Die Woche im Netz: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

kolumneDie Woche im Netz: Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Kolumne von Franziska Bluhm

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Diesmal: ganz private Konsequenzen aus der NSA-Affäre.

Seit Monaten vergeht kein Tag, an dem nicht irgendeine Meldung auftaucht, die die negativen Seiten der Digitalisierung darstellt. Allein in dieser Woche warnte am Montag ein Sicherheitsexperte von Security Research Labs vor einer schweren Sicherheitslücke in SIM-Karten. Und heute machte die Runde, dass die Smartphone-Applikation WhatsApp es möglich macht, Paypal- und Google-Konten auszuspionieren. Von der nicht abebbenden Debatte über die NSA-Bespitzelungen mal ganz abgesehen.

Nun hatte ich einmal eine Einstellung zum Internet, die man als arg romantisch abtun kann. Ich bin seit Jahren begeistert ob der Möglichkeiten, die mir das Internet bietet. Zugang zu schier unendlichem Wissen, unterschiedlichsten Datenbanken und anderen Quellen, ein engerer Kontakt zu Freunden und Bekannten aus der Vergangenheit, Kommunikation mit Menschen, die ähnlich denken und ticken und das auch noch in Echtzeit. Applikationen auf dem Smartphone, die mir das Leben erleichtern. Im Journalismus keine Entscheidung für Print, TV oder Audio, sondern online, weil dieser Kanal alle Möglichkeiten auf einmal bietet und ich mich entscheiden kann, auf welche Weise ich eine Geschichte erzählen möchte. Publizieren, wann immer ich möchte, wer immer es möchte. Die Liste ließe sich noch unendlich fortschreiben.
Doch da ist auch die andere Seite des Internets. Da werden Webseiten gehackt, E-Mails mitgelesen, eigentlich private Dinge veröffentlicht, Daten zu Profilen verarbeitet, Schlussfolgerungen gezogen, die nicht nachvollziehbar sind. Große Unternehmen geben vor, was gesellschaftlich anerkannt ist, alles andere wird verbannt. Amazon erlaubt es nicht, dass geheime Depeschen in ihrer Cloud gespeichert werden, Anonymisierungsdienste lassen sich nicht mehr per Visa oder Mastercard bezahlen. Die Telekom will zahlenden Kunden schnellere Datenverbindungen ermöglichen. Welches Verhalten verdächtig ist, bestimmen nicht Politik und Gesellschaft sondern ein Algorithmus.

Anzeige

Natürlich stimmt es, dass wir daran auch selber Schuld sind. Bereitwillig haben wir uns ins Bett mit Google gelegt, weil wir kostenlos unendlichen Speicherplatz und einfache Bedienbarkeit geboten bekommen haben. Natürlich sind wir alle freiwillig bei Facebook und liken, kommentieren und posten uns ein immer genaueres Profil. Speichern wir Passwörter und andere persönliche Dinge auf unseren Smartphones. Immer wenn wir bereitwillig Daten weitergegeben haben, bekamen wir etwas dafür. Tolle Tools, neue Freunde, schöne Erinnerungen und im Idealfall sogar maßgeschneiderte Werbung.

Noch haben die meisten Deutschen nicht begriffen, warum es keineswegs ok ist, wenn sich die Geheimdienste Zugang zu Daten verschafft haben, die wir eben nicht freiwillig herausgegeben wollten. Was sicherlich auch daran liegt, dass das Vertrauen ins Netz ohnehin nicht sonderlich groß ist: Laut eine aktuelle Bitkom-Umfrage glauben zwei Drittel der Befragten an, dass ihre Daten im Netz eher (39 Prozent) oder völlig (27 Prozent) unsicher sind. Und so steigt die Empörung zwar, aber einen echten, einen lauten Aufschrei gibt es nicht.

Es sind folgende Fragen, die mich zwischendurch immer wieder einholen: Kann ich noch begeistert von Fitnessarmbändern erzählen, die mich zu mehr Bewegung motivieren, aber Daten weitergeben? Mich über Whatsapp mit einer Freundin zu verabreden, mit ehemaligen Kindergartenfreunden bei Facebook vernetzen, über Foursquare ständig beim Flughafen einchecken? Einkaufslisten bei Google pflegen? Social-Media-Schulungen geben? Und: bedenkenlos kritische Texte über dieses Thema schreiben, ohne mich gleich verdächtig zu machen?

Der Autorin bei Twitter folgen

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%