Denkfabrik: Das Internet bremst das politische Interesse der Jungen

kolumneDenkfabrik: Das Internet bremst das politische Interesse der Jungen

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Das Internet verengt das Interessenspektrum junger Menschen.

Kolumne

Junge Menschen interessieren sich immer weniger für Politik und Wirtschaft, die ältere Generation immer mehr. Das liegt auch am unterschiedlichen Umgang mit den Medien.

Seit der Brexit-Entscheidung der Briten gibt es viele Klagen, die ältere Generation habe die jüngere niedergestimmt. Tatsächlich votierte die ältere Generation mehrheitlich für den Austritt aus der EU, die Jüngeren dagegen mit großer Mehrheit für den Verbleib. Die Analysen zeigen aber auch, dass sich die Jüngeren deutlich weniger an der Abstimmung beteiligt haben.

Zur Person

  • Renate Köcher

    Renate Köcher ist Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach und Mitglied des Aufsichtsrates mehrerer Dax-Unternehmen.

Die schwächere Beteiligung jüngerer Wähler an Plebisziten und Wahlen ist nicht neu – und keineswegs auf Großbritannien begrenzt. Auch in Deutschland ist die Wahlbeteiligung der unter 30-Jährigen in der Regel niedriger als die der mittleren und insbesondere der älteren Generation. Dies hat in hohem Maße mit politischem Interesse zu tun, das sich bei vielen erst zwischen 20 und 30 Jahren oder sogar noch später entwickelt. Trendanalysen zum politischen Interesse lassen jedoch erwarten, dass sich die Generationen in Zukunft eher noch weiter auseinanderentwickeln werden.

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Verengtes Interessensspektrum

Politisches Interesse wird immer stärker altersgebunden. Jüngere Menschen interessieren sich heute weniger für Politik als vor 20 Jahren, die 60-Jährigen und Älteren immer mehr. Mitte der Neunzigerjahre waren 67 Prozent der 20- bis 29-Jährigen zumindest begrenzt an Politik interessiert, heute nur noch 57 Prozent. Im selben Zeitraum nahm das politische Interesse der 60-Jährigen und Älteren von 73 auf 82 Prozent zu.

Noch stärker unterscheidet sich der Anteil der ausgeprägt politisch Interessierten. Von den 60-Jährigen und Älteren sind 35 Prozent sehr an politischen Themen interessiert, von den 20- bis 30-Jährigen nur 13 Prozent. Die Diskrepanz ist heute auch hier weitaus größer als vor 20 Jahren.

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Und diese Entwicklung ist keineswegs auf politische Themen beschränkt. Während sich das Interesse an Wirtschaftsthemen in der Bevölkerung insgesamt nur wenig verändert hat, ist es bei unter 30-Jährigen in den vergangenen 20 Jahren von 47 auf 37 Prozent gesunken.

Generell hat sich das Interessenspektrum der Jüngeren verengt. Nimmt man das Jahr 2000 als Ausgangsbasis, liegt auch das Interesse an Umweltthemen rund 25 Prozent unter dem damaligen Niveau. Auf 100 unter 30-Jährige, die sich im Jahr 2000 für Wissenschaft und Forschungsthemen interessierten, kommen heute nur noch 66.

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