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kolumne Die Woche im Netz: Was Tschisi mit Lobbyplag zu tun hat

Kolumne von Franziska Bluhm

Von nun an wollen wir einmal in der Woche auf Phänomene, Hypes und wichtige Entwicklungen im Internet zurückblicken. Worüber es sich nachzudenken lohnt.

Eskimo Eistafel Quelle: Unilever Austria/Eskimo
Eskimo-Preistafel von 1998. Das beliebte "Tschisi"-Eis, das 1999 eingestellt wurde, kommt im März 2013 wieder in Österreich auf den Markt Quelle: Unilever Austria/Eskimo

Wenn Sie nicht unbedingt Österreicher sind, dann werden sie das Eis, das dort derzeit für Furore sorgt, vermutlich nicht kennen. Und mit der Nachricht: "Tschisi kommt zurück" wohl auch nicht sonderlich viel anfangen können. Aber es ist so. Tschisi kommt zurück und 84.109 Österreicher sind nun verdammt glücklich. Wie ich auf die Zahl 84.109 komme? Nun, so viele Anhänger hat die Facebook-Seite "Wir wollen das Tschisi-Eis zurück" gefunden. Die Seite entstand im Herbst 2012 aufgrund der Wette des österreichischen Radiojournalisten Peter Brandlmayr. Laut Standard wettete er, dass die Facebook-Seite 100.000 Fans gewinnen werde.

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Bisher ist ihm das zwar nicht gelungen, dafür aber hat er erreicht, dass Eskimo, das österreichische Langnese, das Eis zurück in die Läden bringt. Fast rührig liest sich das Statement der Firma: "Ihr seid wirklich eine unglaublich tolle Fangemeinde! Wir sagen VIELEN DANK für euren unermüdlichen großartigen Einsatz und eure Hartnäckigkeit!" Das Eis war 1990 auf den Markt gekommen und war 1999 eingestellt worden. Grund: zu geringe Nachfrage. Nun wird das Eis zwar nicht mehr die gewohnten Löcher haben, aber immerhin kommt es und die Fans können sich freuen. Mission accomplished - ein Liebessturm sozusagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Eissorte auf den Markt zurück kommt - vor etwa sieben Jahren gelang dies StudiVZ-Usern in Deutschland mit der Eissorte NoggerChoc.Und natürlich gibt es auch weitaus wichtigere Dinge, die durch die Möglichkeiten des Internets bzw. im speziellen soziale Netzwerke erreicht worden sind. Der Wahlsieg von Obama, die arabische Revolution, Schummeleien in Doktorarbeiten, die nun zum wiederholten Male zu Ministerrücktritten geführt haben und so weiter - kennen Sie alles, muss ich nicht ausführen.

Die Macher von Lobbyplag vergleichen Texte von Lobbyisten mit fertigen Gesetzestexten. Foto: Maurizio Gambarini/dpa Quelle: dpa
Die Macher von Lobbyplag vergleichen Texte von Lobbyisten mit fertigen Gesetzestexten. Foto: Maurizio Gambarini/dpa Quelle: dpa

Doch kann eine Internetseite auch ein seit Jahrhunderten gelerntes Vorgehen verändern? Also zum Beispiel die Art und Weise, wie Gesetze entstehen. Am Sonntag ging Lobbyplag online. In Analogie zu Guttenplag, Vroniplag und all den anderen Internetseiten, die die Recherche nach Plagiaten in Doktorarbeiten erleichtern sollten, geht es hier darum, Gesetzesvorlagen auf den Einfluss von Lobbyisten zu durchforsten.

Lobbyplag startete mit den Vorlagen zu der Richtlinie zum EU-Datenschutz und das Ergebnis mutet durchaus erschreckend an. Amazon, Ebay, Microsoft, Google und Co. scheinen sich in den bisherigen Dokumenten ordentlich verewigt zu haben. Auf der Plattform wird öffentlich dargelegt, welche Abschnitte aus den Vorlagen von Unternehmen und Lobby-Organisationen in den Vorlagen übernommen wurden und von wem.

Pannen Katastrophen der Kommunikation

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Kein Wunder also, dass derzeit heftig diskutiert wird: Wie groß ist der Einfluss von Lobbyisten? Und ist dieser Einfluss schlecht? Sorgt der Schritt in die Transparenz dafür, dass Gesetzestexte nun sorgfältiger geprüft, Quellen offengelegt werden oder werden Lobbyisten in Zukunft noch gewiefter vorgehen, um ihre Interessen durchzusetzen?

Die Mitarbeit bei Lobbyplag ist nicht ganz so einfach wie das Liken einer Facebookseite, die eine Eissorte zurückbringen soll. Damit das einfacher wird, versuchen die Macher hinter Lobbyplag, die Journalisten Marco Maas, Richard Gutjahr und Max Schrems von Europe vs. Facebook, übrigens gerade ein wenig Geld aufzutreiben und setzen dabei - Sie ahnen es bereits - ebenfalls auf die Crowd. Doch seien es Eissorten - Grünofant, Brauner Bär und Dolomiti scheinen da untergegangene Sorten mit einem gewissen Potenzial an Wiederauferstehung zu sein, Politiker - die Facebookseite "Wir wollen Guttenberg zurück" zählt bereits heute 468.000 Fans - oder Wirtschaftsskandale, die es aufzudecken gilt: Veränderung ist möglich.  Sie müssen sich ja nicht unbedingt das Siemens-Handy S45 aus dem Jahr 2001 zurückwünschen.   

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Offenlegung: Die Autorin dieses Textes talkt gemeinsam mit Richard Gutjahr, einem der Journalisten hinter Lobbyplag, und ein paar anderen Köpfen aus dem Internet jeden Montag im "Digitale Quartett".

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