Die Woche im Netz: Warum wir Joyn, EPost und DE-Mail nicht brauchen

kolumneDie Woche im Netz: Warum wir Joyn, EPost und DE-Mail nicht brauchen

Kolumne von Franziska Bluhm

Einmal in der Woche blicken wir zurück - auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet. Worüber es sich nachzudenken lohnt. Diesmal: das Scheitern der Konzerne bei neuen Kommunikationsmöglichkeiten.

Neulich erzählte mir mein Mann, dass er einen E-Postbrief erhalten habe. Er erzählte das nicht ohne Stolz, denn ich habe bisher noch nie einen bekommen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es daran liegt, dass mir keiner solche Briefe schreibt, oder weil ich irgendwann am durchaus komplizierten Registrierungsvorgang gescheitert bin. Jedenfalls: Mein Mann hat das bis zum Ende durchgezogen und letztens E-Post bekommen. Wollen Sie wissen von wem? Von der Deutschen Post. Was in dem E-Postbrief drin stand, weiß er nicht, weil er sein Passwort vergessen hat. Das neue kommt nämlich demnächst per Post.

Diese auf den ersten Blick lustige Geschichte ist eigentlich eine tragische. Denn ich möchte gar nicht aufzählen, wie viele Millionen Euro dieses Projekt mittlerweile bei der Deutschen Post gekostet hat. Es scheint aber nicht sonderlich gut um das Projekt zu stehen, hat die Deutsche Post bisher immer beharrlich geschwiegen, wenn es darum ging, einmal ein paar Nutzungszahlen herauszugeben. In diesem Jahr soll das Projekt die 100-Millionen-Marke in Sachen Umsatz knacken. Das wäre laut FAZ ein Fünffaches des Umsatzes des vergangenen Jahres.

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Mag sein, dass der E-Postbrief für Unternehmen so langsam interessanter werden könnte, doch scheint die Masse der Menschen verloren. Zwar sind etwa eine Million Menschen für den E-Postbrief registriert, doch ist der Anteil der aktiven Nutzer gering. 

Die Deutsche Post setzt zumindest auf seine  E-Post. Vor einigen Tagen ist sie aus einem ähnlichem Geschäftsmodell ausgestiegen: der DE-Mail. Eine Umfrage in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ergab: Ich kenne niemanden, der schon einmal eine DE-Mail verschickt beziehungsweise empfangen hat.

Eines der Hauptprobleme ist, dass die DE-Mail ebenfalls ein Produkt ist, das man auf den ersten Blick nicht gleich versteht. Wer per DE-Mail kommuniziert, will es sicher, vertraulich und nachweisbar. Der DE-Mail-Standard wurde von der Politik festgelegt und rechtsverbindliche Kommunikation kann nur über DE-Mail-Produkte entstehen. 

Doof nur, dass diese "Sicherheit" nun von mehreren Seiten als nicht gegeben bescheinigt wird. Und zwar nicht nur vom Chaos Computer Club (CCC), der auf die fehlenden Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über den gesamten Transportweg der E-Mail hinweist und die DE-Mail als gescheitert erklärt. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert die fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein.

 

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