In den Zeiten der Analogfotografie war sie der Running Gag: Als Sensation im Gerätebau priesen die Hersteller bei jeder Präsentation neuer Fotoapparate augenzwinkernd die integrierte Motivklingel. Ein sanfter Glockenschlag erklinge, sobald der Fotograf ein lohnendes Objekt anpeile. Dass die Funktion tatsächlich ihren Weg in Fotoapparate finden könnte, hielt in Zeiten der Analogtechnik niemand für möglich. Heute heißt die Motivklingel „Gesichtserkennung“ und sorgt dafür, dass die Bildelektronik entsprechend ausgestatteter Digitalkameras unterbelichtete Gesichter vor hellen Hintergründen oder verschwommene Mienen vor gestochen scharfen Landschaften vermeidet. Spezialsoftware in den Kameras identifiziert Gesichter, markiert sie im Display mit einem grünen Rahmen und optimiert beim Auslösen das Bild. Und nicht nur das: Die Software in den neuen Kompaktkameras Sony T 200 und Olympus Mju 820 analysiert sogar die Mimik von Menschen. Nur das richtige Motivprogramm wählen, dann ist Schluss mit mürrischen Mienen, versprechen die Entwickler. Ist der entsprechende Modus aktiviert, lösen die Kameras erst aus, wenn die Menschen ins Objektiv lächeln. Um zu testen, was die Elektronik tatsächlich leistet, habe ich beide Kameras einem zweiwöchigen Alltagstest unterzogen – mit durchwachsenen Ergebnissen. Der Smile-Modus von Sonys knapp 400 Euro teurer T 200 etwa funktioniert im Gegensatz zu dem von Olympus bemerkenswert gut. Einmal aktiviert, arbeitet er wie eine Art Selbstauslöser ohne Zeittakt. Stattdessen peilt der Fotograf einen Menschen an. Und sobald der lächelt – die Zähne müssen blitzen – löst die Kamera selbstständig aus. Olympus’ rund 280 Euro teure Mju 820 hingegen leidet im Lächel-Modus unter einer erheblichen Verzögerung. Bis die Kamera auslöst, ist das Gesicht längst zur Grinse-Fratze erstarrt – oder das Lächeln verschwunden. Auch sonst handelt es sich bei den Kameras trotz ähnlicher Maße und Gewichte um komplett unterschiedliche Gerätekonzepte. Während die Mju eine sich beim Einschalten ziehharmonikaartig entfaltende Optik besitzt und über eine Vielzahl von Druckknöpfen und Drehreglern bedient wird, setzt Sony bei der T 200 auf Minimalismus. Fast alle Funktionen werden über das knapp neun Zentimeter große Sensor-Display gesteuert. Beide Konzepte haben Stärken und Schwächen. Während ich an der Olympus häufig benutzte Funktionen wie etwa den Blitz mit einem Fingerdruck abrufen konnte, musste ich mich bei der Sony oft durch mehrere Menüstufen klicken. Andererseits sorgt die Zahl der Knöpfe an der Olympus schon mal für Verwirrung. Bei Sony wiederum gehen die elegante, ultraschlanke Bauform (ohne ausfahrbares Objektiv), der dadurch bedingte geknickte Strahlengang im Objektiv sowie der kleinere Bildsensor bei schlechten Lichtverhältnissen zulasten der Bildqualität. Speziell bei sehr hohen Lichtempfindlichkeiten – beide Kameras ermöglichen ISO-Werte bis zu 3200 – sind die Sony-Bilder deutlich verrauschter als bei der Olympus-Kamera. Bei guten bis ordentlichen Lichtverhältnissen hingegen schenken sich die Apparate nichts. Gemeinsames Manko beider Kameras: Sie benötigen zur Sicherung der Bilder statt der preiswerten SD-Speicherkarten durchweg teure Spezialchips. Bei Sony muss es der hauseigene Memorystick sein, Olympus setzt auf die eigene xD Picture Card. In jedem Fall sind die Spezialchips zum Teil bis zu doppelt so teuer wie vergleichbare Standard-SD-Karten. Da kann auch dem Fotografen das Lächeln gefrieren.
Der Test: Bis das Lächeln gefriert
Zu diesem Artikel













