber zu informieren, was in ihrem Namen“ geschehe.

Hinter den Enthüllungen über die Internetüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA steckt ein Techniker einer externen Beratungsfirma. Der 29-jährige habe die Dokumente aus Gewissensgründen veröffentlicht.

Ein 29-jähriger ehemaliger CIA-Techniker hat sich zu den Enthüllungen über das weltweite Internet-Spähprogramm des US-Geheimdienstes bekannt. Die Zeitung "Guardian" veröffentlichte am Sonntagabend ein Video eines Interviews mit Edward Snowden auf ihrer Website. Er sei die vergangenen vier Jahre im Auftrag anderer Unternehmen für den Nachrichtendienst NSA tätig gewesen. Die geheimen Informationen habe er aus Enttäuschung über US-Präsident Barack Obama veröffentlicht, der die Politik seines Vorgängers George W. Bush fortsetze. "Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, mit der sie fast alles abfangen kann", erklärte Snowden. Damit könne automatisch der "allergrößte Teil der Kommunikation der Menschheit" aufgesogen werden. "Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die solche Dinge tut."

Snowden berichtete in dem Video, wie er drei Wochen zuvor die Daten über das Programm mit dem Namen "Prism" im NSA-Büro auf Hawaii heruntergeladen habe. Am 20. Mai sei er nach Hongkong geflogen, wo er sich gegenwärtig aufhalte. Seinem Vorgesetzten habe er erzählt, dass er zur Behandlung einer Epilepsie einige Wochen frei benötige.

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So lesen Deutsche Behörden mit

  • Wie schaut Deutschland mit?

    Fakt ist, auch der BND durchkämmt massenhaft E-Mail-Nachrichten. Das bestätigte die Bundesregierung bereits im Mai 2012 in einer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken. Der Dienst durchforste elektronische Nachrichten nach tausenden Suchbegriffen, heißt es darin. Im Jahr 2010 wurden damit 37 Millionen Nachrichten herausgefiltert, bei den E-Mails stellten sich jedoch 90 Prozent als Spam heraus. Auch verschlüsselte Kommunikationen könnten deutsche Geheimdienste teilweise entschlüsseln.

  • Haben die USA Zugriff?

    Ob Gesetze der USA den US-Behörden Zugriff auf die Daten europäischer Nutzer erlauben, wollte die Linke in einer weiteren Anfrage wissen. Dazu „liegen der Bundesregierung nur Hinweise aus öffentlich zugänglichen Quellen vor“, hieß es im März knapp im Antwortschreiben der Regierung.

  • Wie kann ich mich schützen?

    Grundsätzlich gilt: Wer Privates privat halten will, sollte es nicht im Netz teilen. Aber wenn man persönliche Details vor dem Zugriff Dritter schützen will (oder auch nur verhindern, dass dazu automatisiert passende Werbung angezeigt wird), dann sollte man seine Nachrichten verschlüsseln. Zusatzsoftware oder auch die erforderlichen Zertifikate, mit denen man die entsprechenden Funktionen aktivieren kann, gibt es für viele externe E-Mail-Programme, wie Outlook oder Thunderbird. Wer dem nicht zustimmt, muss den Anbieter wechseln, denn das alte spionagefreie Angebot ist abgeschaltet.

  • Welche Verschlüsselungsform ist sicher?

    Aktuell gilt ein 923 Bit umfassender E-Mail-Schlüssel als am sichersten. Aufgrund der Größe ist er kaum zu knacken. Forscher benötigten in einem Text 148 Tage und 21 Rechner, um hinter den Schlüssel zu kommen.

Auf Hawaii habe er ein angenehmes Leben mit einem Jahresgehalt von 200.000 Dollar aufgegeben, sagte er. "Ich bin bereit, das alles zu opfern, weil ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dass die US-Regierung mit dem Bau dieser riesigen Überwachungsmaschine die Privatsphäre, die Freiheit des Internets und die Grundrechte von Menschen in aller Welt zerstört."

PRISM Was es mit der Überwachung der Geheimdienste auf sich hat

Die Überwachungsprogramme der US-Regierung haben erschreckend gigantische Ausmaße: Milliarden Telefondaten werden täglich gespeichert, und die großen Internetprovider liefern massenhaft Daten an Geheimdienste.

Amerikanische Internet-Firmen bestreiten weiter felsenfest jeden direkten Zugriff für Geheimdienste auf ihre Server. Zugleich sickern mehr Details darüber durch, wie US-Behörden sich in Einzelfällen schnell Daten bei den Tech-Riesen besorgen können. Quelle: dapd

Weder der US-Geheimdienst CIA noch das Präsidialamt in Washington nahmen zunächst zu dem Bericht Stellung. Experten zeigten sich in ersten Kommentaren verwundert, dass Snowden Zuflucht in Hongkong gesucht habe, da die Insel ein Auslieferungsabkommen mit den USA unterhält. Der auf entsprechendes Recht spezialisierte Anwalt Douglas McNabb aus Houston erklärte, Snowden baue vielleicht darauf, dass sein Fall als politisch eingestuft werde. Dann greife das Abkommen nicht. Snowden selbst sagte in dem Video, er hoffe langfristig Asyl in Island gewährt zu bekommen.

Weitere Artikel

Der "Guardian" und die "Washington Post" hatten vor wenigen Tagen die Existenz des streng geheimen Überwachungsprogramms enthüllt. Daran sollen mehrere der größten US-Internetkonzerne wie Google, Facebook und Apple beteiligt sein. Diese bestreiten, dem US-Geheimdienst direkten Zugang zu ihren Servern zu gewähren. Die amerikanische Regierung hat das Programm verteidigt und erklärt, es sei notwendig zum Schutz der nationalen Sicherheit.

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