Die Woche im Netz: Die wahren Gründe für das Aus des Google-Readers

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kolumneDie Woche im Netz: Die wahren Gründe für das Aus des Google-Readers

Kolumne von Franziska Bluhm

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: der Google Reader.

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Screenshot der Google-Reader-Seite: Ist man noch nicht eingeloggt, verrät auf den ersten Blick nichts, dass der Reader eingestellt wird

Der große Schock kommt am Donnerstagmorgen. Bei Twitter steht es schwarz auf weiß: Google macht den Reader dicht. Es ist der beliebteste RSS-Reader, gerade Newsjunkies nutzen ihn gerne, um viele unterschiedliche Quellen zu verfolgen. In einem RSS-Reader wird automatisch angezeigt, wenn auf einer Seite etwas Neues veröffentlicht wurde - wer viel liest, hat es leichter. Die dahinterliegende Reader-API werde ebenfalls abgeschaltet - unzählige Applikationen wie die Reeder-App sowie zahlreiche Dienste und Webseiten nutzen diese. Sie haben nun noch ein paar Monate Zeit, eine andere technische Lösung zu finden. Oder dicht zu machen. Zum 1. Juli soll Schluss mit dem Google-Reader sein.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Google einen - so nennen sie es im Firmenblog - Frühjahrsputz macht. Bereits im September 2011 gab es den herbstlichen Frühjahrsputz, bei dem damals beispielsweise die Weiterentwicklung von Google Desktop dran glauben musste. Diesmal also ein Vorfrühlings-Frühjahrsputz. Mit einem Paukenschlag.

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Als Grund für das Aus gibt Google im Blog an, die Zahl der Nutzer sei in den vergangenen Jahren gesunken. In Zeiten von Twitter, Facebook und Co. mag man das auch glauben. Allerdings gibt Google selbst zu, dass das Produkt eine loyalen Kundenkreis habe. Und auch einen Kundenkreis, der nun aufschreit.

Eine Vielzahl von Journalisten und Bloggern nutzen den Google Reader, um sich auf dem Laufenden zu halten - man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es sich bei der Nutzerschaft um Multiplikatoren handelt. Multiplikatoren, die ihren Protest in mindestens 350.000 Tweets zum Ausdruck gebracht haben. Denn laut Analysedienst Topsy kamen am Donnerstag allein mit dem Stichwort "googlereader" so viele Kurznachrichten zusammen.

Warum also geht Google das Risiko eines solchen Proteststurms ein und vergrault loyale Nutzer - Heise-Redakteur Jörg Wirtgen droht beispielsweise, sich komplett von Google-Produkten trennen?

Die Gründe:

1. Der Google Reader war schon seit langem auf der Abschussliste.

Bei Quora schreibt der ehemalige Reader-Produktmanager Brian Shih, dass die Entwickler seit 2008 mehrfach zu anderen Produkten abgezogen werden sollten: Opensocial, Buzz, Google+. Laut Shih wurden die Reader-Entwickler als die einzigen angesehen, die "social" wirklich konnten.

Kurz nach dem Start von Google+ wurden im Reader-Blog im Oktober 2011 die letzten großen Veränderungen verkündet: ein neuer Look, aber eben auch das Verschwinden wichtiger Funktionen. Diese Veränderungen machten deutlich: Google setzt von nun an alles auf sein gerade neu gestartetes soziales Netzwerk Google+. Und riskiert dafür auch den Verlust einer treuen Nutzerschaft - und einem kleinen sozialen Netzwerk, das ausnahmsweise mal funktionierte. Die Rechnung ging nicht auf: Statt ihre Inhalte nicht mehr im Reader sondern auf Google+ zu teilen, teilten die Nutzer gar nicht mehr bei Google.

Auch der Reader-Erfinder Chris Wetherell sah das Ende des Readers lange voraus:  "Als sie das Teilen durch den +1-Button ersetzten, war klar, das der letzte Tag kommen würde", sagt er gegenüber Gigaom.

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