Digital- statt Analog-TV: Das Ende des analogen Fernsehens

Digital- statt Analog-TV: Das Ende des analogen Fernsehens

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Am 30. April wurde das letzte analoge TV-Signal abgeschaltet. Tausende haben mit dem Umrüsten ihrer Sat-Anlage bis zuletzt gewartet.

von Thorsten Firlus

Die Ära des analogen TV-Empfangs ist vorbei. Seit heute gibt es nur noch digitale Sat-Anlagen. Ein Nachruf auf das analoge Zeitalter.

Mein Vater hatte den Urlaub falsch geplant. Er fiel exakt in die Zeit vom 13. Juni bis zum 11. Juli 1982 und lag damit parallel zur Fußballweltmeisterschaft in Spanien. Er war also verdammt, die Spiele zu sehen, während wir in Italien – ausgerechnet im Heimatland des Siegers – am Strand waren. Sechs Babyzellen passten in den damals irrwitzig teuren tragbaren Fernseher der Größe eines Schuhkartons mit einer Bildfläche im Format einer halben Postkarte. Selbstredend schwarzweiß. Das Signal empfing unterm Sonnenschirm eine Teleskopantenne. Den Kanal suchte man wie beim Radio über ein Drehrad. Der Gipfel des analogen Sendezeitalters. Kein Satellit, kein Kabel. Von digital ganz zu schweigen.

Diese Ära ist nun ganz zu Ende, sie starb nicht, sie siechte dahin. Sie versendete sich. Heute ist der Tag, an dem vielleicht noch ein paar Zehntausend Haushalte feststellen, dass es endgültig vorbei ist: Das analoge Fernsehen.

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Denn seit heute werden keine analogen Signale fürs Fernsehprogramm mehr gesendet. Keine Sesamstraße ist mehr über die leicht zu zerbiegende Antenne des ersten Fernsehgeräts zu empfangen, kein Tatort über die meist mausgrauen Schattenspender, die flächendeckend all jene Gebäudefassaden verunzieren, die nicht auf Kabelempfang gewechselt sind.

Ein Beinbruch ist das nicht. Es ist keine Zäsur. Der Wechsel war angekündigt, lange Jahre schon und er ist nicht mal besonders aufwändig. Statt des analogen Receivers muss ein digitaler her. Einfache, brauchbare Geräte gibt es schon für knapp 50 Euro. Manchmal muss es auch ein neuer, digitaler Empfänger in der Schüssel sein. Nur in wenigen Fällen muss die ganze Anlage ausgetauscht werden.

Und doch ist es ein Tag, dem ein wenig Wehmut gegönnt sei, so wie der Tag als die CD erstmals mehr Exemplare als die Schallplatte verkaufte oder als in Deutschland auch das letzte Wählscheibentelefon abmontiert werden musste. Denn analoges Fernsehen, das klingt nach Stahlnetz, Kulenkampff und Rauchschwaden bei 3 nach 9. Wer erinnert sich nicht an die Versuche, die Antenne so auszurichten, dass das Bild nicht mehr flackert, nicht mehr Schlieren zieht oder grieselt. Damit hatte ja bereits das analoge Satelliten-TV Schluss gemacht. Dennoch, Fernsehzuschauer jenseits der 40 kennen noch die Qual der Wahl als Zapping aus dem Aufstehen und dem Druck auf einen von vier Programmknöpfen bedeutete.

Wenn Sie diesen Text lesen, ändert sich vermutlich nichts in Ihrem Leben, denn Sie haben ja Internet, das inzwischen seinerseits dem Satellitenfernsehen (auch dem digitalen) als TV-Programmverteiler Konkurrenz macht.

Und vermutlich ist für sie heute alles viel komfortabler, wenn sie die richtige Fernbedienung erst mal gefunden haben. Und da alles heute auch per Stream zu sehen ist in voller Pracht und Vielfalt, kann auch die EM 2012 nun kommen und keiner muss mehr zittern. Nur mein Vater, der hat wohlweislich dennoch keinen Urlaub in die Zeit gelegt. Er besitzt keinen Laptop.

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