Deutschlandchef erklärt Geschäftspläne: Eigene Telekom-Angebote von Drosselung ausgeschlossen

Deutschlandchef erklärt Geschäftspläne: Eigene Telekom-Angebote von Drosselung ausgeschlossen

Trotz heftiger Kritik hält die Telekom an der ihren Plänen zur Datendrosselung fest. Deutschlandchef Niek van Damme hat die Pläne genauer erklärt.

 

Seit Tagen kämpft die Telekom mit harscher Kritik gegen die Drosselung der Netzgeschwindigkeit, die vor allem Vielnutzer betreffen wird. Ab einem bestimmten Datenvolumen wird das Tempo beim Surfen im Netz massiv gesenkt. Wer es schneller will, muss zahlen. Ursprünglich sollten die Pläne nur Neukunden treffen. Inzwischen ist klar, dass alle zwölf Millionen Breitbandkunden der Telekom ab 2018 von den Vertragsänderungen betroffen sein werden. Das machte der Deutschlandchef Niek van Damme in einem Interview mit der Welt deutlich.

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In dem Gespräch verteidigte er mit Nachdruck das Vorhaben des Konzerns: „Wir bauen unser Netz für Milliarden aus, damit immer mehr Kunden immer schneller surfen können. Bisher ist es aber so, dass die durchschnittlichen Nutzer die Vielnutzer subventionieren. Warum sollen 97 Prozent unserer Kunden dafür zahlen, dass die restlichen drei Prozent große Mengen Daten bewegen?“

Die Deutschen im Internet

  • DSL

    2013: 41,3 Prozent

    2012: 42,2 Prozent

    Quelle: Initiative D21

  • Kabelanschluss

    2013: 9,6 Prozent

    2012: 8,5 Prozent

  • ISDN

    2013: 7,1 Prozent

    2012: 7,5 Prozent

  • Mobilfunkzugang

    2013: 6,2 Prozent

    2012: 5,1 Prozent

  • Modem (analog)

    2013: 3,7 Prozent

    2012: 3,2 Prozent

  • Sonstiges

    2013: 1,5 Prozent

    2012: 1,5 Prozent

  • Anderer breitbandiger Zugang

    2013: 1,2 Prozent

    2012: 1,2 Prozent

  • Kein Internet zu Hause

    2013: 0,8 Prozent

    2012: 1,0 Prozent

Mit der Drosselung macht die Telekom deutlich, dass sie sich die Umsonst-Mentalität im Internet nicht mehr leisten kann. Die Umsätze der Telekommunikationsbranche sind insgesamt massiv gesunken. Laut van Damme in den letzten sechs Jahren um ganze neun Milliarden auf 58 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite wird sich das Datenvolumen, das im Netz bewegt wird in den kommenden Jahren weiter massiv steigern. Mobile, internetfähige Geräte wie Smartphones und Tablets haben genauso dazu beigetragen, wie netzfähige Fernseher, neue Funktionen im Auto oder in der Energieversorgung. Der Telekom zufolge kommt ein Kunde heute im Schnitt auf 15 bis 20 Gigabyte im Monat. Das passt zwar mehrfach in die niedrigste angekündigte Daten-Obergrenze von 75 Gigabyte für Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 16 Megabyte pro Sekunde.

Ausgenommen von dem Deal wird das TV-Programm der Telekom „Entertain“, da es sich dabei um eine separate TV- und Medienplattform handele und eher mit dem Kabel- oder Satellitenfernsehen zu vergleichen sei. Für dieses Angebot zahlen Telekom-Kunden aktuell zehn Euro im Monat. Doch was ist mit Nutzern anderer Film-Portale wie Maxdome oder Lovefilm? Auch sie zahlen monatlich für das Angebot und müssten trotzdem unter der Datendrosselung der Telekom leiden. Hier sieht die Telekom ein neues Geschäftsmodell. „Wir sind offen für Gespräche mit diesen Anbieter, um ihre Angebote in Entertain zu integrieren“, sagt van Damme. Ein Teil der Erlöse könne dann ebenfalls in den Netzausbau investiert werden. Eine ähnliche Kooperation gibt es schon zwischen der Telekom und dem Streamingdienst Spotify. Gespräche mit Anbietern werden gerade schon geführt.

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Unsere Gesellschaft ist immer stärker von der Infrastruktur Internet abhängig. Die Breitbandnetze müssen weiter ausgebaut werden. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Also werden nun als ein erster Schritt die Vielnutzer zur Kasse gebeten. Was zusätzliche Datenpakete kosten könnten, mag Niek van Damme heute noch nicht genau beantworten: „Das ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Wer weiß, wie die Tarifwelt in drei Jahren aussieht.“

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