Telekom: Spätstart eines Hoffnungsträgers

Deutsche Telekom: Spätstart eines Hoffnungsträgers

von Jürgen Berke

Auf dem Mobile World Congress kündigte die Deutsche Telekom vor einem Jahr den Start des neuen Weltnetzes Ngena an. Die Aufbauarbeiten laufen immer noch, der Start verzögert sich.

Auf dem Mobile World Congress im vergangenen Jahr war es eine der Überraschungen der Deutschen Telekom. Mit dem Joint-Venture Ngena wollte T-Systems-Chef Reinhard Clemens das erste internet-basierte Weltnetz für Unternehmenskunden bauen. Jetzt, ein Jahr später, zieht die IT-Sparte der Deutschen Telekom eine erste Zwischenbilanz. Offiziell feiert die Deutsche Telekom das "Weltnetz für die Industrie 4.0", das "Industrieanlagen über alle Kontinente hinweg steuert". Doch eigentlich fällt die Bilanz nach einem Jahr Aufbauarbeit gar nicht so überragend aus. Ngena kommt langsamer in Schwung als es sich die Initiatoren in der Bonner Telekom-Zentrale vorgestellt haben.

Gerade mal ein halbes Dutzend neue Ngena-Mitglieder kann die Deutschen Telekom in diesem Jahr auf dem Mobile World Congress präsentieren. Angeschlossen haben sich der Telekom-Initiative in den vergangenen Monaten die Netzbetreiber Altice (mit SFR in Frankreich und Portugal Telecom), der Satellitenbetreiber Inmarsat, sowie die Netzbetreiber Neutrona in Lateinamerika, PCCW Global in Hongkong und Telstra in Australien.

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Firmenkunden Telekom will neues Branchen-Modell etablieren

Die Deutsche Telekom hat einen Plan, der das Geschäft der der Netzbetreiber massiv verändert. Eine global aufgestellte Plattform, die Dienste an Telekommunikations-Firmen verkauft. Die Einsparungen könnten massiv sein.

Telekom will neues Branchen-Modell etablieren Quelle: dpa

"Das Ngena-Weltnetz ist engmaschig geworden und bekommt in diesem Jahr kräftige Knoten", sagt Ngena-Geschäftsführer Marcus Hacke. Die Zahl der Partner ist damit auf zehn gestiegen. Als Gründungsmitglieder waren CenturyLink (USA), Reliance (Indien) und SK Telecom (Südkorea) von Anfang dabei. Technologiepartner der ersten Stunde ist der IT-Konzern Cisco.

Eigentlich hatte die Telekom mehr Begeisterung für ihren Vorstoß erwartet und insgeheim gehofft, dass mehr Netzbetreiber den roten Teppich betreten, den die Telekom ausgerollt hatte. Der Plan war und ist, so eine Art "Vereinte Nationen der Netzbetreiber" für Großunternehmen zu bauen, die unkomplizierte Verbindungen für interkontinentale Unternehmensnetze auch in die entlegensten Winkeln der Welt brauchen. 20 weitere Partner wollte die Telekom "in den nächsten Jahren gewinnen", hieß bei der Premiere vor einem Jahr. T-Systems wollte damit eine Alternative aufbauen zu den global agierenden Konkurrenten wie AT&T oder Verizon.

Deutsche Telekom Das ganz "neue Ding" für die Großkunden

Die Auftritte auf dem Mobile World Congress zeigen: Die Deutsche Telekom will wieder Global Player werden. Doch dieses Mal ganz anders.

Deutsche Telekom: Das ganz "neue Ding" für die Großkunden Quelle: dpa

Doch einige potenzielle Partner warten lieber erst einmal ab, ob Ngena wirklich eine Alternative für die eigene Expansion auf anderen Kontinenten ist. Eine Hürde scheint zu sein, dass mit Cisco nur ein Technologiepartner als Strippenzieher und Cloud-Partner mit weltweiten IP-Verbindungen bereitsteht. Möglich ist deshalb, dass die Telekom weitere Technologiepartner hinzuzieht.

Der eigentlich für die erste Jahreshälfte 2017 geplante Start des operativen Geschäfts wird sich kaum halten lassen. Bis jetzt ist erst der Frankfurter Knotenpunkt aufgebaut. Die ersten zehn Netzknoten im Ausland sollen nun erst bis zum Jahresende geknüpft sein. Richtig loslegen kann Ngena dann wohl erst 2018.

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